
findet Michael Sontheimer. „Man ist nicht mehr ganz doof, hat aber noch die Arroganz der Adoleszenz.“ In dem Freiraum zwischen politischem Aktivismus und handwerklicher Ahnungslosigkeit platzierten junge Linksradikale 1979 das „Projekt tageszeitung“. Der Geschichtsstudent Micha, damals 24 Jahre alt, hatte schon beim Berliner Tagesspiegel Redaktionserfahrungen gesammelt und gehörte unter den Gründungsmitgliedern deshalb zu den Pragmatikern: „Ich wollte nicht nur ein alternatives Projekt, sondern auch eine richtige Zeitung.“ Gemeinsam mit seiner Wohngenossin Ute Scheub baute er die Ökoredaktion der taz auf – die erste in der westdeutschen Presselandschaft.
Mitte der Achtziger Jahre war Michael Sontheimer wieder der erste tazler, der etwas bisher nie Dagewesenes wagte: Er ließ sich vom alternativen Zeitungsprojekt zur etablierten Wochenzeitung Die Zeit locken. Dort reizte ihn nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit den erfahrenen KollegInnen. „In der taz gab es ja keine Älteren, die uns Jungen etwas beibringen konnten.“ Die Kehrseite des taz-Freiraums: Man muss alles selbst erfinden! In den Workshops der taz Akademie hat der Mittfünfziger nun seinerseits das Generationslernen zum Prinzip gemacht: Junge Talente treffen auf alte Hasen, die „Generation Web 2.0“ auf die Generation „Projekt tageszeitung“. Die Standards des Qualitätsjournalismus gelten freilich heute wie damals: „Alles hinterfragen. In nix reinreden lassen. Was verändern wollen.“
Michael Sontheimer ist Journalist und Sachbuchautor. 1992 war er der erste taz-Chefredakteur, der von der taz Genossenschaft in dieses Amt berufen wurde.
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