In Berlin beginnt eine kleine Gruppe über eine linke Tageszeitung zu diskutieren. "Deutscher Herbst" 1977, bleierne Zeit: Der Staat durchkämmt die Republik nach RAF-Terroristen, verhängt eine Nachrichten- und Kontaktsperre. Die Medien machen brav mit und berichten nur noch, was der Bonner Krisenstab will. Beim Tunix-Kongreß diskutiert die Linke das Projekt "tageszeitung". 1978 erscheint die erste Nullnummer, im April 1979 die erste tägliche Ausgabe.
Die staatliche Terroristenhysterie nimmt kein Ende. Der neue Paragraph 130 a stellt 1987 die "Anleitung zu Straftaten" ausdrücklich unter Strafe. Die taz muß nun vor dem Abdruck von Interviews, etwa mit Gegnern der WAA Wackersdorf, jedes Wort abwägen. Hans-Christian Ströbele spricht von Lex taz. 750-Jahr-Feier in Ost-Berlin. Die taz fälscht das SED-Zentralorgan Neues Deutschland und verbreitet es in der Bundesrepublik. Viele Voraussagen erfüllen sich später: McDonald's in Leipzig, Hanfanbau in Brandenburg. Zur Frankfurter Buchmesse produzieren Schriftsteller eine Dichter-taz.
Kaum ein Jahr hatten sogennante "Experten" dem Projekt "tageszeitung" 1979 gegeben - doch die taz feiert 1999 nicht nur ihren 20. Geburtstag, sondern startet auch ansonsten durch: das tazmag erweitert die Samstagsausgabe, die taz-Genossenschaft gewinnt viele neue Anteilseigner, und mit dem "taz Panter-Preis" wird außerdem eine Auszeichnung für "HeldInnen des Alltags" mit großem Erfolg etabliert.
Im Juni 2007 verwandelt die taz ihren Onlineauftritt mit dem Relaunch in ein eigenständiges linkes Newsportal. Mit großem Erfolg: In den ersten drei Jahren verdoppelt sich die Zahl der Besuche auf taz.de. Dem Regionalteil in NRW dagegen fehlt die Nachfrage. Im August 2007 muss er eingestellt werden. 2009 feiert die taz mit dem großen "Tu was!"-Kongress ihr 30jähriges Bestehen und startet Ihr bislang jüngstes Produkt: Die neue sonntaz.
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Seit 2007 hat Berlin eine neue Adresse: Rudi-Dutschke-Straße. Die Umbenennung der Kreuzberger Kochstraße ging auf eine Initiative der taz zurück. Sie residiert seitdem in der Rudi-Dutschke-Straße 23.