taz logo klein

Christian Semler

Pensionär, Revolutionär und Autor der taz

Seit kurzem hat er die Rente durch. Jeden Monat überweist die BfA Christian Semler einen "überschaubaren Betrag". Eine Folge seiner revolutionären Erwerbsbiographie: Nach dem juristischen Staatsexamen war Semler zwar zunächst bayerischer "Staatsbeamter auf Widerruf", als Wortführer der Studentenbewegung widerrief er aber bald aus eigenem Antrieb. 1970 gründete der Jurist die KPD - "bis klar wurde, dass wir nicht durchkommen würden mit unserem Konzept". Nach der "Selbstauflösung der Partei" 1980 ließ sich der nun arbeitslose Parteifunktionär in Köln als freier Journalist für Ost- und Mitteleuropa nieder - und wurde Mitglied der "Solidarität mit Solidarnosc".

Als im Frühjahr 89 der Zusammenbruch der DDR absehbar war, zog Semler nach Berlin ? und geriet dort bald in die heftigste ökonomische Krise der taz überhaupt. Nach dem Wegfall der Berlinförderung war die Zeitung praktisch pleite. Viele Redakteure riefen nach einem potenten Investor, andere wollten um jeden Preis die Unabhängigkeit der taz bewahren. Semler befürwortete, wie so oft, einen dritten Weg. "Aber aus der historischen Distanz muss man ja sagen: Die Befürworter der Genossenschaft haben Recht behalten." Sagt Semler und genießt seine Rente als freier taz-Autor.