■ Surfbrett: Das Kunstnetz: Wenn Künstler Diebe werden
1977 stahl der deutsche Aktionskünstler Ulay aus einer Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie den berühmt-berüchtigten „Armen Poeten“ von Spitzweg. Er entführte das Bild aus dem Museum, brachte es nach Kreuzberg und hängte den Ölschinken bei einer türkischen Familien ins Wohnzimmer. In der vergangenen Woche ereignete sich ein neuer Kunstdiebstahl. Nur hat ihn bisher noch nicht einmal das betroffene Museum bemerkt: der Slowene Vuk Cosic hat die gesamte Homepage der Documenta X kopiert, und auf seine Homepage verfrachtet (http://www.ljudmila.org/vuk). Dort kann man nun weiter besichtigen, was nach dem Willen von Simon Lamunière, Webkurator der zehnten documenta, eigentlich zum Ende der Ausstellung offline gehen sollte. Unter www.documenta.de sind nur noch die Besucherstatistiken zu finden. Auf die Frage, ob seine Aktion Kunst sei, antwortet Cosic „Es gibt eine ernsthafte Parallele zwischen Künstlern und Dieben. Beide beobachten ein System, und wenn sie clever genug sind, einen Fehler in diesem System zu finden, dann nutzten sie diesen kreativ aus. Der große Unterschied ist natürlich, daß – wenn etwas danebengeht – der Dieb ins Gefängnis geht, während dem Künstler nichts passiert.“ tilman@icf.de
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