Südafrika kämpft in Neuseeland um den WM-Titel im Rugby

Ein Land im „Bokke-Fieber“

von MARTINA SCHWIKOWSKI

nebensachen aus Johannesburg

Südafrikaner sind eingefleischte Patrioten. Begeisterte Sportfans noch dazu. Die Fußball-WM ging zu schnell vorbei. Jetzt werden wieder die Daumen gedrückt: Die Springböcke, das Rugby-Nationalteam, sind in Neuseeland und kämpfen um die Trophäe.

Diese Weltmeisterschaft findet zwar nicht auf heimischen Boden statt, aber die Südafrikaner sind trotzdem im „Bokke-Fieber“. Weiße und Schwarze stecken in grün-goldenen T-Shirts mit dem Springbock drauf. Weiße Südafrikaner einfach traditionsgemäß. Schwarze holen langsam auf, haben aber nur zwei schwarze „Böcke“ im Spiel.

Der einst ausschließlich weiße Sport öffnet sich nur langsam, auch wenn das raue Spiel mit dem eiförmigen Ball immer mehr Zuspruch bei der schwarzen Bevölkerung findet.

Fans grillen beim Spiel ihre Boerewors, die bei den Buren besonders beliebte Bratwurst. Dazu gibt es Bier. In Mengen. Der südafrikanische Frühling lässt die Rugby-Anhänger in die Fans-Parks der Fußballweltmeisterschaft pilgern. Die großen Fernsehschirme, die erstmals zur WM 2010 in Volksparks aufgestellt worden waren, sollen wieder magische Stimmung erzeugen und auch in den Townships schwarze Zuschauer anziehen. „Coaching Clinics“ für Kinder sind geöffnet. Auch Händler wollen etwas verdienen.

In Restaurants essen Fans und starren dabei mit eisernem Blick auf die Glotze. Auf den Schiefertafeln an den Wänden sind die Punkte der Mannschaften und nicht die Speisen angeschrieben. Noch vor der Bestellung kommt ein „Freebie“: Bezüge für die Außenspiegel am Auto – in den Farben der südafrikanischen Flagge. Wehmütige Erinnerungen an das WM-Spektakel kommen auf. „Wir gewinnen, die Böcke sind top“, grinst der Manager.

An den Straßenkreuzungen wehen riesige grün-goldene Fahnen. Schlüsselanhänger werden durchs Fenster gereicht: Bokkie, das Rugby-Maskottchen. Die Sportgeschäfte haben Hochbetrieb. Ständerweise grün-goldene Trikots warten auf Kundschaft, die sich den Stoff vor die Brust hält, um Maß zu nehmen.

Nie wieder wird es so werden wie bei der Fußball-WM, als ein ganzes Land vier Wochen lang kopfstand und sich in den Armen lag. Da kommt auch ein Sieg der Springböcke (Springbokkes auf Afrikaans) nicht heran. Aber die Lust der Südafrikaner am Sport und die Hoffnung auf einen neuen Siegestaumel haben wieder Ausnahmezustand geschaffen. „Go Bokke Go!“