„Man muss mich nur spielen lassen“

ANERKENNUNG Die Nationalspielerin Fatmire Bajramaj über Schönheit, ihre Heimat Kosovo und Schwule im Fußball

INTERVIEW MARIA ROSSBAUER
UND ANDREAS RÜTTENAUER

Fatmire Bajramaj trägt eine enge Jeans, darüber braune Stiefel und eine glitzernde rot-blaue Jacke zum Gespräch in einem Hotel in Potsdam. Training und ein Treffen mit Sponsoren hat sie schon hinter sich – trotzdem wirkt sie ausgeruht, ihre Nägel sind dunkel lackiert, die Haare perfekt gestylt, das Make-up sitzt.

taz: Frau Bajramaj, Sie gelten als Glamourgirl des Frauenfußballs. Wie wichtig ist es für Sie, vor den Kameras immer gut auszusehen?

Fatmire Bajramaj: Ich versuche, Werbung zu machen – nicht für mich, sondern für den Frauenfußball. Dass gerade ich so gefragt bin, finde ich schön. Aber es gibt noch viele andere Gesichter in der Nationalmannschaft. Simone Lauder, Kim Kulig, Anja Mittag, Birgit Prinz …

die Rekordnationalspielerin würde diesen Werbemarathon aber nicht mitmachen. Sie weicht den Kameras eher aus.

An stressigen Tagen, wenn nach dem Training noch ein Interview, ein Fotoshooting und ein Fernsehauftritt anstehen, denke ich schon: Die Birgit hat recht. Ich will doch eigentlich nur Fußball spielen. Aber das gehört dazu. Wenn wir Werbung machen können, müssen wir das auch tun. Es hilft dem Frauenfußball. Und außerdem mache ich das ja auch gern.

Der Frauenfußball braucht auch Werbung. Oft kommen zu Spielen nur 300 Zuschauer.

Das ist doch traurig. 300 Zuschauer! Da denkst du dir schon: das kann doch nicht sein.

Woran liegt das denn?

Das weiß ich selbst nicht so genau. Vielleicht weil uns viele nicht ernst nehmen. Manche wissen ja noch nicht einmal, dass die Frauen-WM dieses Jahr in Deutschland ist. Man müsste mal so ein paar davon einladen und ihnen zeigen: Ist doch ganz schön hier, die Atmosphäre ist super, wir spielen gut, kommt doch öfter.

Die Person: Fatmire Bajramaj wurde am 1. April 1988 in Gjurakovc im Kosovo geboren. Nachdem ihr albanischer Vater sich geweigert hatte, dem serbischen Staat seine Loyalität zu versichern, entschloss sich die Familie 1993 zur Flucht nach Deutschland.

Die Fußballerin: Als Erstklässlerin begann Bajramaj mit dem Kicken. Mit zehn Jahren schloss sie sich heimlich der DJK/VfL Giesenkirchen bei Mönchengladbach an. 2004 spielte sie für den FCR Duisburg das erste Mal in der Bundesliga. Vor zwei Wochen ist sie mit Turbine Potsdam Meisterin geworden. Für die Nationalmannschaft hat sie 43-mal gespielt, ihre Position ist das offensive Mittelfeld.

Die Soldatin: Als Hauptgefreite in einer Sportfördergruppe gehört Bajramaj seit 2007 der Bundeswehr an.

Die Siegerin: Bajramaj ist Welt- und Europameisterin. Sie hat den Uefa-Pokal und die Champions League gewonnen, war zweimal deutsche Meisterin und einmal Siegerin im DFB-Pokal. Heute spielt Turbine Potsdam im Pokalfinale in Köln gegen den 1. FFC Frankfurt. Das Spiel wird um 16:15 Uhr in der ARD übertragen.

In der Bundesliga gibt es allerdings nur wenige Spitzenteams. Da kann man auch mal ein einseitiges 8:0 erwischen.

Ja, das ist auch für uns nicht leicht. Bei solchen Spielen denk ich mir auch: nicht gerade spannend für die Zuschauer. Das ist keine gute Werbung, die wir dann machen.

Auch die Nationalelf war ihren Gegnerinnen meistens überlegen. Wer soll ihnen den WM-Titel eigentlich streitig machen?

Brasilien, USA, vielleicht auch Schweden oder England. Diesmal sind viele Überraschungen möglich. Aber die Favoriten sind schon wir.

Das Fifa-Motto für die WM heißt: 20Elf von seiner schönsten Seite …

Das freut mich total. Weil viele gar nicht wissen, dass wir eine hübsche Nationalmannschaft haben. Haben wir doch, oder nicht?

Schweigen.

Das muss der Mann sagen.

Der Mann: Ja, da kann man schon hinschauen.

Eben: die WM von ihrer schönsten Seite halt.

Sollte es aber nicht eher um das Sportliche gehen?

Klar, Fußballspielende Frauen nur nach dem Äußeren zu beurteilen ist auch schlecht. Ich will schon auch fußballerisch überzeugen. Aber viele gucken sich nun mal die Spiele an und sagen: Die ist hübsch, die ist nicht hübsch. Statt zu sagen: Die spielt gut, die nicht so.

Jetzt werden ja auch die Trikots enger.

Ja, die sind an der Taille enger geschnitten, auch die Hosen sind ein bisschen kürzer. Ich hätte auch 2007 schon gern diese Trikots gehabt. Mir ist es sowieso wichtig, auch auf dem Platz gut auszusehen. Nur weil ich Fußball spiele, muss ja nicht hier und da ein Haar raushängen. Nee. Das muss schon sitzen.

Wahrscheinlich gar nicht so einfach.

Doch. Meine Haare sind lang, die kommen einfach streng nach hinten, da mach ich einen Zopf, fertig, aus. Und die Schminke hält auch, ich mach ja nicht so viel drauf.

Es gab auch mal die Forderung, Fußballerinnen sollten mit Röckchen spielen.

Das würde ich nie machen. Damit kann man ja auch nicht richtig spielen, kein Tackling machen. Man muss es jetzt wirklich nicht übertreiben.

Vor allem Männer kanzeln Frauenfußball immer noch als minderwertig ab oder halten es für einen reinen Lesbensport. Wie gehen Sie mit solchen Vorurteilen um?

Denen könnte es genauso passieren, dass das eigene Kind mal aufs gleiche Geschlecht steht. Wär doch schade, wenn man sie deshalb ausgrenzt. Außerdem: Im Männerfußball gibt es auch Schwule, nur die outen sich nicht. Das würde ich da auch nicht machen. Schwule werden unter Männern immer noch ganz schön diskriminiert. Bei uns gibt es so etwas nicht. Aber vielleicht kann ich da auch nicht mitreden, weil ich nicht lesbisch bin.

Ist Frauenfußball gerade dabei, hip zu werden?

Ja, mich sprechen Jungs auf der Straße an: Du spielst doch Fußball, cool, komm mal vorbei, wir spielen immer samstags. Ich sag immer: Sorry, Jungs, ich kann nicht, ich habe ein Spiel am Sonntag. Auch in Mönchengladbach, wo ich herkomme, wollen alle Freunde von meinem Bruder Trikots haben und Karten für die WM, auch die Arbeitskollegen von meinem Papa.

Können Sie sich eigentlich noch ein Leben ohne Fußball vorstellen?

Nein, kann ich nicht. Ich bin einfach total verliebt in den Ball. Schon als kleines Mädel hatte ich den Ball immer und überall mit dabei.

Bälle sind ja eher ein Männerspielzeug. Wenn wir hier einen Ball reinwerfen, würden sofort drei Männer anfangen damit zu spielen. Die Frauen würden sitzen bleiben.

Die würden sogar sagen: Könnt ihr mal aufhören! Es gibt nicht viele, die so sind.

Haben Sie einen Lieblingstrick mit dem Ball?

Im Spiel mach ich gern Übersteiger oder täusche an, tu so, als ob ich schieße, und zieh dann zurück. Sonst jongliere ich den Ball gerne: auf den Rücken und auf den Kopf, mit der Hacke. Ich hab aber nachgelassen mit den ganzen Tricks und Freestyles.

Und doch sind Sie immer noch ein spielerischer Freigeist?

Ja, mich muss man einfach nur spielen lassen. Natürlich braucht es auch die taktischen Anweisungen der Trainer, aber mir muss man sagen, Lira geh hin und mach einfach nur dein Ding. Ich bin eher die kreative Spielerin mit viel Spielwitz. So muss Fußball sein. Und ich kann ein Spiel lesen. Ich weiß sofort, was jetzt passieren muss, wo der Ball hinmuss, wo die Schwächen sind.

Haben Sie da ein Vorbild?

„Als mein Vater mich dann mal beim Spielen erwischt hat, hat er sich gedacht: Wahnsinn, meine Tochter macht da grade alle Jungs frisch“

Zinedine Zidane. Den kann auch kein Cristiano Ronaldo ersetzen, den sonst viele so toll finden. Zidane, wie der geackert hat und gelaufen ist, wie sein Schweiß von der Nase getropft ist! Da sage ich mir manchmal: Zidane hat auch geackert und ist gelaufen. Los jetzt!

Und sein Ausraster im WM-Finale, könnte Ihnen so etwas auch passieren?

Mit dem Kopf auf die Brust – nein. Aber Materazzi hat ihn ja beleidigt, das ist klar. Der muss schon was Krasses gesagt haben. Aber natürlich war das kein schönes Karriereende für einen so großen Sportler.

Sind Sie schon mal mit einer Gegenspielern so aneinandergerasselt?

Das passiert schon mal. Fußball muss ja auch ein bisschen Power haben. Ich versuch mir immer zu sagen: Lira, bleib ruhig! Aber das geht nicht. Ich habe auch nach einem Spiel schon mal eine Rote Karte bekommen. Da war ich so geladen, weil ich einen Elfmeter nicht bekommen hab. Und habe mich dann beim Schiri ziemlich aufgeregt.

Was ist dann passiert?

Ich dreh mich um, seh, wie der Trainer auf mich zukommt, ich denk mir noch, warum läuft der denn, dann seh ich die Rote Karte. Na ja, ich wäre aber nicht die Lira, wenn ich einfach meinen Mund halten würde. Da muss ich mich in Zukunft echt ein bisschen zurückhalten.

Wie kommt Ihr Temperament als Sportsoldatin in der Bundeswehr an?

Das ist ja nur eine Förderung für mich, damit ich professionell Fußball spielen kann und mehr Möglichkeiten zum Trainieren habe. Die Bundestrainerin hat mich dorthin vermittelt. Man kann sich das ungefähr so vorstellen wie in einer Sportschule.

Mussten Sie eine Grundausbildung machen?

Da kommt man nicht drum rum. Aber unsere war kürzer als die der normalen Soldaten. Natürlich mussten wir vieles lernen, aber mehr sportliche Dinge. Das Ganze war aber schon anstrengend. Um sechs Uhr aufstehen ist gar nichts für mich.

Spüren Sie eine besondere Verantwortung, weil Sie die deutsche Uniform tragen?

Was für eine Verantwortung?

Wenn es um politische Debatten über die Bundeswehr geht, den Afghanistan-Einsatz zum Beispiel.

Nein, überhaupt nicht. Ich bekomme das zwar alles mit, aber kämpfen muss ich nicht. Das steht in meinem Vertrag.

Sind Sie auf den Sold angewiesen?

Anfangs war es eine große Hilfe. Ich kann im Moment aber auch gut von meinen Werbeeinnahmen leben. Nach der WM will ich aber einen anderen Weg einschlagen. Ich würde gern Visagistin werden, irgendwann einen eigenen Laden haben. Und ich würde gern mit Kindern arbeiten, denen es schlecht geht.

Denken Sie schon an die Zeit nach der Fußballkarriere?

Ja. Kann sein, dass meine Karriere ganz schnell endet, weil es der liebe Gott so will.

Sind Sie schon eine Marke, mit der man für den eigenen Salon werben kann?

Na ja, vielleicht nach der WM.

Sie haben oft gesagt: erst den WM-Titel im eigenen Land gewinnen und dann Kinder kriegen. Gibt’s die Pläne noch?

Klar, ich wünsche mir eine Familie und Kinder. Und ich möchte eine junge Mama werden. Aber dafür braucht man ja auch den richtigen Mann. Und den hab ich jetzt erst mal nicht.

Und es muss auch nicht unbedingt ein Fußballspieler sein?

Der Anpfiff: Am 26. Juni wird die Frauenfußball-WM mit dem Spiel Deutschland gegen Kanada in Berlin eröffnet.

Die Stadien: Im Berliner Olympiastadion findet das Auftaktspiel statt. Danach wird in Mönchengladbach, Leverkusen, Bochum, Sinsheim, Dresden, Augsburg, Wolfsburg und Frankfurt am Main gespielt.

Die Teams: Neben Deutschland sind dabei: Frankreich, England, Schweden, Norwegen, Nordkorea, Japan, Australien, Neuseeland, Nigeria, Äquatorialguinea, Brasilien, Kolumbien, Mexiko, die USA und Kanada.

Die Tickets: Bis jetzt sind über 515.000 Karten verkauft. Knapp 300.000 Karten mit Preisen zwischen 9 Euro (ermäßigt) und 200 Euro sind noch zu haben.

Das Tier: Das Maskottchen des Turniers heißt Karla Kick. Es soll wohl eine Katze darstellen.

Der Abpfiff: Das Endspiel des Turniers findet am 17. Juli in Frankfurt am Main statt.

Nee, muss nicht. Kann aber. Aber mein zukünftiger Mann müsste damit klarkommen, dass ich auch mal ein, zwei Wochen weg bin. Er muss Charakter haben, ehrlich sein und mich zum Lachen bringen. Und mich so nehmen, wie ich bin. Ich kann manchmal sehr rechthaberisch sein.

Und er muss mit seiner Rolle als Fußballerinnen-Mann klarkommen. Die Ehefrauen der Fußballspieler haben ja schon ihren eigenen Status.

Bei uns sieht man die nicht so, die Freunde und Freundinnen der Spielerinnen. Viele wollen auch nicht so viel von ihrem Privatleben preisgeben. Die WM kann da zum Problem werden, wenn plötzlich viele Fotos geknipst und Sachen geschrieben werden. Aber wir sind Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, darauf muss man sich einstellen. Ich finde das auch nicht schlimm, ein bisschen was über mein Privatleben zu erzählen.

Ihre Geschichte als Flüchtlingskind aus dem Kosovo, als erste Muslimin in der Nationalmannschaft haben Sie auch schon oft erzählt.

Viele sagen: Erzähl doch noch mal deine Geschichte. Und dann denk ich, ach, die kennt doch jetzt fast jeder. Aber ich habe da so einen Knopf im Kopf, den drück ich einfach, und dann läuft die Geschichte ab. Na ja, ich erzähle sie aber auch gern.

Sie werden oft als Musterbeispiel für gelungene Integration vorgeführt. Fühlen Sie sich wohl in dieser Rolle?

Ja. Ich setze mich viel für Integration ein. Ich besuche zum Beispiel Schulen und erzähle dort meine Geschichte. Das macht vielen Kindern Mut. Es ist mir schon wichtig, dass die Leute mich als Vorbild sehen.

Sie bezeichnen sich als Muslimin. Hätten Sie auch als strenggläubige Muslimin Karriere gemacht?

Nein. Eine Strenggläubige trägt Kopftuch, ist nicht viel unterwegs. Und ich hab meine Freiheiten. Ich lebe 600 Kilometer von meinen Eltern weg. Trotzdem hab ich noch meinen Glauben. Ich bete, halte mich auch an gewisse Regeln, aber streng bin ich überhaupt nicht.

Welche Regeln sind das?

Wenn Fastenzeit ist, versuche ich auch ein paar Tage zu fasten und kein Schweinefleisch zu essen. Ich trinke gern mal einen Sekt, würde damit aber nie übertreiben. Wichtig ist einfach nur anständig zu leben, so wie es auch in der Bibel steht. Wenn ich mal aufhöre mit Fußball, will ich einen Fastenmonat durchziehen. Letztes Jahr hab ich vier Tage gefastet, das war schon hart. Ich hatte ja auch Training und durfte bis 21 Uhr nicht essen und trinken. Respekt an alle Leute, die das durchziehen.

Sie haben als Kind heimlich Fußball gespielt, weil Sie Angst vor der Reaktion Ihres Vaters hatten.

Bei meinem Vater war das Problem, dass er Frauenfußball nicht mochte. Als er mich dann mal spielen sah – er hat mich ja dabei erwischt –, hat er sich gedacht: Wahnsinn, meine Tochter macht da gerade alle Jungs frisch. Er ist heute mein größter Fan. Bei anderen muslimischen Eltern geht’s darum, dass sie nicht wollen, dass ihre Tochter Fußball spielt, vor allem nicht mit Jungs, oder dass sie herumreist. Aber was ist denn daran so schlimm? Fußball verbindet, und dadurch kann man sich auch integrieren. Ich hab durch Fußball gelernt, was Ostern ist.

Wie das?

Als ich noch bei den Jungs gespielt habe, kamen die eines Tages mit bunten Eiern in die Kabine. Die mussten mir dann erst mal erklären, was das soll.

Viele Mädchen in Deutschland sehen Sie als Vorbild. Wie ist das im Kosovo, spielen die Mädels da jetzt Fußball?

Es gibt dort auch Fußballerinnen. Ich hab schon von einer Mannschaft gehört. Die sind leider noch nicht mal zu elft, also so langsam kommt das. Das liegt nicht an mir, aber die sagen dort schon: Guck mal, die Lira hat’s geschafft, da will ich auch mal hin. Das wird aber schwer im Kosovo. Schon die Männerliga ist nicht vergleichbar mit der in Deutschland. Da ist es für die Frauen noch weit.

Wie geht das zusammen, die deutsche Profisportlerin und Ihre Verwandten, die im Kosovo leben?

■  Ringen: Interviews erscheinen in gekürzter, geglätteter Form. Bajramajs Management wollte, wie üblich, die Druckfassung vorab lesen – und schickte uns eine PR-Schrift zurück. Gut die Hälfte fiel raus, so etwa ihr Zitat über Bayern-Boss Uli Hoeneß: „Der weiß doch noch nicht einmal, dass dieses Jahr Frauen-WM ist.“ Bajramajs Manager dazu: „Über den FC Bayern darf man nichts sagen.“ Auch musste ihr Kommentar zu Zinedine Zidanes Kopfstoß beim WM-Finale dran glauben: „Wenn man schon Rot kriegt, dann würde ich ihm auch gleich richtig die Nase brechen.“ Das würde eine Lady nie sagen, meinte ihr Manager. Auch wenn es auf Tonband ist. Abgedruckt ist die Fassung, die das Management nach tagelangen Verhandlungen akzeptierte. Mehr Details: www.taz.de/hausblog

Wenn ich dort bin, rede ich nicht viel über Deutschland. Ich bring immer ein paar Geschenke mit. Die Leute im Kosovo leben nicht gerade im Luxus. Sie sagen oft, wir hätten auch gern dein Leben, würden hier gern weg. Das tut mir dann leid.

Sie können vom Fußballspielen leben als eine der wenigen im Frauenfußball. Kann sich mit der WM auch was für den Frauenfußball ändern?

Die WM wird für einen Monat ein Sommermärchen sein. Aber ich hab schon Angst, dass danach nur noch zwei Wochen darüber geredet wird, und dann ist wieder alles so, wie’s früher war.

So wie vor vier Jahren …

Ja. Ich hoffe sehr, dass das diesmal nicht passiert. Aber schließlich findet die WM in Deutschland statt, da werden sicher noch mehr Leute auf uns aufmerksam.

Sehen Sie das als Mission, die Menschen nachhaltig für Frauenfußball zu begeistern?

Auf jeden Fall. Ich wünsche mir mehr Medienpräsenz, mehr Sponsoren, dass wir mehr im Fernsehen sind. Dass man ein Topspiel von uns in der Sportschau zeigt, auch wenn’s nur zwei Minuten sind, einfach mal die Highlights, das wär doch ein super Anfang.

Frauenfußball in der Sportschau …

Ja, das wär was. Nur ein Spiel. Müssen ja nicht alle sein.

Maria Rossbauer, 29, sonntaz-Autorin, hat 12 Jahre Fußball gespielt, zwei davon im Tor – zuletzt beim F. C. Amicitia in München

Andreas Rüttenauer, 43, ist Sportredakteur der taz und wird im Sommer über die Frauenfußball-WM in Deutschland berichten