ORTSTERMIN

Ratlos in Berlin

KINO Die SPD präsentiert einen Film, um über Integration zu diskutieren. Der Abend gerät zur One-Man-Show

„Sie sind ja aufgeregt“, sagt der Regisseur zum Moderator. Das Fazit einer vermasselten Filmpremiere am Dienstag. Schuld ist nicht der Film, sondern die Inszenierung eines Einzelnen.

„Die SPD-Fraktion präsentiert“, hieß es auf dem Flyer. Es geht um einen Film über Muslime in Berlin, „Shahada“, der heute ins Kino kommt. „Sie werden sich sicher fragen, warum die SPD-Fraktion einen Film vorführt“, spricht die kulturpolitische Sprecherin Brigitte Lange aus, was sich die Ratlosen im Festsaal des Berliner Abgeordnetenhauses fragen. Erklären kann sie es nicht wirklich. Die SPD will mit Politikern und anderen über Integration sprechen. Gerade jetzt nach Thilo Sarrazin.

Nach dem Film soll diskutiert werden. „Sollen wir bleiben?“, fragt eine ältere Dame die andere. „Ach nein, das bringt nie was.“ Wie recht sie behalten wird. Moderator des Abends ist Radiomann Christian Stahl. „Sie müssen jetzt nicht gehen, Sie sind die Hauptdarsteller!“, ruft er der schwindenden Masse zu. Der Mann, der an diesem Abend am meisten reden wird, schleudert den Migranten im Saal mitfühlende Sätze wie „Homosexualität ist kein Problem des Islam, die halbe deutsche Nationalmannschaft ist schwul“ an den Kopf. „Häh?“, fragt der Junge in der zweiten Reihe seine Mutter. Genau. Als Stahl eine Frau nötigt, mitzudiskutieren („Wenn Sie nicht fragen, frage ich Sie!“), dem Regisseur Burhan Qurbani verbietet, direkt auf Fragen zu antworten („Wir sammeln erst mal, das können wir uns ja merken“), vergräbt der Regisseur das Gesicht in den Händen, das Publikum schaut sich fragend an.

Während die CDU zeitgleich ihre eigene Integrationsveranstaltung abhielt, ergaben sich SPDler, Vertreter von Migrantenverbänden und Zivilisten der Ratlosigkeit und dem Moderator. Einer aus dem Filmteam raunte entschuldigend: „Für DEN können wir nichts.“ Diana Aust

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