Gewalt

Glimpflich weggekommen

Drei Neonazis müssen sich für Angriffe auf Linke in Delmenhorst verantworten. In der niedersächsischen Stadt hat sich in den letzten Jahren eine rechte Szene etabliert.

Bürger gegen Nazis: Demonstration im Jahr 2006. Bild: dpa

Vor dem Amtsgericht Delmenhorst haben sich am Donnerstag drei Neonazis verantworten müssen. Mario M., Marcel H. und Alicia N. wurden gleich mehrere Angriffe auf nicht rechte Jugendliche vorgeworfen. Am Nachmittag verurteilte das Gericht allerdings alleine Mario M. zu vier Tagen Arrest.

In Delmenhorst hat sich in den vergangenen Jahren eine neonazistische Szene etabliert. Vor Ort hat die NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) einen Stützpunkt. Aus der Stadt kommt der niedersächsische JN-Chef, Julian Monaco, der Freund von Alicia N. Auf der Website der JN-Delmenhorst findet sich eine MP3-Datei der Band "Projekt 144" mit dem Song: "Delmenhorst". In dem Lied grölt die Band, dass Delmenhorst in "deutsche Hand" gehöre und brüllt "Kämpft für eure Stadt".

Dass das keine leeren Sprüche sind zeigte der Prozess: Eines der Opfer berichtete sehr eindringlich von einem Angriff im November 2009. Vor einen Supermarkt in Delmenhorst sei er den drei Angeklagten zufällig begegnet. Mario M. soll den Jugendlichen, den er zum Umfeld der Antifa zählte, beleidigt und bespuckt haben. Prompt schlug der Jugendliche den Neonazi. Mit vereinten Kräften hätten ihn dann Marcel H. und Alicia N. festgehalten. Mario M. habe ihm dann mit einem "metallenen Gegenstand" auf den Kopf gehauen. Die Wunde musste später genäht werden. Alicia N. habe ihm zudem mehrfach in die Genitalien getreten, berichtete der junge Mann.

Im Urteil folgte das Gericht aber nicht dieser Aussage. "Die genaue Beteiligung von Marcel H. und Alicia N. konnte das Gericht nicht feststellen", sagte ein Gerichtssprecher. Das Gericht konnte auch nicht den genauen Tatverlauf feststellen. Zwar war später ein Karabinerhaken als potenzielle Waffe bei Mario M. sichergestellt worden, aber eine genetische Probe habe die Polizei nicht für notwendig erachtet.

Vor den Kameraden im Saal, die aus der Szene der "Autonomen Nationalisten" Delmenhorsts und Tostedts kamen, gaben die Beschuldigten sich bemüht lässig. Mario M. versuchte einen anderen Übergriff zu verharmlosen. Nur in den Schwitzkasten hätte er das Opfer genommen berichtete der auffällig gepiercte Neonazi.

Der Betroffene dagegen hatte das anders erlebt. Die beiden waren im Oktober 2009 in einer Gaststätte aufeinander getroffen. Mario M. habe dem jungen Mann ausrichten lassen, er solle herauskommen, um zu reden. Draußen griff M. das Opfer sofort an. "Das Gericht geht von vorsätzlicher Körperverletzung aus", sagte der Gerichtssprecher.

In der Stadt ist es in den vergangenen Jahren nicht nur zu den zwei nun verhandelten Übergriffen gekommen. "Hier laufen die Neonazis mit Schlagstöcken rum", sagte Monika Meyer von der Initiative "Eltern gegen Rechts" unlängst der taz. Eines ihrer Kinder wurde von Rechten angegangen. Zuletzt griffen Neonazis am 3. Juni auf der Straße Jugendliche an, die sich selbst als antifaschistisch bezeichnen.

Letzte Woche hat sich in Delmenhorst ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Betroffenen und Jugendgruppen gebildet, um auf die Aktivitäten von Rechts aufmerksam zu machen. Das Urteil dürfte die rechte Szene wenig beeindruckt haben.

 

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Ihren Kommentar hier eingeben