Frappant-Gebäude

Die letzten Tage der Kunst

Ohne Heizung und Wasser harren die 130 Künstler im Frappant-Gebäude aus, machen Ausstellungen und verhandeln über den geplanten Umzug in die Viktoria-Kaserne.

Mittwoch wird weiterverhandelt: Noch haben die rund 130 KünstlerInnen, die dort seit April ihre Ateliers haben, das Frappant-Gebäude nicht verlassen. Bild: dpa

Über Nacht hat einer der Künstler ganz oben auf dem Frappant-Gebäude ein Holzkreuz installiert. Es ist ein Gipfelkreuz auf einem Berg aus Beton. Ein Zeichen des Bewusstseins gegenüber den höheren Mächten, die wirken. Und ein Symbol des Todes und der Auferstehung, auf grafitti-buntem Beton über einer nasskalten Großen Bergstraße.

Die höheren Mächte, das sind die Immotrading GmbH und Ikea. Immotrading hat das Frappant an das Möbelhaus verkauft, heute endet dessen Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag. Übergeben haben die Münchener das Gebäude aber noch nicht. Weil die rund 130 KünstlerInnen, die dort seit April 2009 ihre Ateliers haben, noch nicht gegangen sind. Anstatt sich der Räumungsklage von Immotrading zu fügen, machen sie weiter wie zuvor, arbeiten, stellen aus und verhandeln. Mit Immotrading, Ikea, dem Bezirksamt, der Kulturbehörde, der Finanzbehörde und der stadteiggenen Sprinkenhof AG (Spriag).

Das Abendblatt meldete am vergangenen Freitag, es habe eine Einigung gegeben. Bis zum 15. März würden die Künstler ihre Ateliers räumen. Aber das stimmt nicht. "Wir sind uns überhaupt nicht einig", sagt Gianna Schade, die Sprecherin des Nutzervereins. Diesen Mittwoch wird weiterverhandelt.

Eine Kundgebung plus Stadtteilspaziergang veranstaltet die Initiative "Kein Ikea in Altona" am Montag, 15.2., um 18 Uhr, Treffpunkt: Paul-Nevermann-Platz.

Unterstützung signalisierte die Rote Flora. Sie kündigte "anhaltende Proteste" an und verwies in einer E-Mail auf "militante Aktionen", mit denen sie seinerzeit das Musicalprojekt verhinderte, das an der Stelle der heutigen Roten Flora geplant war.

Die KünstlerInnen sollen umziehen in die Viktoria-Kaserne nahe der Max-Brauer-Allee. Unattraktiv erscheint, dass es dort lediglich um eine vorübergehende Nutzung von einem Jahr gehen würde. Der Knackpunkt der Verhandlungen aber ist der Mietpreis: Die Spriag wolle acht Euro Miete pro Quadratmeter, die Künstler seien nur bereit, vier Euro zu zahlen, sagt Schade. "Das ist die Durchschnittsmiete in Hamburg für subventionierte Atelierplätze." In den Frappant-Ateliers lag die Miete bei 2,25 Euro.

Fragt sich, ob die Stadt bereit ist, die Differenz zwischen vier und acht Euro aufzubringen. Nach Berechnungen der Spriag geht es in der Viktoria-Kaserne um eine Gesamtfläche von 4.500 Quadratmeter, nach denen des Nutzervereins um 4.000 Quadratmeter. So oder so geht es um Peanuts, verglichen damit, was sich die Stadt ihre Leuchtturmprojekte kosten lässt.

Im Frappant-Gebäude gibt es unterdessen keine Heizung und kein Wasser mehr, aber am Samstag eröffnete die Ausstellung "Passage" im siebten Stock. Zwölf KünstlerInnen zeigen ihre Arbeiten in den Ateliers und Endlos-Fluren des ehemaligen Arbeitsamtes. Nach einem Wasserrohrbruch ist das oberste Parkdeck zur Eisfläche geworden. Am Samstag wurde dort Eishockey gespielt. Es kann sein, dass dies die letzten Tage sind, in denen die Künstler im Frappant sind. Aber weg sind sie noch nicht.

Weiterer Widerstand gegen Ikea ist allerdings kein Anliegen, das die Frappant-Künstler einheitlich verfolgen. Der Nutzerverein akzeptiert den Bürgerentscheid, bei dem sich 77 Prozent für Ikea aussprachen. "Wenn der Mietpreis stimmt, dann müssen wir umziehen", sagt Schade. "Wir können hier nichts mehr bewirken."

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de