Staatshilfe beantragt

Analysten sehen Aareal voller Risiken

Als zweite deutsche Bank nimmt das Kreditinstitut Aareal Eigenkapitalhilfe in Anspruch. Analysten warnen, die Bank verberge milliardenschwere Risiken.

Husch, husch, unter den Rettungsschirm: der Immobilienfinanzierer Aareal lässt sich helfen. Bild: dpa

Die Anleger reagierten positiv, nachdem die Aareal-Bank Staatshilfe beantragt hat: Bis zum Montagnachmittag legte die Aktie um knapp 14 Prozent zu und war der Gewinner an der Börse.

Der Immobilienfinanzierer hat vom Bankenrettungsfonds Soffin 525 Millionen Euro als stille Einlage erhalten. Nach der Commerzbank ist Aareal damit die zweite deutsche Bank, die Eigenkapitalhilfe in Anspruch nimmt. Die Einlage wird mit 9 Prozent verzinst, was Aareal 47 Millionen Euro jährlich kostet. Anders als bei der Commerzbank wird der Staat jedoch nicht Teileigentümer bei Aareal.

Zudem erhält die Bank Garantien von bis zu 4 Milliarden Euro für maximal drei Jahre. Damit kann sich Aareal weiteres Kapital bei Banken oder Versicherungen besorgen.

Anders als bei der Commerzbank hat die Soffin die Vorstandsgehälter nicht auf 500.000 Euro beschränkt; auch dürfen weiter Dividenden gezahlt werden. Trotzdem will Aareal 2009 und 2010 auf Ausschüttungen verzichten, um bald vom Staat unabhängig zu werden. Trotz der Staatshilfen bezeichnet sich Aareal als "gesundes Unternehmen". Man habe nur Wettbewerbsnachteile verhindern wollen, weil andere Banken den Rettungsfonds bereits beansprucht haben.

Tatsächlich konnte Aareal 2008 einen Vorsteuergewinn von 117 Millionen Euro ausweisen. Selbst im 4. Quartal wurden schwarze Zahlen geschrieben, als es bei den meisten anderen Banken sehr düster aussah. Zum Gewinn trug jedoch besonders der "Zinsüberschuss" bei, der 2008 sogar noch zunahm, obwohl das Neugeschäft zurückging. Hinter diesem seltsamen Phänomen verbirgt sich, dass Aareal höhere Zinsmargen verlangen konnte - weil oft das Risiko gestiegen ist, dass die Immobilienkredite nicht zurückgezahlt werden.

Die US-Investmentbank JP Morgan schätzt, dass sich bei Aareal Risiken von 4,3 Milliarden Euro verbergen, von denen möglicherweise 2 Milliarden Euro abgeschrieben werden müssen. Damit wäre das Eigenkapital aufgezehrt, die Bank pleite. "Wir kommentieren Analysteneinschätzungen nicht", sagt die Aareal. Auch andere Marktbeobachter sind skeptisch. Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck rät Anlegern, ihre Aareal-Aktien zu verkaufen. "Die Staatshilfe ist nicht das Ende der Probleme." Er rechnet ebenfalls mit hohen Abschreibungen auf die Immobilienkredite, während das Neugeschäft in der Krise weiter zurückgehe. "Aareal wird von der Rezession eingeholt."

Die Aareal ist aus der Deutschen Pfandbriefanstalt hervorgegangen, die 2002 aufgespalten wurde - in einen Staatsfinanzierer, der weiterhin Depfa heißt, 2007 von der Hypo Real Estate aufgekauft wurde und dort heute für Milliardenverluste sorgt. Die Aareal hingegen übernahm das Geschäft mit den Gewerbeimmobilien. Knapp 63 Prozent sind in Streubesitz. Etwa 37 Prozent gehören der Aareal Holding Verwaltungsgesellschaft, in der sich sechs Eigner zusammengeschlossen haben. Dazu zählen auch die Bayerische Beamten-Lebensversicherung und die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder. ULRIKE HERRMANN

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