Leuchten der Menschheit Von Wolfgang Gast

Wasser, Mangel, Krieg

In Zeiten des Terrors werden andere Themen mitunter kaum wahrgenommen. So warnte die Naturschutzorganisation WWF anlässlich des internationalen Weltwassertags am vergangenen Dienstag vor einer gefährlichen Zuspitzung der globalen Wasserkrise. Nach deren Analysen könnte bis 2050 der weltweite Wasserbedarf nochmals um 55 Prozent ansteigen. Und dabei ist heute schon Stand der Dinge: Mehr als 780 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,6 Milliarden Menschen leben ohne grundlegende Sanitäreinrichtungen.

Eine wachsende Bevölkerung, steigender Konsum und der Klimawandel werden, so die Prognose, die Verfügbarkeit und Qualität von Wasser weiter verschlechtern. Zugleich gehen die entscheidenden Wasser-Ökosysteme verloren: In den vergangenen 100 Jahren sind demnach weltweit über 50 Prozent der Flusssysteme, Moore und Seen verschwunden. Nicht nur in Wüstenregionen ist/wird Wasserknappheit ein Problem. Zugespitzt: Die Kriege der Zukunft werden um Wasser geführt. Denn Wasser ist nicht nur notwendiger Grundstoff des alltäglichen Lebens, Wasser ist auch ein nicht weniger bedeutender Grundstoff mächtiger Industriekonzerne. Diese eignen sich die Wasservorkommen an, etwa durch Wasserbergbau in Gebieten mit großen Grundwasservorkommen oder durch intensive Ausbeutung der Flüsse und Ströme; durch das Leasen ­staatlicher Wassersysteme und Abwasseraufbereitungsanlagen; durch das Managen städtischer Wassersysteme.

Und weiter: Nach dem Energiemarkt soll nun auch der Wassermarkt liberalisiert werden. Das Bundeswirtschaftsministerium will den deutschen Wassermarkt privaten Kapitalverwertungsinteressen öffnen. Deutsche Wasserunternehmen sollen künftig auf dem Weltmarkt mit Konzernen aus Frankreich, Großbritannien und den USA konkurrieren. Im nächsten Jahrzehnt wird der Jahresumsatz auf dem Weltwassermarkt auf 500 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Was da auf uns zukommen könnte, schildert der Schriftsteller Paolo Bacigalupi in seinen Roman „Water – Der Kampf beginnt“, der Anfang der Woche in die Buchläden kam (Blessing Verlag). Ein Thriller: heiß, brutal und trostlos. Keine große Literatur, aber ein Buch, das drastisch vorführt, wie die Zukunft aussehen könnte.

Der Autorist Redakteur der taz