heute in Bremen: „So lernen auch Kinder“
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Der Kulturinformatiker McCarty spricht über Computer mit Intuitionen
71, Pionier, derzeit Professor für Kulturinformatik am King´s College in London
taz: In Ihrem Vortrag werden Sie über die mögliche Intuition von Computern sprechen. Was genau ist denn die Intuition, Herr McCarty?
Willard McCarty: Intuition ist das Wissen, das wir ohne Kopfarbeit erlangen: In der Situation, in der wir es brauchen, kommt es uns einfach in den Sinn. Aber ich bin nicht sicher, was Intuition im Fall des Computers bedeutet, der vor Kurzem im Strategiespiel „Go“ gegen einen der erfolgreichsten Spieler weltweit gewonnen hat. Es wird behauptet, der Computer habe dank seiner Intuition gesiegt.
Reicht es nicht, zu rechnen?
„Go“ ist komplexer als Schach. Man kann das Spiel nicht mit „roher“ Rechengewalt gewinnen. Schach ist anders: Hier können die besten Möglichkeiten ausgerechnet und bewertet werden. „Go“ dagegen verlangt einen menschlicheren, intuitiven Ansatz.
Woher weiß das der Computer?
Die Ingenieure des „Go“-Computers haben bisher nicht verraten, wie ihre Software funktioniert, aber ich vermute, dass die Technik des maschinellen Lernens verwendet wurde. Der Computer hat demnach die Züge eines großen „Go“-Meisters während vieler Spiele „beobachtet“, imitiert und so Strategien entwickelt. Genauso lernen auch Kinder von ihren Eltern.
Ist das Intuition?
Noch mal, wir wissen nicht, was Intuition beim Menschen ist. Ich habe hier nur ein Computer-Modell beschrieben, das immer vereinfachen muss, was es nachahmt. Dabei werden Daten so übersetzt, dass sie zwei Bedingungen erfüllen: komplette Eindeutigkeit und absolute Einheitlichkeit.
Dem wird das menschliche Denken wohl nie gerecht.
Das ist korrekt. Wir lassen vieles unspezifiziert. Wir wissen Dinge, aber wir wissen nicht, wie und woher wir sie wissen.
Wofür brauchen wir Computer mit Intuitionen?
Wir wissen noch nicht, wie wir denken. Computer werden uns helfen, das herauszufinden und zwar genau deshalb, weil sie anders als wir Menschen sind.
INTERVIEW: EVA PRZYBYLA
18 Uhr, Rotunde, Enrique-Schmidt-Straße 5
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen