Press-Schlag

Leipzig, Leaks und Limonade

Die Welt schien durcheinander. Doch gute Mächte mit viel Geld haben sie wieder in Ordnung gebracht

Erinnern Sie sich noch an den düsteren Herbst 2016? Plötzlich schien die Welt aus den Fugen zu geraten. Bayern München verlor den ersten Platz der Bundesligatabelle an einen Aufsteiger aus dem Osten. Von dort also, wo sie sich das Steak noch mit bloßen Händen aus dem Rind reißen. Um dann das tropfende Blut mit Limonade aus Österreich zu verdünnen. Und es mit ihren gottlosen Spießgesellen in der Halbzeitpause in sich hineinschütteten. Nicht einmal Lederhosen trugen sie dazu.

Bereits einige Monate zuvor hatten sich andere sinistre Gestalten in die dunklen Wälder des Internets begeben. Dort trafen sie einen Herrn, der sich John nannte und ihnen Dokumente übergab, die sie nun wirklich nichts angingen. Aus ihnen ging angeblich hervor, dass Cristiano Ronaldo seit Jahren keine Steuern mehr gezahlt hätte. Mesut Özil wurde zu einer Strafzahlung von 2,8 Millionen Euro verurteilt. Mit einem Migrantensohn aus Gelsenkirchen konnte man es ja machen. Der Artikel „Ist Messi ein Messie?“ hingegen konnte gerade noch verhindert werden.

John übergab auch Transferdokumente, die zeigten, Real Madrid insgesamt 100.759.418 Euro für Gareth Bale überwiesen und nicht 91.590.000, wie Real-Präsident Florentino Pérez verkündet hatte. Gut, achteinhalb Millionen. Das hört sich zunächst mal viel an. Aber wissen Sie immer auf den Cent genau, wie viel Geld Sie gerade in der Tasche haben?

Was bei der ganzen Aufregung immer übersehen wurde, war, dass das Geld seinen Weg über mehrere, schwer einsehbare Kurven fand. Und durch etliche Berater betreut wurde, die sich in unterschiedlichen Zeitzonen befanden. Das arme Geld litt also am permanenten Jetlag. Sind Sie schon einmal aus dem Urlaub zurückgekommen und hatten dann gleich am nächsten Morgen zwei wichtige Termine hintereinander? Auch dieser wichtige Punkt wurde während der gesamten Affäre nie thematisiert.

Um noch einmal Cristiano Ronaldo zu erwähnen: Dessen Verträge wurden von zwei grundsoliden Beratern aus Serbien und Montenegro gemacht. Das Geld wanderte zunächst auf die britischen Jungferninseln. Dort ist man seit Jahrzehnten darauf spezialisiert, durchwanderndes Geld zu betreuen. So sehr, dass die Unternehmensteuersätze immer wieder gesenkt werden konnten. Derzeit liegen sie bei null Prozent. Weiter mag man auf den Jungferninseln nicht gehen.

Die Rechtsanwältin, der Cristiano Ronaldo seine Millionen anvertraut, betreut derzeit rund 400 Briefkastenfirmen. Obwohl an ihrer Bürotür nicht mal ein einziger Briefkasten zu finden ist. So eine Spezialistin ist das nämlich!

Gut, der Herbst kam, und noch bevor die ersten Weihnachtsmänner ihre Coca-Cola-Trucks durchs Werbefernsehen fuhren, sorgte das großzügigste Unternehmen der Welt dafür, dass ein versöhnliches Weihnachten das schwierige Jahr beenden konnte. Gemeint ist natürlich der FC Bayern München.

Im Rahmen des Resozialisierungsprogramms wurde zunächst Ulrich Hoeneß nach Verbüßung seiner Haftstrafe direkt wieder zum Präsidenten gemacht. Die zeitweise aufmüpfige Konkurrenz geriet beim FC Ingolstadt unter die Räder, und Bayern München kehrte zurück an die Tabellenspitze. Frohes Fest! Knud Kohr