Zeit Carson McCullers, US-amerikanische Schriftstellerin, schrieb einst „Die Ballade vom traurigen Café“. Drei Autorinnen suchen Orte, die den Geist des Buches aufleben lassen

Balladen vom traurigen Café

Die Bar Brasilia an der Necochea-Straße in Buenos Aires, aufgenommen im Jahr 2012, links sitzt Don Francisco Foto: Eduardo Grossman

Carson McCullers wäre am 19. Februar 100 Jahre alt geworden. Auf Seite 12 dieser Ausgabe der taz.am wochenende wird die großartige US-amerikanische Schriftstellerin gewürdigt.

Eines von Carson McCullers Büchern heißt „Die Ballade vom traurigen Café“. In den Südstaaten der USA spielt es, wie alle Romane der früh verstorbenen Autorin. In der Geschichte hat die launische Miss Amelia, die stark wie ein Mann ist, ein Café, das nicht zum Verweilen einlädt.

Als aber ein buckliger Nichtsnutz auftaucht, kommt Liebe ins Spiel. Das Herz der kühlen Miss Amelia wird weich, sie wendet sich dem Sinnlichen zu. Plötzlich wird die Schänke ein Ort der Freude, des Spiels, des Tanzes – so lange, bis Verrat alles zerstört. Denn Liebe kann im Kreis gehen, sie kann ein Schatten sein, der Grimassen schneidet. Als der Bucklige weg ist, schließt Miss Amelia das Café und die Stadt wird trostloser denn je.

Wir baten Autorinnen, sich von Carson McCullers Buch inspirieren zu lassen und die Zeitlosigkeit dieses Themas einzufangen. Luciana Ferrando erzählt von der Bar Brasilia im alten Hafenviertel von Buenos Aires, die es nicht mehr gibt. Annabelle Seubert fand eine Kneipe in der Einflugschneise des Flughafens Tegel, die für die, die keine Familie habe, Familie ist. Und Judith Schacht spürt der Leere in Landshut nach, wo nicht mehr getanzt wird. WS

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