heute in Bremen: „Milchdieb und Männertreu“
Führung Der Leiter des Rhododendronparks erklärt, wie Pflanzen zu ihren Namen kommen
53, leitet als promovierter Pflanzenökologe und Gartenbauingenieur den Rhododendronpark in Bremen.
taz: Herr Schepker, was ist für Sie der schönste Pflanzenname?
Hartwig Schepker: Da gibt es einige. Ich mag vor allem die skurrilen Namen, wo man sich fragt, wie man auf die Idee gekommen ist, eine Pflanze so zu nennen.
Haben Sie ein Beispiel?
Den Milchdieb. Da denkt man ja erst mal an einen Vogel oder an einen Käfer. Es ist aber eine Pflanze, ein Halbschmarotzer, der auf anderen Pflanzen aufsitzt und sich von ihnen größtenteils ernährt. Im Mittelalter haben vermutlich die Damen, die sich mit der Kraft von Pflanzen auskannten und deswegen oft als Hexen verbrannt wurden, festgestellt, dass auf den Weiden, wo diese Pflanze wuchs, die Kühe weniger Milch gegeben haben – weil der Nährwert der Pflanzen geringer war. Der lateinische Name lautet Euphrasia.
Der kommt mir bekannt vor …
Sie kennen sie wahrscheinlich als Augentrost, ein pflanzliches Augenheilmittel.
Welcher Name ist der richtige?
Beide. Es gibt unterschiedlichste Namen für Pflanzen: Der Holunder hat wahrscheinlich 20 bis 30 verschiedene Namen alleine in deutschen Regionen. Deshalb gibt es ja auch die lateinischen Namen, damit man in jeder Sprache weiß, um welche Pflanze es sich handelt. Die lateinischen Namen gehen wiederum größtenteils auf Carl von Linné zurück, der im 18. Jahrhundert das zweigliedrige System zur Bezeichnung von Pflanzen durchgesetzt hat. Die volkstümlichen Namen sind seit Jahrtausenden in Gebrauch. Denken Sie an den Schierlingsbecher, mit dem Sokrates getötet wurde.
Können Sie erklären, wie der Männertreu zu seinem Namen kam?
Der Männertreu soll ja für die Wankelmütigkeit des männlichen Geschlechts in Bezug auf die Treue stehen und man nimmt an, dass das zusammenhängt mit den kleinen Blütendolden, die nach der Blüte im Winde verweht werden – so wie die Treue des Mannes.
Sie wollen heute auch Gruselgeschichten erzählen – worüber?
Über die Zombia – eine Palmenart aus der Karibik. Wahrscheinlich hat man im Vodookult angenommen, dass das Öl dieser Pflanze die Toten zum Leben erwecken kann. Interview eib
Parkführung „Wie Pflanzen zu ihren Namen kommen“: 17 Uhr, Treffpunkt vor dem Botanika-Eingang, Kosten: 5 Euro
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