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Personalisierte WerbungDieser Markt wird videoüberwacht

Real und die Post nehmen das Kaufverhalten ihrer Kund*innen per Video auf. Bürgerrechtler*innen haben nun dagegen Strafanzeige erstattet.

Belinda Grasnick

Aus Berlin

Belinda Grasnick

Bürgerrechtler*innen des Vereins Digitalcourage e.V. haben Strafanzeige gegen die Gesichtserkennung bei Real und der Post erstattet. „Menschen müssen die Möglichkeit haben, an Lebensmittel zu gelangen, ohne dass dabei ihre Gesichter biometrisch gescannt und analysiert werden“, fordert Digitalcourage.

Sicherheit, das war das große Versprechen der Videoüberwachung. Läden sollten durch die Kameras vor Einbrüchen und Ladendieben geschützt, auf öffentlichen Plätzen sollten schnell mögliche Täter*innen identifiziert werden. Es gehört inzwischen zum gesellschaftlichen Leben dazu, dass etliche Gesichter auf Überwachungsbildschirmen erscheinen.

Dass Real und die Post ihre Kund*innen jetzt aber nicht nur zu ihrer Sicherheit, sondern zu Werbezwecken überwachen, ist neu. Also, fast. Online wird das Kaufverhalten ohnehin verfolgt. Und auch die Payback-Karte gibt Informationen über Einkäufe preis, damit Kund*innen gezielt Coupons und Werbung bekommen können. Alles normal, oder?

Einen Unterschied zum Videotracking von Real und Post gibt es dennoch: Bisher konnten sich Kund*innen aussuchen, ob sie diese Art der Überwachung wollen oder nicht. Niemand muss Kundenkarten von Supermärkten und anderen Läden haben. Niemand wird dazu gezwungen, online einzukaufen.

Nun soll aber die Mimik aller Kund*innen in 40 Real-Supermärkten und in verschiedenen Post-Filialen aufgenommen werden, um ihre Kaufbereitschaft zu analysieren. Wie lange hat die Kundin die Werbung angesehen? Hat sie das Produkt anschließend gekauft? Wenn sich das Vorgehen durchsetzt, kann keine*r mehr der personalisierten Werbung entgehen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • el presidente

    Ein Freund von mir (Informatiker) der arbeitete mal am weltweit ersten Kundenprofilprogramm. In D wurde das benutzt von Max Bahr an der Kasse ("können sie mir ihre PLZ sagen..."). Genutzt hat das alles nichts. Es ist immer nur Hokuspokus und hilft nur den Typen die das verkaufen. Dafür werden dann sogar weltweit(!) die Kunden belästigt.

  • Janssonin kiusaus

    Wenn schon Täter*innen, dann doch bitte auch Ladendieb*innen.

  • Mitch Miller

    Und wo erscheint die personalisierte Werbung dann?? Wenn ich an der Kasse stehe oder auf meinem Smartphone? Oder auf irgendwelchen Angebotsblättchen, die es aber ohnehin nicht bis in den Briefkasten schaffen?

    Ich find's ekelhaft, so einen Laden würde ich boykottieren.