LeserInnenbriefe

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Der einzig Vernünftige war schwarz

betr.: „Welkes Fleisch vergeht nicht“, taz vom 18. 7. 17

Schade um George Romero – und schade um den afroamerikanischen Hauptdarsteller seines ersten Erfolges „Night of the Living Dead“: Duane Jones, der bereits 1988 mit nur 51 Jahren das Zeitliche segnete. Seine Rolle des Ben war nicht speziell für einen Schwarzen ausgelegt. Jones wurde einfach engagiert, weil er beim Casting am meisten überzeugte. Damit war er einer der ersten afroamerikanischen Schauspieler, die nicht wegen ihrer Hautfarbe für eine Rolle ausgewählt wurden. Natürlich war es 1968 ein äußerst riskantes Novum, einen Schwarzen inmitten einer Gruppe von hysterischen Weißen als einzigen rational denkenden und handelnden Vertreter „amerikanischer Tugenden“ zu präsentieren – ein gesellschaftspolitischer Quantensprung im US-Kino. Auch dafür sei George Romero gedankt.

VOLKER SCHEUNERT, Hamburg

Für uns nur die Ohnmacht?

betr.: „Das wird immer umkämpft bleiben“, taz vom 18. 7. 17

Was mich an frau sichtermanns richtigen argumenten unbefriedigt zurücklässt, ist die umkehrung der handlung. Ich war frankfurter hausbesetzer, und wir erlebten unsere ohnmacht dem ordnungsstaat gegenüber, der uns polizisten als gegner vorschlug. Wir haben aktionen gemacht, weil die verhältnisse reaktionär und diskussionen nicht gewollt waren. Wir haben demokratie eingefordert, sie über jedwedes einmischen erreicht, und heute soll sie uns wieder genommen werden, weil nicht geredet, sondern gehandelt wird; uns soll ohnmacht vorgeführt werden. Eines der hamburger ergebnisse ist, dass über einen repressiven staat geredet wird, weil auch krawalle stattfanden. Dies ist ein wichtiges ergebnis, nicht anlass. Ich weiß kaum, wie man die rückkehr in den feudalismus aufhalten kann, aber, liebe frau sichtermann: sollen die armen eine bank gründen, damit autonome keine steine werfen müssen? GERT REISING, Karlsruhe

Gletschereis macht wach!

betr.: Leserbrief vom 18. 7. 17 zu „Ein Eiswürfel, eine Billion Tonnen schwer“, taz vom 15. 7. 17

Oah, der Leserbrief zum Gletschereis hat mich jetzt so richtig wach gemacht; und frei nach Beckenbauer ruf ich jetzt laut: „Es wird sich doch irgendwo ein …“, nein, nicht Terrorist, es wird sich doch irgendwo ein Physik- oder Geografielehrer finden, oder noch besser einer, der beides unterrichtet und der nicht im Urlaub und nicht im Prüfungsstress ist, der erklären kann, wie viel vom Eis bei einem Eisberg unter und über Wasser ist („Titanic“ … da war doch was) und wie unterschiedlich die Dichte von Wasser und Eis ist (Wasserrohrbruch im Winter … da war doch auch was) und dann natürlich auch die Landeismasse, das Gesamtvolumen der Meere, die unterschiedlichen Meeresniveaus, die Kraft des Mondes … Ououou, das wäre tatsächlich Bildungsauftrag erfüllt und das Sommerloch gefüllt und zudem noch über Archimedes, über den Badewannenrand hinaus geguckt. Ja, Archimedes, der ja auch nicht schlauer war als seine Mitmenschen, der nur das, was alle erkannten, auch aufschreiben konnte, und nur deswegen kennen wir ihn und seine Zeitgenoss*innen nicht. Aber das ist ein neues Fass. (Fass … da war doch was). Heut bin ich lieber im Schatten. HANS RAAB, Neustadt

Förderschule tut gut

betr.: „Inklusion tut weh“, taz vom 15./16. 7. 17

Ich habe mich sehr gefreut, dass endlich mal ein Artikel pro Förderschule erscheint. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass Menschen mit sehr viel Hilfebedarf und herausforderndem Verhalten komplett unter den Tisch gefallen sind.

Es gibt meines Erachtens viele Menschen, die auf den schützenden, überschaubaren Rahmen einer Fördereinrichtung angewiesen sind. Menschen, bei denen nicht die Wissensvermittlung oder die Leistung am ersten Arbeitsmarkt im Vordergrund stehen, für die es eine große Leistung ist, sich nicht zu verletzen, einen Stift über zwei Minuten festzuhalten oder vielleicht nach einem Jahr Schule drei Wörter nachsprechen zu können.

In Fördereinrichtungen wird im Miteinander auch wahre Inklusion vorgelebt, da wird wirklich jeder mit seinem Handicap als völlig normal akzeptiert, keiner erlebt permanent ein „ich kann weniger als meine Mitschüler“ und verliert dadurch sein Selbstwertgefühl. Dies alles kann eine Regelschule niemals bieten.

Und bitte nicht falsch verstehen, selbstverständlich bin ich für ein Miteinander, ich möchte nur für einen differenzierteren Blick werben. HEIKO ROTERT, Hilden

Die Diesel-Saubande macht krank

betr.: „Kuscheln ist keine Lösung“, taz vom 18. 7. 17

Man muss der Deutschen Umwelthilfe unendlich dankbar sein für ihren hartnäckigen Kampf gegen die unverantwortliche Luftverschmutzung durch Dieselabgase. Den Schlamassel eingebrockt hat uns die Autoindustrie und deren „Freunde“, zu denen auch der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gehört. Mit „Kuscheln ist keine Lösung“ drückt Martin Unfried den Sachverhalt aber sehr moderat aus. Etwas radikaler formuliert könnte man die Betrüger bei den Autoherstellern auch „(profitgierige) Saubande“ nennen. Zu solch starken Begriffen greift sogar der Bundesverkehrsminister, allerdings bezogen auf die Steinewerfer und Autoanzünder in Hamburg, die er als „linke Saubande“ bezeichnet. Interessante Frage: Bei welchem der genannten Vergehen werden mehr Menschen betrogen, krank gemacht oder gar getötet? DIETER STOMPE, Erfurt