Kommentar Umweltrassismus in den USA

Hurrikane gegen die Armen

Während die Reichen sich gegen Überflutungen schützen können, sind arme Schwarze in den USA viel stärker von Naturkatastrophen betroffen.

Diese großzügigen Anwesen am Eldridge Parkway in Housten blieben nach Hurricane Harvey trocken. Foto: Associated Press

Umweltkatastrophen kennen keine Klassenunterschiede, gibt man sich bei der New York Times überzeugt. Hurrikan „Harvey“, der vor zwei Wochen über Texas hinwegfegte, habe „Reiche und Arme zugleich“ ins Visier genommen. Doch das stimmt nur halb. Zwar wurden in der Tat auch reiche Viertel überspült, viel stärker betroffen waren in Houston aber vor allem die armen schwarzen Viertel.

Die kommunalen Sozialwohnungen, meist von Afroamerikanern bewohnt, sind in Houston hauptsächlich in niedrig gelegenen Überflutungsgebieten gebaut – weil dort das Land billiger ist. Reiche leisten sich Häuser in höheren Lagen.

Das ist nicht nur in Houston so: Viele arme Kommunen in den Hurrikan-Regionen der US-Südstaaten verfügen nicht einmal über ein funktionierendes Abflusssystem. Bei Evakuierungen bleibt die schwarze Bevölkerung zurück, weil viele aus Geldmangel kein Automobil besitzen und so das Gefahrengebiet nicht verlassen können.

Umweltkatastrophen haben gerade in den stark segregierten USA ein klares Rassen- und Klassenelement. Das zeigte sich vor allem 2005 bei Hurrikan „Katrina“, der große Teile der Südstaatenmetropole New Orleans zerstörte.

Von den 175.000 Afroamerikanern, die wegen des Sturms die Stadt verließen, gelang nur 100.000 die Rückkehr – ihre Wohnviertel wurden aufgegeben oder abgerissen und durch Wohnanlagen für höhere Einkommensschichten ersetzt. Der Anteil der schwarzen Bevölkerung in der Stadt sank um sieben Prozent.

Auch in Miami werden vor allem die Reichen vor Sturmschäden geschützt. Während das wohlhabende Miami Beach sich mit Hunderte Millionen Dollar teuren Projekten gegen Überflutungen schützt, gibt es in vielen armen Gemeinden im Miami-Dade-County nicht einmal ein Drainagesystem. Hurrikane mögen tatsächlich nicht zwischen Arm und Reich unterscheiden – die sozioökonomischen Verhältnisse in den USA aber schon.

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