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Umstrittene EU-UrheberrechtsreformDie ersten sagen: Ja

Der Rechtsausschuss der EU stimmt für die Reform und billigt damit das Leistungsschutzrecht für Presseverleger sowie die sogenannten Upload-Filter.

Es war die erste wichtige Abstimmung zur europäischen Urheberrechtsreform und schon am Votum zeigt sich, wie umstritten das geplante Gesetzespaket ist: Mit 13 zu 12 Stimmen haben die Mitglieder des Rechtsausschusses der EU am Mittwoch für ein europaweites Leistungsschutzrecht gestimmt. Das sieht vor, dass Suchmaschinen wie Google künftig Geld an Verlage zahlen sollen, wenn sie Überschriften und kurze Ausschnitte von Pressetexten in ihren Suchergebnissen anzeigen.

In Deutschland und Spanien existiert das Leistungsschutzrecht bereits, hat die Verlage hierzulande aber wesentlich mehr Geld gekostet, als es Geld eingebracht hat. Der Verband der Zeitungsverleger, BDZV, der stark für das Gesetz lobbyiert hatte, begrüßte das Abstimmungsergebnis dennoch als „wichtiges Zeichen für die Sicherung des freien, unabhängigen Journalismus in der digitalen Welt“.

Außerdem stimmte der Rechtsausschuss für die sogenannten Upload-Filter. Dahinter steht die Idee, dass Onlineplattform künftig gezwungen werden sollen, jeden Upload auf Urheberrechtsverletzungen hin zu prüfen. Bei einem Verstoß darf das Werk nicht hochgeladen werden. KritikerInnen sehen darin das Ende des freien Internets. Die Upload-Filter könnten demnach beispielsweise die sogenannten Memes, also kleine geschützte Bilder oder Filmsequenzen, die in den sozialen Medien geteilt werden, verbieten.

Die Piratenpolitikerin Julia Reda, die im Rechtsausschuss sitzt, hatte in letzter Minute einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der allerdings keine Unterstützung fand. Das Votum ihrer AusschusskollegInnen über das von der CDU ausgearbeitete Gesetz kritisierte sie gegenüber der taz scharf: „Die Mehrheiten für das Gesetz waren nur möglich, weil die beiden Abgeordneten des Front National dafür gestimmt haben. Ich finde es schockierend, dass sich die CDU auf Stimmen von Rechtspopulisten verlässt“.

Nach dem Votum des Rechtsausschuss wird sich das Europaparlament voraussichtlich Anfang Juli mit dem Gesetzespaket beschäftigen. Zwar folgt das Parlament meist den Voten der Ausschüsse, da die Abstimmung hier aber so knapp war, hofft Julia Reda, dass sich das Plenum umstimmen lässt. Nach der Diskussion im Parlament müssen die EU-Staaten, das Parlament und die Kommission noch im sogenannten Trilog die endgültige Fassung der Reform verhandeln. Das könnte im Herbst passieren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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5 Kommentare

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  • Eulenspiegel

    Julia Reda hatte schon vorher und noch 2014 als Berichterstatterin für die Evaluation der Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie von 2001 klarsichtige Warnungen und Standpünkte geäußert, nähmlich, Erhaltung von einem breiten Zitatrecht, "Panoramarecht", Aufhebung der digitale Rechteverwaltung zur Nutzungskontrolle digitaler Medien, u. a; für e-books in Bibliotheken, Schutz der Freien Verwendung der Gemeinfreien Werke, Beschränkung des Urheberrechts für Ausbildung und wissenschaftliche Verwendung der Werke, und schon damals Grenzen zum "Leistungsschutzrecht", breite Freiheit für Text- und Data Mining. Dabei hatte sie exemplar die Verbrauchervereine und nicht nur die lobbies angehört. Das hatte grosse Angst auf dieser Seite erweckt und mehr als 550 Änderungsanträge wurden gestellt. Trotzdem wurden manche wichtige Bestimmungen erhalten und den Bericht vom EU-Parlament mehrheitlich angenommen. Was der Rechtsausschuss jetzt macht neigt dazu, diese wichtige Vorsprünge im Interesse des Publikums, der Verbraucher, der Bürger zu verneinen zugünsten der weiteren Kommodifizierung, der Privatisierung des Wissens und der Daten. Das ist überhaupt wichtig.

     

    Hier Erklärungen für Laien: https://irights.info/artikel/rechtsausschuss-des-eu-parlaments-stimmt-fuer-reda-bericht-zum-urheberrecht/25764

    Hier Erklärung auf ihrem Blog: https://juliareda.eu/reda-bericht-erklaert/

    Hier der Berichtsentwurf:

    //http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+COMPARL+PE-546.580+02+DOC+PDF+V0//DE&language=DE

  • xxxLCxxx

    Ich habe kein Problem damit, die „europäischen Medien“ in Zukunft einfach zu meiden. ;-)

  • danny schneider

    zum Thema oder warum diese Entscheidung nur ein Geschenk an eine kleine aber sehr starke Lobby ist: https://www.golem.de/news/urheberrechtsreform-die-zehn-mythen-des-leistungsschutzrechts-1806-135022.html