das portrait

Josefa Schmidist ein Opfer Bremens

Zurück aus der Bremischen Diaspora in die bayerische Heimat: Josefa SchmidFoto: dpa

Hat bei ihr die vielgerühmte Bremische Integrationsfähigkeit versagt? War Josefa Schmids offensives youtube-Bekenntnis zu Holleridu-Schlagern, Dirndl und Katholizismus eine zu große Herausforderung für die Stadtgesellschaft, die in den einschlägigen Diversity-Indizes seit jeher Spitzenwerte erreicht?

Das war tatsächlich behauptet worden – und ein Versuch der Ehrenrettung, nachdem Schmid aus Bremen in die niederbayerische Heimat zurückversetzt worden war und als der vermeintliche BAMF-Skandal begann, sich in nichts aufzulösen. Denn das, was zumal die Spiegel-Leser*innen im Frühjahr für empörend halten mussten, speiste sich fast hundertprozentig aus dieser einen Quelle: Josefa Schmid, der komissarischen Leiterin der Bremer Bamf-Außenstelle und ihrem als „vertraulich“ gekennzeichneten, eher stuss- als stichhaltigen Bericht, der direkt an den Innenstaatssekretär gegangen und dabei irgendwie auch in diversen Redaktionspostfächern gelandet war.

Möglicherweise sollte das Gerücht über Bremens Antibavarismus auch den Verdacht zu zerstreuen helfen, dass die Diplom-Juristin auch eigenen Interessen gedient hatte. Denn Schmid, die neben ihrer Tätigkeit in Bremen das Ehrenamt der Bürgermeisterin des niederbayerischen Örtchens Kollnburg bekleidete, hat zwar immer treu verneint, dass sie mit ihrer Bremischen Öffentlichkeitsarbeit auch ihre Landtagswahl-Chancen im Wahlkreis 209 Straubing habe verbessern wollen. Ihre Wahlkampfbroschüre hingegen bestand zu einem guten Teil aus den Schlagzeilen aus der überregionalen Presse: „Eine mutige Frau“ hatte das Josefa Schmid-Porträt im Stern geheißen. Und „mutig habe ich die Verantwortlichen drauf hingewiesen, was schiefläuft“, hat Schmid in ihrem Flyer selbst geschrieben.

Ob es geholfen hat, ist unklar. Jedenfalls: Nicht genug. Beim Kampf ums Direktmandat hat Schmid in Straubing 4,3 Prozent eingefahren, und die FDP, ihre Partei, hat in dem Stimmbezirk am 14. Oktober auch nur 3,9 Prozent erreicht. Und auch daran sind bestimmt die Bremer schuld. Benno Schirrmeister