Kommentar Zeitungskrise bei DuMont

Im Schlummer-Schlummer-Land

DuMont will vielleicht alle seine Zeitungen verkaufen. Huch. Daran sind nicht nur die zahlungsfaulen Leser*innen schuld.

Ein Stapel Altpapier, aka Zeitungen

Kann man das Geschäftsmodell zu den Akten legen? Zeitungsverleger haben die Zukunft verpennt Foto: Unsplash/Waldemar Brandt

Der feuchte Traum der großen Regionalzeitungsverlage geht ungefähr so: Man kauft ganz viele Titel und Redaktionen, schafft eine zentrale Redaktion, die dann diese vielen Zeitungen mit möglichst fertigen Seiten beliefert, vor Ort wird jeweils nur noch Lokalberichterstattung betrieben, man verkauft auch noch Inhalte an externe Abnehmer (zum Beispiel andere Verlage), dazu baut man ein großes überregionales (möglichst klickgetriebenes) Onlineportal auf und noch ein paar lokale Auftritte, alles läuft technisch reibungslos, und das sogar mit viel weniger Leuten – und am Ende verdient man damit Geld, und alle sind glücklich.

Und dann wacht man auf.

Das ungefähr passiert gerade bei DuMont. Nur dass sie da schon eine ganze Weile länger quasi im Halbschlaf umhertaumeln.

Alle anderen Verlage versuchen gerade, das Aufwachen sanfter, wenn nicht gar angenehm zu gestalten. Aber ob das überall klappt? Funke versucht es. Und Madsack sowieso. Und Ippen ist ja auch noch da. Und die Neue Osnabrücker Zeitung.

Schlimmer geht immer: Keine statt nur eine Zeitung

Alle wollen den Aufwachpunkt, also den Termin, an dem digitale Produkte fehlende Einnahmen aus dem Printgeschäft ersetzen müssen, irgendwie aufschieben. Immer die Schlummertaste drücken.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde vor immer mehr Einzeitungskreisen gewarnt. Mittlerweile wird eher vor der Entstehung von Keinzeitungskreisen gewarnt. Daran sind mitnichten nur die zahlungsfaulen Leser*innen schuld. Auch die Verleger (wir sparen uns hier mal das *innen, aus Gründen) liefen viel zu lange viel zu hohen Renditeansprüchen hinterher und sparten, anstatt in neue Geschäftsmodelle, in digitale Angebote zu investieren. Die Texte und Fotos wurden schlechter, die Leser*innen wandten sich noch schneller ab.

Wenn nun noch lange geschlafen wird, könnte bald das Geld auch andernorts ausgehen. Kein schönes Erwachen.

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Seit 2008 bei der taz. Davor: Journalistik und Politikwissenschaft in Leipzig studiert. Dazwischen: Gelernt an der Axel Springer Akademie in Berlin. Mittlerweile: Ressortleiter tazzwei/Medien.

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