EU-Ausschuss will Zeitwechsel beenden

Ende der Zeitumstellung rückt näher

2021 soll zum letzten Mal zwischen Sommer- und Winterzeit gewechselt werden. Das fordert das federführende Gremium im EU-Parlament.

Der Stundenzeiger einer steht zwischen 2 und 3 Uhr

Die halbjährliche Zeitumstellung könnte bald passé sein Foto: dpa

BRÜSSEL dpa/taz | Die Pläne zur Abschaffung der Zeitumstellung in der EU sind einen Schritt vorangekommen. Der zuständige Verkehrsausschuss im Europaparlament in Brüssel stimmte am Montag für den letzten Wechsel im Jahr 2021. 23 Abgeordnete votierten dafür, 11 dagegen, Enthaltungen gab es nicht.

„Der Verkehrsausschuss schlägt vor, dass die Zeitumstellung am letzten Sonntag im März 2021 die letzte sein sollte für EU-Länder, die entscheiden, dauerhaft ihre Sommerzeit zu behalten. Mitgliedstaaten, die lieber ihre Standardzeit behalten wollen, auch als Winterzeit bekannt, könnten das letzte Mal die Uhren umstellen am letzten Sonntag des Oktobers 2021“, teilte das EU-Parlament mit.

In den kommenden Wochen soll das Parlamentsplenum abstimmen. Anschließend müssten noch die EU-Staaten zustimmen, bevor die halbjährliche Zeitumstellung abgeschafft werden könnte. Im Kreis der EU-Verkehrsminister gibt es noch offene Fragen. Zuletzt hieß es hier ebenfalls, das halbjährliche Drehen an der Uhr könne 2021 abgeschafft werden. Das nächste Treffen der Verkehrsminister ist für Juni geplant.

Die EU-Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, die Umstellung schon 2019 abzuschaffen. Dafür gab es jedoch keine Mehrheit. Generell sollen die Mitgliedstaaten künftig selbst entscheiden, ob sie dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit anwenden wollen.

Politiker sehen keine Beweise für Energieeinsparung

„Wir brauchen eine langfristige Strategie und einen EU-weit harmonisierten Ansatz der Mitgliedstaaten, denn der Binnenmarkt und der Verkehrssektor brauchen etwas Zeit, um sich auf die Änderung einzustellen“, sagte der SPD-Abgeordnete Ismail Ertug.

„Ich bin zuversichtlich, dass das Europäische Parlament in Kürze für die Abschaffung der Zeitumstellung stimmen wird“, sagte der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Eine rasche Änderung stehe und falle jedoch mit dem Engagement und Koordinierungsvermögen der einzelnen Regierungen.

„Einen wirklichen Mehrwert stellt die lästige Zeitumstellung nicht dar“, sagt die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. „Bis heute ist zum Beispiel nicht erwiesen, ob die Zeitumstellung ein Faktor ist, der hilft, Energie zu sparen. Zudem sind die gesundheitlichen Auswirkungen einer Zeitumstellung für den Menschen umstritten.“ Und: „Im Europäischen Binnenmarkt dürfen unterschiedliche Zeiten etwa nicht zu einer Erschwernis für den grenzüberschreitenden Verkehr führen. Insbesondere aber muss die Einheit der Europäischen Union gewahrt bleiben.“

Ohne Sommerzeit längere Dunkelzeiten im Winter

In Mitteleuropa gibt es im Moment eine große Zeitzone von Polen bis Spanien, zu der Deutschland und 16 weitere EU-Länder gehören. Käme für alle 17 Staaten die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10.00 Uhr. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 03.00 Uhr hell.

Hätte in Deutschland ab 2019 bereits die ewige Sommerzeit gegolten, wäre beispielsweise am 1. Januar 2019 die Sonne in Frankfurt/Main morgens erst um 9.24 Uhr aufgegangen, aber auch erst gegen 17.30 Uhr unter. Wenn eine dauerhafte Winterzeit eingeführt worden wäre, hätte das umgekehrt Folgen für die langen Sommerabende: Am 1. Juli 2019 würde die Sonne in Frankfurt statt um 21.37 Uhr nun schon um 20.37 Uhr untergehen. Dafür würde sie bereits um 4.20 Uhr aufgehen.

In der Europäischen Union werden seit 1996 am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt. In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980. Die Änderung war ursprünglich eingeführt worden, um Energie zu sparen.

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