wie machen sie das?

Der Notenleser

Philip Lawton, 32, ist Notenbibliothekar an der Deutschen Oper in Berlin. Er sucht nach dem passenden Orchestermaterial zu den Stücken

Herr Lawton, Sie sorgen dafür, dass alle wissen, was sie spielen müssen. Wie machen Sie das?

Philip Lawton: Wenn entschieden wurde, welche Fassung von welchem Stück in der nächsten Spielzeit aufgeführt werden soll, müssen ich und meine Kollegin rausfinden, wo die passenden Noten sind, ob die Rechte bei einem Verlag liegen oder bei mehreren, ob wir sie kaufen oder mieten können. Denn alle müssen rechtzeitig die für sie richtigen Noten haben: Die Orchestermusiker die Orchesterstimmen, die Dirigenten die Partituren; auch Spielleiter, Inspizienten und die Intendanz. Wenn wir das Orchestermaterial haben, müssen wir es überprüfen und anpassen. Wenn etwa ein Dirigent sagt, dass er eine Arie überspringen will, dann müssen wir die Arie aus allen Orchesterstimmen, den Klavierauszügen, und den Partituren streichen. Und wenn während der Proben viele solcher Änderungen kommen, wird es stressig.

War es heute stressig?

Nein, heute habe ich Bogenstriche übertragen. Das sind die Striche über den Noten, die den Spielern der Streichinstrumenten sagen, wie sie einen Ton spielen sollen. Aufstrich oder Abstrich – das hat der Stimmführer festgelegt und ich habe die Striche dann mit Bleistift in alle anderen Streicherstimmen übertragen. Dass ist eine ganz repetitive Arbeit. Für die erste Geige gibt es acht Notenpulte, für die zweite Geige sieben, für die Bratsche sechs, für das Cello fünf und für den Kontrabass vier. Und von jedem Pult spielen zwei Spieler. Bei den Bläsern hat jeder seine eigene Stimme.

Wie sind Sie eigentlich zum Notenbibliothekar geworden?

Es gibt keinen festen Ausbildungsweg. Die meisten sind Musiker oder haben Musik studiert. Ich selbst bin ausgebildeter Komponist und das passt perfekt zur Arbeit als Notenbibliothekar, weil es um Partiturlesen und Instrumentenkunde geht. Ich habe einen guten Überblick über das ganze Orchester.

Was sind die schönsten Momente im Beruf?

Wenn alles fertig ist und es einen riesigen Stapel Noten gibt. Dann kenne ich das Stück rückwärts und vorwärts und weiß, dass alles richtig ist.

Hat die Deutsche Oper eine Notenbibliothek?

Wir haben drei Orte im Haus, an denen wir die Noten aufbewahren. In unserem Büro und bei den Orchesterwarten liegt das Material für Stücke, die aktuell oder demnächst im Repertoire sind. Und im Keller lagern die Noten für Stücke, die abgespielt sind.

Hören Sie in Ihrer Freizeit auch viel Klassik?

Ja, zu Hause oder wenn ich arbeite habe ich immer klassische Musik an. Aber ich tanze zu Techno. Interview: Rebecca Stegmann