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Brexit-Rätsel: ein vereintes Irland?

„Der Brexit und die irische Quadratur des Kreises“, taz vom 4. 4. 19

Schon wieder werden die üblichen Lösungen für das irische Grenzproblem aufgelistet. Eine weitere offensichtliche Lösung wird leider verpasst, die für einige Brexiter und moderate nordirische Unionisten durchaus akzeptabel wäre, obwohl sie selbst wissen, dass sie es nicht sagen dürfen: Die Vereinigung Irlands würde die Grenze an die irische See verlegen und wäre absolut überschaubar. Natürlich würde dies höchstwahrscheinlich zu einer neuen Landesgrenze zwischen der EU und dem, was nach dem Abzug Schottlands vom Vereinigten Königreich übrig bleibt, führen. Aber wenigstens müssten wir uns keine Sorgen mehr um das Karfreitagsabkommen machen. Seán Adamson, München

Pazifismus erhält keine Chance

„Pazifismus verhindert keine Gräuel“, taz vom 8. 4. 19

Silke Mertins hat klar dargestellt, wie wenig die UNO und unsere Regierungen seit 2,5 Jahrzehnten auf Friedensarbeit vorbereitet sind. Diese Sachverhalte gefährden auch unsere nationale Sicherheit und erfordern Öffentlichkeit und Handeln der Verantwortlichen. Danke für das Wahrnehmen eurer Pressefunktion. Leider entwertet sich der Artikel durch seine Wendung zum Pazifismusbashing. Kein Pazifist hatte damals die Verantwortung und bis heute werden wirkungsvolle internationale pazifistische Strukturen nicht geschaffen oder relevant unterstützt. Der Zusammenhang zwischen diesen Gräueln und dem Pazifismus ist so schlüssig wie die Werbung „Gummibärchen ohne Fett“; Gummibärchen wurden noch nie mit Fett hergestellt und Pazifismus, also Friedensarbeit ohne Gewalt, wurde noch nie mit Ernsthaftigkeit und relevanten Mitteln betrieben.

Als der Völkermord damals stattfand, war der UN-Sicherheitsrat gut informiert. Das Unterlassen einer Intervention hatte nichts mit Pazifismus zu tun, sondern offensichtlich mit dem Stellenwert, der dem Menschenleben der Tutsi und der Hutu-Regimegegner beigemessen wurde. Denn dieser Völkermord hätte mit wenig Aufwand verhindert werden können. Militärische Mittel zum Kampf gegen die Macheten waren in weit überlegener Zahl existent.

Sollte mit diesem Text impliziert werden, wir benötigten mehr Geld für Aufrüstung und nicht für Pazifismus, ist das unlogisch. Wir brauchen eine ehrliche Debatte, welches Schutzniveau unseres Friedens uns wie viel kosten soll. Es ist unmoralisch, das Lied der letzten militärischen Option mitzusingen, wenn die Alternativen nicht ernst genommen und finanziert werden.

PS: Als Kind erlaubten mir meine Eltern, Böller zu kaufen, wenn ich den gleichen Betrag an Brot für die Welt spendete. Wenn Deutschland für Entwicklungs- und Friedensarbeit die gleichen Beträge wie fürs Militär zur Verfügung stellte und dies tatsächlich wirkungslos bliebe, dann erst würden Aussagen zu nicht verhinderten Gräueln und Pazifismus einen Sinn ergeben. Gunther Alfes, Kiel

Wie Schafe in der Obhut der Metzger

„Taxifirmen sträuben sich gegen Liberalisierung“,

taz vom 9. 4. 19

Uber & Co zahlen, wie die Internetkonzerne, häufig keine Steuern, kassieren aber bis zu 25 Prozent vom Umsatz für die Appvermittlung, beschäftigen alle FahrerInnen in Scheinselbstständigkeit ohne eine Sozialversicherung zu zahlen und treiben die FahrerInnen damit direkt in die Sklaverei. Dass TaxifahrerInnen sich auch sonst freiwillig in die Abhängigkeit von finanzkräftigen Autokonzernen wie mytaxi/„free now“ begeben und sich dabei freiwillig wie dumme Schafe in die Obhut ihrer Metzger flüchten, bleibt ein psychologisch ungelöstes Rätsel.

Leider schwach recherchiert: Auch Mietwagenfahrer brauchen Ortskundeprüfung in Orten mit mehr als 50.000 Einwohnern! Im flachen Land wird Uber sowieso nicht fahren – dort gibt es zu wenig Geschäft (mit Daten) und Fahrten nur mit Kranken und Alten. Hubert Schmidt, Gröbenzell