die dritte meinung: Das Zulassungsende verhindert ein Verbot von Dieseln und Benzinern, sagt Umweltexperte Martin Unfried
Martin Unfried
ist Publizist und Dozent am EIPA, dem Europäischen Institut für öffentliche Verwaltung im niederländischen Maastricht.
Wieder sind die Überschriften falsch: Die Grünen fordern eben nicht ein Verbot von Benzinern und Dieseln, sondern die Beendigung der Zulassung im Jahr 2030. Dennoch geht das Geschrei wieder los. Dabei geht es gerade um das Verhindern von Fahrverboten. Wenn 2050 aus Klimaschutzgründenj keine fossilen Verbrenner mehr fahren sollen, müssen recht früh groß Anteile von Verbrennern vom Markt genommen werden. Wichtig in der Debatte ist eben der Unterschied zwischen Fahrverbot und Zulassungsverbot. Natürlich fahren trotz Zulassungsende auch im Jahr 2040 noch viele Fossile aus der alten Flotte.
Wenn zum Beispiel Volkswagen heute einen neuen Benziner entwickelt, dauert das vier Jahre. Der Wagen wird dann von 2022 bis in Jahr 2030 verkauft, sonst rechnen sich die Entwicklungskosten nicht. Und fahren die 2029 produzierten Benziner des Modells dann im Schnitt 13 Jahre, sind wir bereits im Jahr 2042. Will man also künftig echte Fahrverbote für vorhandene Fahrzeuge aus Klimaschutzgründen vermeiden, sollten die Autobauer sehr schnell mit Neuentwicklungen aufhören.
Deshalb wäre es im Sinne eines fairen Wettbewerbs besonders wichtig, dass der Termin des einheitlichen Zulassungsendes für die ganze Industrie bekannt wäre, sonst wären die Pioniere im Nachteil. Auch diese müssten dann immer noch in Verbrenner investieren. Immerhin besteht dann die Gefahr, dass Mitbewerber versuchen, solange es geht, mit Verbrennern Marktanteile zu halten.
Im Moment scheint einigen zumindest bei Volkswagen zu dämmern, dass man sich mit der Blockadelobby in Brüssel selbst ins Knie geschossen hat. Jetzt, wo der Konzern auf batterieelektrisch setzt, wäre gerade für Volkswagen ein Zulassungsende sogar hilfreich.
Es gibt interessante Erfahrungen aus anderen Bereichen, unter welchen Umständen sich Zulassungsverbote positiv auswirken. Das Ende der Glühbirne etwa ist industrie- und umweltpolitisch ein positives Beispiel. Auch wenn das die breite Öffentlichkeit in Deutschland womöglich nicht weiß.
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