ORTSTERMIN: UGLY DANCE WORLDCUP 2009 IN HAMBURG

Von der Schwierigkeit, hässlich zu sein

Das Siegerteam überzeugt durch sensationelle Tanzschritte. Und durch die unfassbar geschmacklose Kostümierung

Eine „Bad Taste“-Party ist es nicht, sagt Florian Schüppers. Auch erfunden hätten er und seine Kollegen das Hässlich-Tanzen nicht. Sie hoffen aber, einen weltweiten Trend auszulösen. Den Trend, hässlich, aber nicht schlecht zu tanzen, was auch immer das heißen mag.

Der Feldstraßen-Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld am vergangenen Sonnabend: Pünktlich um 20 Uhr öffnen sich Pforten, mit dem Fahrstuhl geht es in den fünften Stock zum ersten „Ugly Dance Worldcup“. Zu wummernden Housebeats wippen die ersten freaky Gekleideten in dem überschaubaren Raum, in dessen Mitte die Bühne platziert ist.

Dort oben soll sich entscheiden, wer von den zehn nominierten Gruppen den Weltmeister-Titel nach Hause nimmt. Wer teilnehmen wollte, musste sein Bewerbungsvideo auf Youtube hochladen. Nun treten die Besten gegeneinander an. Wer am Ende die meisten Buh-Rufe kassiert, gewinnt.

Florian trägt einen weißen Adidas-Trainingsanzug und Schweißband. An dieser Kluft und dem auf dem Rücken prangenden „Ugly Dance“-Logo erkennt man ihn und seine Mitveranstalter. Einer von ihnen, Christian, lässt sich gerade interviewen, auf dem Balkon, dort, wo einst im Zweiten Weltkrieg, die Flakschützen kauerten und heute die Partygäste Zigaretten rauchen. Ernst beantwortet Christian die Fragen der blonden Reporterin. Ja, er sei selbst Hässlich-Tänzer. Nein, ein organisierter Verband seien die „Ugly Dancers“ noch nicht, aber man solidarisiere sich weltweit.

Neonfarbene Leggins, bunte Perücken, Ballonseide-Jogginganzüge, angeklebte Bärte, herzförmige Sonnenbrillen. Ohne das Outfit könnte sie nicht so tanzen, bekennt die 21-jährige Anna, Mitglied der Hamburger Kombo „Fett-tastic Kidz“. An diesem Abend will Anna in ihrer Hässlichkeit ernst genommen werden. Doch was sie auch anstellt, die Bauchtasche, die Hotpants mit Hosenträgern, das lächerliche Käppi – sie sieht eben doch zu niedlich aus.

Noch wenige Minuten bis zum Start, inzwischen ist es voll. Ziemlich viele „Normalos“ sind dabei, und es wird klar: Wer in Jeans und grauem T-Shirt an seinem Bier nippt, wird sowieso nicht tanzen. Muss er auch nicht, denn es wackeln schon andere mit dem Po. Die Musik: 90er-Eurotrash-Techno, MC Hammer, da ist Hässlich-Tanzen einfach.

Ein dicker Mann und eine hübsche Frau moderieren in knallpinken Trainingsanzügen. Sie reden über die Kunst des Arschflatterns oder das Genre des Paniktanzes. „Ganz echt“ aus Kabul ist die Truppe „Danciban“ angereist. Vermummt und Spielzeug-Kalaschnikow-schwenkend wackeln sie zu Ethno-Beats über die Bühne. Im Bewerbungsvideo tanzten sie noch auf Panzern, die konnten sie nun nicht mitnehmen.

Die bayerischen „Woidboyz“ legen im Krachledernen einen wilden Schuhplattler hin, einer von ihnen trägt eine Polizeijacke und versohlt seinen Jungs mit einem Schlagstock die Hintern. Überhaupt durchziehen homoerotische Einlagen den Abend. Das Siegerteam, die „Neukirchen Allstars“, überzeugen durch sensationelle Tanzschritte. Und durch ihre unfassbar geschmacklose Kostümierung. Beides bringt ihnen den wertlosen Pokal.

Was „Ugly Dance“ erreichen will, bleibt unklar. Die Vision könnte sein, dass endlich auch die Normalos anfangen, hässlich zu tanzen. Ohne Ballonseide-Anzug, ohne Afro-Perücke. In Jeans und grauem T-Shirt. WIEBKE TOEBELMANN/ NADINE EFFERT