Suhrkamp-Empfang auf der Buchmesse: Das Unglück zurückschlagen
Bangemachen gilt auf der Frankfurter Buchmesse nicht – auch nicht beim neuen Suhrkamp-Kritikerempfang.
Der ikonische Satz dieser Messe fiel noch in ihrem Vorfeld. „Das Unglück muss zurückgeschlagen werden“, zitierte die Schriftstellerin Dorothee Elmiger den Titel eines Tocotronic-Songs, als sie am Montag im Frankfurter Römer den Deutschen Buchpreis gewann. Ein selbstverständlicher Trotz liegt in diesem Satz. Bangemachen gilt nicht, trotz der Krisen dieser Welt und auch trotz der Notwendigkeit, dass viele Buchverlage derzeit gut haushalten müssen. Was sich an den Abenden dieser Messe zeigte.
Kaum Partys großer Verlage, die Büfetts dürftig. Immerhin, die Möglichkeit, das Unglück zurückzuschlagen, gibt es mit Elmigers Roman „Die Holländerinnen“ tatsächlich. Zunächst war das Buch nicht lieferbar, denn es gibt zu alledem auch noch eine Buchdruckkrise. Doch Hanser-Verleger Jo Lendle kann es dann versichern: 100.000 Exemplare des Romans werden nun gedruckt und in den Handel kommen.
Längst gibt es Vorbestellungen in dieser Höhe. Und man meinte es am Messestand des Verlages zu spüren: In ganz Deutschland werden sich jetzt die ambitionierten Buchhandlungen ins Zeug legen, das lohnende, aber auch nicht leichte Buch an Leserinnen und Leser zu bringen.
Als Symbol einer Buchbranche zwischen Weitermachen und Neuanfang, Anknüpfen an Traditionen und Anpassung an sich verändernde Gegebenheiten könnte man den Kritikerempfang des Suhrkamp-Verlages nehmen. Die Villa des Suhrkamp-Patriarchen Siegfried Unseld, in der er ein halbes Jahrhundert lang stattfand, ist inzwischen verkauft. Dennoch will der längst in Berlin ansässige Verlag seine Frankfurter Wurzeln pflegen.
Pure Vernunft darf niemals siegen
Als neues Domizil des Kritikerempfangs wurde nun also am traditionellen Termin – Messemittwoch 17 Uhr – das Holzhausenschlösschen präsentiert. Als man darauf zusteuerte, erschrak man erst: Von außen sieht das Gebäude Suhrkamp-untypisch irgendwie schnuckelig adelig aus, Schlösschen halt, mit Burggraben drumherum. Innen war es dann aber recht sachlich schlicht, viel Weiß, im großen Raum die Anmutung einer skandinavischen Kirche, in der Höhe eine lange Reihe edition suhrkamp in ihren Regenbogenfarben dezent und zugleich wirkungsvoll drapiert.
Die Aura der Klettenbergstraße ist zwar unwiederbringlich dahin, keine knarrenden Sofas, auf denen schon Beckett saß, kein Warhol-Goethe an der Wand, aber die neue Location ist dann doch halt ein guter Ort, um sich auszutauschen und dabei das Gefühl abzuholen, dass es in der Branche, allen Widrigkeiten zum Trotz, immer noch viele kluge, engagierte Menschen gibt, die Bücher schreiben, verlegen und lesen wollen.
Klingt ein bisschen kitschig vielleicht, ist aber wirklich so.
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