Geplantes US-Verbot für THC-Produkte: Die verunsicherte Hanf-Branche
Snacks und Getränke auf Basis von THC sind in vielen US-Bundesstaaten beliebt. Wegen einer Gesetzesänderung könnte der Verkauf aber schon bald illegal werden.
ap | Die Abfüllanlage von Indeed Brewing ist gut ausgelastet. Die Dosen, die gerade vom Band laufen, enthalten aber nicht Bier, sondern ein THC-haltiges Sprudelwasser. Für die kleine Brauerei ist das Getränk, das den berauschenden Wirkstoff der Hanfpflanze enthält, zuletzt immer wichtiger geworden – auch weil der Konsum von Alkohol spürbar zurückgegangen ist. Doch das neue Geschäft könnte nun plötzlich wieder wegbrechen.
Versteckt in dem Gesetz, mit dem im November eine wochenlange Haushaltssperre beendet wurde, befand sich eine Klausel, mit der Snacks und Getränke auf Basis von THC verboten werden sollen. In einem Jahr würde die neue Regelung in Kraft treten. Die milliardenschwere amerikanische Hanf-Branche steht damit erheblich unter Druck. „Das ist eine ernste Sache“, sagt Ryan Bandy, der das Geschäft von Indeed Brewing leitet. „Es wäre schlimm für unsere Brauereien, für unsere Branche und natürlich für viele Menschen, die diese Dinge mögen.“
Hanf ist eine vielseitig einsetzbare Pflanze. Aus den robusten Fasern werden etwa Seile und Textilien hergestellt, Samen und Blätter werden für Lebensmittel und Pflegeprodukte verarbeitet. Vor gut zehn Jahren legalisierten erste US-Bundesstaaten auch das aus den Blüten der Hanfpflanze bestehende Rauschmittel Marihuana. Mit einem Agrargesetz erlaubte der Kongress 2018 den Anbau von Hanf auf Bundesebene, um Landwirten eine neue Einnahmequelle zu schaffen.
Die Art, wie Hanf in dem Gesetz definiert wurde, öffnete jedoch ein Schlupfloch. Legal sind seitdem Produkte, die weniger als 0,3 Prozent des THC-Typs Delta-9 enthalten. Viele Snacks und Getränke können unterhalb dieses Grenzwerts bleiben und trotzdem eine berauschende Wirkung entfalten. In vielen Teilen des Landes sind solche Produkte mittlerweile leicht verfügbar, zum Teil sogar in Tankstellen und Lebensmittelgeschäften – auch für Jugendliche.
In den Bundesstaaten, in denen Marihuana legal ist, konkurrieren diese weitgehend unregulierten THC-Snacks teilweise mit stark besteuerten Produkten. Anderswo werden auf diese Art Verbote bezüglich der Nutzung von Marihuana als Rauschmittel umgangen. In einigen Bundesstaaten, wie etwa Indiana, verzeichnen die Behörden immer mehr Anrufe bei Giftnotrufzentralen wegen des THC-Konsums von Minderjährigen.
Bundesstaaten haben das Problem erkannt
Dutzende Bundesstaaten haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung der neuen Produkte besser zu kontrollieren oder wieder ganz zu stoppen. Im Oktober unterzeichnete Gavin Newsom, der demokratische Gouverneur von Kalifornien, ein Gesetz, das den Verkauf von berauschenden Hanfprodukten außerhalb des von den Behörden regulierten Systems verbietet. Texas will unter anderem eine Altersgrenze von 21 Jahren einführen. In Nebraska wird über ein komplettes Verbot von Verkauf und Besitz diskutiert.
In Minnesota, wo Indeed Brewing ansässig ist, dürfen THC-haltige Snacks und Getränke seit 2022 ganz legal an Personen ab 21 Jahren verkauft werden. Die Produkte, die von zertifiziertem Hanf stammen müssen, sind in dem Bundesstaat so beliebt, dass sie dort sogar in einigen Filialen der Discounter-Kette Target angeboten werden. Bei Indeed Brewing machen THC-Getränke inzwischen etwa ein Viertel des Gesamtgeschäfts aus. Ähnlich sieht es bei der im gleichen Viertel der Stadt Minneapolis gelegenen Brauerei Bauhaus Brew Labs aus.
Senator will Schlupfloch schließen
Der Boom von THC-haltigen Produkten war ganz und gar nicht das, was der republikanische Senator Mitch McConnell im Sinn hatte, als er das Gesetz von 2018 mit auf den Weg brachte. Um die Entwicklung wieder in eine andere Richtung zu lenken, sorgte vor allem er nun dafür, dass ein landesweites Verbot in den Text zur Beendigung des Shutdowns aufgenommen wurde, den der Senat am 10. November absegnete.
Die neue Regelung werde „diese gefährlichen Produkte von Kindern fernhalten und zugleich das Geschäft mit Hanf für Landwirte erhalten“, sagt McConnell. Vertreter der legalen Marihuana-Branche sehen den Schritt durchaus positiv, weil sie damit auf eine Beseitigung einer als unfair betrachteten Konkurrenz hoffen. Zuspruch kommt – wenig überraschend – natürlich auch von Gegnern jeglicher Legalisierung von Marihuana.
Branche hofft auf Änderungen
So oder so dauert es aber noch ein Jahr, bis die neue Regelung in Kraft treten soll. Das gibt der Branche etwas Zeit, zumindest noch ein paar Änderungen durchzusetzen. „Wir hoffen sehr, dass kühle Köpfe am Ende die Oberhand behalten werden“, sagt Jonathan Miller von dem Branchen-Verband US Hemp Roundtable. Laut diesem Verband würde das Verbot in der bisher geplanten Form mehr als 300.000 Arbeitsplätze gefährden und bei den Steuereinnahmen der Bundesstaaten Ausfälle in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) verursachen.
Viele kleinere Betriebe wie Bauhaus Brew Labs würden wohl kaum überleben. „Wenn das in der jetzigen Form durchgeht, sehe ich keinerlei Möglichkeit, wie Bauhaus im Geschäft bleiben könnte“, sagt Drew Hurst, der die Brauerei leitet. Kevin Hilliard, Mitgründer von Insight Brewing, betont, dass eine politische Lösung noch vor der Pflanzzeit im Frühjahr vorgelegt werden müsse. Wenn die Landwirte bis dahin keine Planungssicherheit hätten, „werden sie nicht anbauen“, sagt er.
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