„Die Familienunternehmer“ und die AfD: Zurückrudern alleine reicht nicht aus
Der Verband der Familienunternehmer will doch nicht mit der AfD reden. Will er wirklich antirechts sein, sollte er sich für Umverteilung einsetzen.
J etzt bereut es der Lobbyverband die Familienunternehmer angeblich, die AfD eingeladen zu haben. Man habe die rechtsextreme Partei gar nicht stärken, sondern ihr zeigen wollen, dass ihr Programm wirtschaftsfeindlich sei und dem Standort schade. Nur leider ist das Kind jetzt schon in den Brunnen gefallen, die Brandmauer eben eingerissen und schwer wieder aufzubauen.
Auch wenn es erstmal gut ist, dass der Verband wieder zurückrudert, Von alleine kam er nicht drauf. Es gab vor allem auch heftige Kritik aus den eigenen Reihen. Namhafte Unternehmen wie der Drogeriemarktkette Rossmann teilten öffentlich mit, nicht mehr Teil des Lobbyverbandes sein zu wollen, andere dementierten extra, Mitglied zu sein. Bis auf wenige Ausnahmen wollte fast niemand mehr mit dem Verband in Kontakt gebracht werden. Das tut natürlich weh.
Insofern ist fraglich, wie ernst gemeint der Rückzieher nun ist. Sieht Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann wirklich ein, dass sie einen Fehler gemacht hat, erfolgt ihre Kehrtwende aus rein taktischen Motiven? Hat sie sich innerlich gar schon längst mit der AfD arrangiert?
Bei einer Sache hat die Lobbyistin recht: Bei Umfragewerte von rund 26 Prozent muss ernsthaft die Frage gestellt werden, ob es nicht tatsächlich eine andere Politik gegen die AfD braucht. Doch ist es eine Politik, die im Gegensatz zu dem steht, was der Verein und andere Wirtschaftsverbände verfolgen: Sie pushen derzeit massiv neoliberale Reformen, Deregulierung, Steuersenkungen und Sozialabbau im Namen des Wirtschaftswachstums. Es ist eine Wirtschaftspolitik, die sozial spaltet.
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Dass solche Maßnahmen rechte Kräfte stärken, ist zur Genüge bewiesen. Will die Wirtschaftslobby des Landes tatsächlich die Rechtsextremen aufhalten, dann muss sie sich also fragen, was ihr Weltoffenheit und Demokratie wirklich wert sind. Sie muss für eine Wirtschaftspolitik gegen ihre Interessen sein. Es braucht nicht weniger, sondern mehr Umverteilung, um den sozialen Frieden und die Demokratie zu retten.
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