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Nach Anschlag auf Stromkabel in BerlinStochern im Brandnebel

Nach dem Anschlag aufs Berliner Stromnetz spricht Berlins Bürgermeister von Linksterrorismus. Doch das Bekennerschreiben wirft Fragen auf.

Weißer Schnee im Blackout: Die Brandstelle am Teltowkanal, die nun Teile Berlins lahmlegt Foto: Michael Ukas/dpa

Am Montag waren im Süden Berlins noch immer Zehntausende Haushalte ohne Strom. Schulen und Supermärkte blieben geschlossen, Pflegeheime liefen auf Notstrom. Ursache war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in der Nacht zu Samstag im Stadtteil Lichterfelde. Die Reparaturen sollen bis Donnerstag dauern.

Neben der Stromversorgung drängten zwei Fragen in den Vordergrund: Wer steckt hinter der Tat? Und welche Konsequenzen sind zu ziehen?

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprachen am Montag auf einer Pressekonferenz von Linksterrorismus. Wegner sagte, „hier kann man und hier muss man von Terrorismus sprechen“. Auch Spranger erklärte, man könne nicht mehr nur von Linksextremismus sprechen, es gehe um Terrorismus und einen „menschenverachtenden Anschlag“. Es seien „bewusst Kollateralschäden für Leib und Leben der Menschen in Kauf genommen“ worden.

Am Montag übernahm die Berliner Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen. Begründet wurde dies dort mit der „besonderen Bedeutung der Sache“. Nach taz-Informationen prüfte aber auch die Bundesanwaltschaft, ob sie den Fall übernimmt. Bereits im Frühjahr 2024 hatte sie nach einem Brandanschlag auf die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide ermittelt – ohne die Tä­te­r*in­nen zu finden.

„Vulkangruppe“ kein Sabotage-Newcomer

Damals wie heute bekannte sich eine „Vulkangruppe“ auf linken Onlineplattformen zu der Tat. Diesmal erklärten die Verfasser*innen, die Tat sei begangen worden, um „den Herrschenden den Saft abzudrehen“ und als Signal, um „den Raubbau an der Erde“ zu stoppen. Ziel sei das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde gewesen, was man „erfolgreich sabotiert“ habe.

Auch zu weiteren Brandanschlägen seit 2011 in und um Berlin hatten sich „Vulkan-Gruppen“ bekannt. Anfangs nutzten sie die Namen isländischer Vulkane, später blieb es allgemeiner. Die Begründungen reichten von Waffenexporten über Bundeswehreinsätze bis zu Atommülltransporten. Die Tä­te­r*in­nen entkamen stets. Ob es eine feste Gruppe gibt oder nur ein Label, das wechselnde Personen nutzen, bleibt unklar.

Die Berliner Polizei hält das aktuelle Bekennerschreiben für authentisch. Es enthält vermeintliches Täterwissen, etwa über die Anzahl der Rohre in der Kabelbrücke und deren Verbindung, um einen Kurzschluss auszulösen. Verfassungsschutzbehörden prüfen das Schreiben nach taz-Informationen jedoch weiter, da es Auffälligkeiten zeigt.

So wurde es laut Eigenauskunft zuerst an vier Medien verschickt, darunter die taz, bevor es einen Tag später auf linken Plattformen erschien. Die taz erreichte es tatsächlich, allerdings mit Verzögerung. Auf den genutzten Onlineplattformen kann jedoch je­de*r Texte veröffentlichen. Erst kürzlich bekannte sich dort eine vermeintliche Antifa-Gruppe zu einem Brand im Jagdschloss der Familie Thurn und Taxis in Regensburg – die Polizei fand jedoch keine Hinweise auf Brandstiftung.

Manche Formulierungen wirken, als stammten sie von einer KI oder aus einer kyrillischen Übersetzung

Und das Bekennerschreiben fällt diesmal nicht nur mit länglichen Entschuldigungen bei der „nicht wohlhabenden“ Bevölkerung für die „Unannehmlichkeiten“ auf und Tiefschürfendem wie „unsere gemeinwohlorientierte Aktion ist gesellschaftlich sinnvoll“ – sondern auch mit teils interessanter Rechtschreibung. So wird dort aus dem US-amerikanischen Vizepräsidenten Vance ein „Vans“, was auch der kyrillischen Übersetzung entspräche. Auch die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) wird falsch „Giffay“ geschrieben. Manche Formulierungen wirken, als stammten sie von einer KI oder aus einer kyrillischen Übersetzung. In sozialen Medien wurde spekuliert, ob der Anschlag Teil einer hybriden Kriegsführung Russlands sein könnte.

Sicherheitskreise prüfen diese Spur, sehen aber bisher keine Hinweise. Wegner und Spranger betonten, die Täter seien Linksextreme. Auch die Berliner Polizei bleibt dabei, dass das Schreiben geprüft und den „Vulkangruppen“ zugeordnet wurde. Um Verdächtige zu finden, wertet sie Zeugenaussagen und Videobilder aus U-Bahnen aus, setzt Spürhunde ein und untersucht die Brandsätze.

Diskussionen über legitime Sabotageaktionen

Tadzio Müller, der sich als Aktivist und Autor für das Konzept der „friedlichen Sabotage“ stark macht, sagte der taz, dass Sabotageakte „unter bestimmten Bedingungen notwendig und legitim“ sein können, etwa „wenn sie sich gegen den Bau von Panzerfabriken oder neuer Gaskraftwerke richten“. Immer aber unter der Maßgabe, „dass keine Menschenleben gefährdet werden“. Der Anschlag in Berlins Südwesten mitten im Winter sei dagegen für viele durchaus gefährlich, er könne ihn „nicht gutheißen“.

Daraus zu schließen, dass es nur ein russischer Anschlag sein könnte, wie es viele Linke derzeit vehement zu beweisen versuchen, sei gleichwohl falsch, so Müller. Stattdessen müsse man in Betracht ziehen, dass die Tä­te­r:in­nen sich selbst einem radikal-linken Spektrum zugehörig fühlen könnten. „Wir müssen diese Möglichkeit anerkennen, anstatt zu sagen, so was würden Linke nie machen“, so Müller. Nur so könne man künftig sinnvoll über legitime Sabotageaktionen diskutieren.

Bundeswehr hilft

Bürgermeister Wegner und Innensenatorin Spranger forderten am Montag, dass Bundesbehörden die Ermittlungen übernehmen. Spranger verlangte zudem von der Bundesregierung, Informationen über kritische Infrastruktur besser zu schützen. Im Fall der Stromnetze sei Transparenz „nicht hinnehmbar“, da sie extremistischen Gruppen „sehr leicht“ Angriffsziele liefere. Die Bundesregierung müsse „so schnell wie möglich handeln“. Im Bekennerschreiben heißt es jedoch, die Kabelbrücke sei nicht öffentlich verzeichnet gewesen.

Hilfe vom Bund erhält Berlin bereits anderweitig: Auf Antrag der Stadt stellt die Bundeswehr rund 18.000 Liter Diesel, Tankfahrzeuge und Personal bereit, um Notstromaggregate zu betanken. Vor allem Pflegeeinrichtungen sollen davon profitieren.

Aktualisierung: In einer ersten Textversion hieß es, das Bekennerschreiben kam bei der taz über die üblichen Adressen nicht an. Mittlerweile hat es die taz aber doch erreicht.

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55 Kommentare

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  • Tja Balkonkraft mit Speicher Photovoltaik aufm Dach bidirektionales ladbares e Auto das Power für mehrere Tage für ne elektroheizung hat und einfach in nem anderen Stadtteil wieder aufgeladen werden kann. Damit ist man unabhängig

    • @prius:

      Dann sind Sie also einer der im Kommentar von Jost Maurin erwähnten Wohlhabenden mit großem Auto, der im Gegensatz zu den Armen, nicht unter dem Stromausfall zu leiden hatte. Herzlichen Glückwunsch zum prahlerischen Reichtum...

      taz.de/Zehntausend...d-Waerme/!6142876/

    • @prius:

      Tja, wenn sie mir das bezahlen, gerne......

  • "...dass es nur ein russischer Anschlag sein könnte, wie es viele Linke derzeit vehement zu beweisen versuchen, sei gleichwohl falsch, so Müller."



    Ja die Idee dürfte sich mit dem zweiten Bekennerschreiben nun hoffentlich endgültig erledigt haben.



    Nicht nur bei den Rechtsextremen, sondern auch im linksextremen Spektrum sitzen komplette Vollidioten die meinen, sie allein seien befugt Republik und Gesellschaft den Weg zu weisen. Das ist für viele hier anscheinend schwer nur zu akzeptieren, lieber hofft man verzweifelt auf fremde Geheimdienste...🙄



    Aluhut lässt grüßen.



    Aber die nächste Ablenkung ist schon im Anmarsch: nachdem die Russlandtheorie sich als wenig stichhaltig die letzten Tage erwiesen hat, wird nun seit gestern darauf verwiesen, dass die Personen hinter der Vulkangruppe ja Anarchisten seien und keine Linken bzw Linksradikale.



    Da musst ich schon leicht schmunzeln - erst Russland, nun Anarchisten, als nächstes vielleicht noch Nationalanarchisten...🤷



    Hauptsache keine 'Linken'

    • @Saskia Brehn:

      "Nicht nur bei den Rechtsextremen, sondern auch im linksextremen Spektrum sitzen komplette Vollidioten die meinen, sie allein seien befugt Republik und Gesellschaft den Weg zu weisen."

      Bei diesem Punkt haben Sie recht.

      Bei den anderen ist Ihre Argumentation meines Erachtens unsachlich.

      Wir wissen es doch einfach nicht. Dass jemand dazu in der Lage ist zwei Texte anstatt einem zu verfassen ist kein Argument.

      Da es bereits eine False-Flag-Aktion mit einem ähnlichen Vorzeichen gegeben hat ist Skepsis berechtigt.

      So wie die AfD keine Partei der "vernünftige Mitte" ist nur weil sie das behauptet, so ist auch niemand der Menschen in der Kälte den Strom abdreht ein "Linker" nur weil er/sie das behauptet.

      Links sein bedeutet, im Zweifel auf der Seite der Schwächeren zu stehen. Und die trifft es hier doch am meisten.

    • @Saskia Brehn:

      Für die einen sind es Linke, für die anderen Russland, für wieder andere Anarchisten und für noch andere ganz einfach Terroristen. Fakt ist, wir wissen eigentlich überhaupt nichts über die Personen dahinter, außer, dass sie sich Vulkangruppe nennen. Das heißt niemand hat bisher recht. Auch sie nicht. Denn für sie scheint das mit den Linken ja auch schon festzustehen ohne dass sie es wissen.

  • "Menschenverachtender Anschlag", kleiner hat Spranger es wohl nicht. Und bloß keine Zweifel aufkommen lassen, dass es sich um Linke handelt, einfach stur am Feindbild abarbeiten, statt mal irgendwas Sinnvolles beizutragen.

    Ich frage mich allerdings, was "kyrillische Formulierungen" sein sollen. Wenn es um Inhalt/Ausdruck und nicht um Rechtschreibung geht, wären es doch wohl eher russische.

  • Ich bin etwas erstaunt. Ausfälle im Stromnetz können in der Regel über andere Teile des Netzes in Kürze wieder versorgt werden. Gibt's in Berlin keine Redundanzen im System? Ist das Netz aus welchem Grund auch immer gar keins?



    Die Hilflosigkeit der politisch Verantwortlichen ist irritierend und beschämend. Jetzt geht's soweit, daß mit dem Aufbau eines Buhmanns- der bösen Linken - vom eigenen Vollversagen abgelenkt werden soll.



    Wenn die zitierte sprachliche Diktion tatsächlich aus "linken" Kreisen stammen sollte muss dort ein böser intellektueller Verfall stattgefunden haben. 3. klassige FSB Agenten als Tätergruppe erscheinen hier plausibler

  • Kyrillisch ist ein Alphabet; „Vans“ wäre daher eine Transkription, keine Übersetzung. Besonders absurd wird es, wenn man sich den Ursprung dieser Verschwörungserzählung ansieht: Auf der betreffenden Seite ist ein Screenshot von Google Translate zu sehen, der die korrekte Übertragung aus dem Russischen zeigt. Aus „Вэнс“ wird „Vance“ – lediglich die Aussprache wird mit „Vans“ wiedergegeben.



    Zudem ist das Kyrillische nicht einheitlich. Seit seiner Entstehung im bulgarischen Raum hat es sich sprachspezifisch weiterentwickelt; selbst einfache Vokale werden je nach Sprache unterschiedlich geschrieben. Entsprechend heißt es etwa im Bulgarischen „Ванс“, im Ukrainischen „Венс“.

  • Seit dem Anschlag wird in Kommentarspalten und sozialen Medien aus voller Kraft gegen Linke (angeblich alle Terroristenfreunde) und Grüne (angeblich unfähige Bezirksbürgermeisterin) sowie die Regierung geschimpft. Also quasi auf alle außer der AfD.



    In Berlin sind demnächst Wahlen. In den Umfragen liegt die Linke auf Platz 2. Gewaltbereite Sympathisanten welcher politischen Richtung hätten jetzt Interesse, einen Anschlag zu verüben, der größtmögliches Durcheinander stiftet und viele Menschen die Handlungsfähigkeit von Regierung und Behörden anzweifeln lässt?

    • @abraxas:

      Ja gar nicht so abwegig vor allem wenn man bedenkt dass gerade Rechtsterroristen den Antisemitismus-Beauftragter Brandenburgs eine Morddrohung gesendet haben und von der AFD keine Verurteilung kam

  • Täter bekennen sich in einem Bekennerschreiben.



    Dass es von den Täter stammt scheint wohl sicher ("Täterwissen") aber ob die Täter tatschlich aus dieser Gruppe stammen, scheint doch eher fragwürdig zu sein (Trittbrettfahrer ?)

    Also ist das "Bekennerschreiben" ohne Aussagekraft.

    • @Bolzkopf:

      An welcher Stelle findet man im Bekennerschreiben "Täterwissen"? Wo findet man das Bekennerschreiben überhaupt?

      • @Matt Olie:

        Berliner Zeitung

  • Ja so isser, der russische Geheimdienst. Immer wenn er will dass etwas ganz geheim bleibt, baut er so kleine Hinweise ein...

    • @Samvim:

      Leise rieseln die Späne. Schliesslich sind die Hauptkriegsschauplätze woanders.

  • Ich weiß ja nicht bei welcher KI so etwas heraus kommt, habe gerade gerade mal versucht die beiden Namen JD Vance und Franziska Giffey bei deepl und Google Translate hin und wieder zurück übersetzen zu lassen.



    Bei beiden wird JD Vance zu J. D. Vance und bei deepl Franziska Giffey zu Francisca Giffey.



    Vans oder Giffay kommt bei mir nicht heraus.

    • @Erdbeerschnitte:

      Russisch (deepL): Ванс



      auf Deutsch transskribiert: Vans

      Stimmt nur nicht, weil die korrekte Transliteration im russischen ist Вэнс, auf Deutsch transkribiert: Vens

      Übersetzer sind so intelligent, dass sie das durch das englische Wort ersetzen. Die erwähnte KI bezog sich eher auf die Texterzeugung.

    • @Erdbeerschnitte:

      "Übersetzertool" war ja nur Spekulation.



      Das kyrillische "Вэнс" könnte ein etwas unbegabterer Mensch schon als "Vans" schreiben.

  • Wir können davon ausgehen, dass das niemand mehr lesen wird, falls herauskommt, dass es doch jemand anderer war. Sonst ist ja eigentlich per default immer Putin schuld.



    Das haben wir dem "lieber schnell als richtig" Journalismus der profitmaximierenden Medienkonzerne zu verdanken. Auch, was früher mal als Qualitätsjournalismus bezeichnet wurde, ZEIT o.Ä., ist keinen Deut besser heutzutage.



    Und bei denen, die sowieso nichts anderes hören wollen als "die Linken sind Schuld" trifft das auf fruchtbaren braunen Boden.

  • „Wo die Polizeibehörden ermitteln, vermuten, kombinieren, ist Bild schon bedeutend weiter: Bild weiß.“ „Bild" weiß. Wegner auch.



    Heinrich Böll: „Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?" de.wikipedia.org/w...r_freies_Geleit%3F



    Den kompletten Text finde ich nicht im Internet.

    • @Mondschaf26:

      Da hat die Bild Zeitung eine ganze Menge gemein mit vielen TAZ Foristen, die ebenfalls jetzt schon wissen, dass es nur eine "false flag operation" gewesen sein kann und die sich dabei oft auf die "aussagekräftige Analyse" von irgendwelchen Youtubern verlassen.

  • Diese hier vorgebrachten Passagen deuten vor allem auf den Einsatz einer KI hin, welche die Schreibweise verwischen sollte. Eine KI die nicht unterscheidet in welchem Land man grade ist.

    Aber der stärkste Beweis ist eigentlich, dass die echte Vulkangruppe den Anschlag noch nicht dementiert hat, wenn Sie ihn tatsächlich nicht begangen hätten. Immerhin steht der Vorwurf des Terrorismus im Raum und auch eine breite Ablehnung der Öffentlichkeit.

    Und mal ehrlich, der Anschlag passt 1 zu 1 in die Historie der Anschläge der Vulkangruppe



    de.wikipedia.org/wiki/Vulkangruppe

    • @Walterismus:

      Ich sehe keinen Beweis dafür, dass es eine "echte" Vulkangruppe gibt. Die begangenen Anschläge sind als "politischer Kampf" alle komplett hirnrissig. Es ist von "false flag" auszugehen, solange das Gegenteil nicht bewiesen wurde.

  • Es scheint mir halbwegs abwegig, dass Russland einen Anschlag begeht und ihn einer linksextremen Organisation zuschreiben will. Russland wird sich bestimmt drüber freuen, hätte aber vermutlich auch nicht dagegen, wenn es mehr oder minder klar wäre, wo es herkommt. Russland hatte in D das gemäßigt linke Spektrum (wie die Grünen) auf dem Kicker. Eine false flag als Vulkangruppe passt nicht ins Bild. Aufgrund des Tatwissens ist es wohl auch keine falsche Aneignung oder Zuschreibung. Gleichwohl kann mensch sich natürlich fragen, was das über diese Aktion aussagt, wenn das eigene politische Spektrum nichts damit zu tun haben will. Es war einfach eine saudämliche und gefährliche Aktion, die allenfalls dem Bedürfnis der Selbstwirksamkeit der Gruppe dienen dürfte. Es gibt ja nicht einmal eine vernünftige politische Forderung hinter diesem Blödsinn.

    • @Corina Strößner:

      Der Artikel schreib von "vermeintlichem Täterwissen". Ich sehe da gar kein Täterwissen. "Anzahl der Rohre in der Kabelbrücke und deren Verbindung, um einen Kurzschluss auszulösen" wird jeder wissen können, der bei den Kabelfritzen arbeitet. Daran dürfte nichts geheim sein.

  • ... anhand der aufgeführten Textpassagen, falls dies bei den vorherigen Taten ebenfalls aufgefallen wäre, tippe ich auf Russland.

    Aber vielleicht passt auch nur gerade so schön.

  • "Tadzio Müller, der sich als Aktivist und Autor für das Konzept der „friedlichen Sabotage“ stark macht, sagte der taz, dass Sabotageakte „unter bestimmten Bedingungen notwendig und legitim“ sein können, ..."



    Die Unterscheidung zwischen legitimer und nicht legitimer Sabotage ist völlig absurd. Beides beruht allein auf Selbstermächtigung, die Begründungen lassen sich beliebig konstruieren. Das gilt für den linken Extremismus/Terrorismus genauso wie für den rechten. Es ist das schon vom Leninismus her bekannte Konzept der Avantgarde. Leute wie Müller halten sich qua selbst attestierter höherer Einsicht und Moral für befugt, auch gegen die Mehrheit zu handeln; schon die LG hat regelmäßig zu erkennen gegeben, dass ihr die Interessen von Arbeitnehmern und "einfachen" Leuten dann letztlich doch schnuppe sind.



    "... künftig sinnvoll über legitime Sabotageaktionen diskutieren ..." Wozu? Um solchen Aktionen durch einen wie auch immer gearteten Konsens innerhalb linksextremistischer Grüppchen ein pseudolegitimatorisches Mäntelchen umhängen zu können? Für die Selbstvergewisserung innerhalb des eigenen Rudels?

    • @Schalamow:

      Sollte es zu einer Lage kommen, in der Akte der Sabotage zur Verhinderung und Vermeidung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit hilfreich sind, müssen wir selbstverständlich drüber reden, was notwendig und legitim ist (siehe ICE in den USA, Israels Vorgehen in Gaza und Westbank). Früher fanden wir Linke das mal gut, wenn Menschen dem moralischen Gesetz in sich gefolgt sind und nicht den Regeln der Mächtigen. Wohl gemerkt halte ich diese Aktion für dumm und nur den wenigsten von uns dürften aktuell in einer Lage sein, wo sie "das System" aus moralischer Notwehr nicht nur boykottieren, sondern aktive sabotieren müssten und damit auch noch was sinnvolles erreichen würden. Das kann sich aber auch mal ändern.

  • Es gibt also Auffälligkeiten, die auf eine Übersetzung hindeuten und es wird laut über die Möglichkeit einer hybriden Kriegsführung seitens Russlands nachgedacht.



    Da drängt sich doch die Frage auf, ob da ein Zusammenhang mit den zahllosen parlamentarischen Anfragen zur kritischen Infrastruktur, die eine gewisse Partei, deren Russlandnähe wohl außer Frage steht, stellt, bestehen könnte.

    • @Hugo Rune:

      Vielleicht strafrechtlich nicht verfolgbar. Zivilrechtlich könnte da was gehen...

  • Drohbriefe & Bekennerschreiben vermeiden Handschrift. Gekrakelte Druckbuchstaben oder kunstvoll collagierte Zeitungs-Überschriftlettern sind dazu Tagesordnung. Zwischengeschaltete KI zur Unkenntlichmachung des Formulierunsstiles ist da auch denkbar.

    Dennoch: "Linksterrorismus" ist womöglich ein unzulässig voreingenommener Verdacht. Heutzutage könnte es sich um Klimaterrorismus handeln! Der Aktivismus der "Letzten Generation" war ja bereits übergriffig den Alltag der NormalbürgerInnen behindernd - der Rückgang der Selbstfestklebeaktionen könnte extreme Aktivisten solch speziell Gasverbrennung verteufelnder Aktivisten zu Extremismus verleitet haben, der sich im letzten "Vulkanausbruch" offenbart.

    Ein Attentat durch russische Agenten? Warum dann ausgerechnet gegen ein Gaskraftwerk? Dennoch, diejenigen, die meinen, Russland übe in Berlin nun seine "hybride Kriegsführung" ein, fühlen sich geradezu durch diese Frage bestätigt: Wer würde das Gaslobbyland Numero Eins ernsthaft verdächtigen? Also KGB-Agentenperfektion?

    Vor Dekaden war ne Welle von Anschlägen sogenannter "Mastenleger". "Gewalt gegen Sachen" erscheint manchen legitim. Berlin beweist, dass sie im Gegenteil Menschen schadet.

    • @Uwe Kulick:

      Deine letzten beiden Sätze ergeben keinen Sinn. Das ist eine völlig unlogische Gleichsetzung/Veralgemeinerung.

  • In einem demokratischen Rechtsstaat gibt es KEINE guten Gründe Anschläge gut zu heissen. Egal wer sie auf wen aus was für Gründen verübt. Eigentlich ganz einfach.

    • @vieldenker:

      Unser Möchtegern-Kanzler würde sagen: das ist zu "komplex".

  • Danke für die Hinweise auf die Merkwürdigkeiten im sog. Bekennerschreiben. Ich habe es auch durchgelesen und war ebenfalls etwas irritiert über gewisse Formulierungen.

    Z. B.:

    "Die deutsche Wirtschaftsministerin Katharina Reiche beispielsweise war Staatssekretärin im Verkehrsministerium der Bundesregierung […] "

    Der Hinweis, bzw. die explizite Erwähnung, dass Frau Reiche eine Deutsche ist, lässt durchaus die Interpretation zu, dass da ein sog. fremder Akteur an der Verfassung des Textes beteiligt war. Für Deutsche dürfte es sich bei dieser Formulierung eher um einen klassischen weißen Schimmel handeln. Ein Lektor wäre hier hilfreich gewesen.

    Gleichzeitig kann die bewusste Spurensetzung mit den russischen Einflüssen durchaus gewollt und nicht unbeabsichtigt sein, da Russland bewusst mit Vernebelungstaktik und Unsicherheiten spielt.

    Erschreckend, wenn auch nicht verwunderlich, dass die Springermedien über den Sabotage-Akt regelrecht frohlockend dankbar für tagelangen Content, die Ressentiments und Ablenkung von der wirklichen Gefahr sind.

  • Aber ganz ehrlich? Wäre ich linksradikales Gruppe, was macht Anschläge, ich würde gewiss formulieren genau só.

    Dass das Bekennerschreiben so offenkundige Anhaltspunkte für eine mögliche russische Beteiligung liefert ist wiederum in sich suspekt. Obwohl: Manchmal sind auch die Russen so doof. Bzw. ihre nützlichen Idioten in den Kommentarspalten.

    Man wird wohl letztlich doch warten müssen, bis tatsächlich greifbarere Spuren vorhanden sind, oder die wahren Täter gefasst werden.

    Aber selbst wenn tatsächlich die Spur am Ende nach Moskau führte, wird es sicherlich genügend Menschen geben, die trotzdem der Meinung sind, es sei der deutsche Sicherheitsapparat selbst gewesen. Oder Trump. Oder die Gnome von Zürich.... /sarc

    • @Metallkopf:

      Ich hingegen behaupte, dass so gut wie niemand in Deutschland den Namen des amerikanischen Vizepräsidenten als "Vans" schreiben würde. Auffallend allerdings ist die Ähnlichkeit zu "Вэнс".

  • Wenn es die besagte Linksterroristengruppe wirklich gibt, bleibt es immer noch merkwürdiges Verhalten. Cui bono deutet eher auf Geheimdiensttests hin. Aber hauptsache das Hufeisen funktioniert noch bei all denen die sich die Welt einfach reden. Ansonsten schliess ich mich Tadzio an

  • "Manche Formulierungen wirken, als stammten sie von einer KI oder aus einer kyrillischen Übersetzung. "

    Warum "oder"?



    Nutzt noch jemand nicht KI-gestützte Übersetzungstools? ;)

    • @EDL:

      Ich nutze gar keine Tools, wenn ich die entsprechende Sprache beherrsche.

    • @EDL:

      Wie die Lemminge... also ja, mensch muss nicht mal die Langenscheidts wegschmeissen.

  • Interessant dass bei einem linken Bekennerschreiben sofort die Verschwörungstheorie aus der Schublade gezogen wird, wird irgendwo ein rechter Urheber vermutet, wird sofort drauf eingedroschen und gegen Gewalt von rechts demonstriert.

    Glauben Sie nicht, dass die Vulkan-Gruppe das Schreiben dementiert hätte, wenn sie dafür nicht verantwortlich wären? Immerhin wird der Anschlag als Terrorismus gewertet.

    • @Sandra Becker:

      Einbildung. Das passiert nur bei "linken" Bekennerschreiben, wo die Tat keinerlei glaubhaften Bezug zu linkem Gedankengut erkennen lässt.

    • @Sandra Becker:

      Die "Vulkangruppe" kann verantwortlich sein und gleichzeitig kann es sich um eine False-Flag Operation handeln.

    • @Sandra Becker:

      Erinnern sie sich noch daran wie vor der Bundestagswahl vermeintliche Ökoterroristen massenhaft Auspuffrohre mit Bauschaum verstopften und das Ganze mit Aufklebern der Grünen garnierten? Wochen später stellte sich heraus, dass dahinter russische 'Wegwerfagenten' steckten die für 100€ beauftragt waren damit die Stimmung gegen die Grünen anzuheizen. Derartige Verschwörungen sind also nicht nur Theorie, sondern nachgewiesene Praxis.



      Zudem, vergangene Attacken gegen einen globalen Konzern mit rechtsdrehendem CEO wie Tesla mögen aus linksradikaler Perspektive noch irgendwie 'plausibel' sein, ein Anschlag der sich ausschließlich gegen Wohnbevölkerung, wenn auch in wohlhabenden Vierteln richtet, sehr viel weniger.



      Ausbleibende Dementis mögen ihre Ursache auch darin haben, dass die Vulkangruppe keine feste Struktur sondern ein kollektiv genutztes Pseudonym sein könnte oder darin, dass man sich zu Verdächtigungen der Repressionsorgane grundsätzlich nicht äußert weil man meint, dass auch Entlastungen eine Unterstützung von deren Arbeit darstellen.

    • @Sandra Becker:

      Verbrechen / Straftaten bleiben Verbrechen / Straftaten - oftmals fordert Gewalt ja Gegengewalt heraus.

  • > wird dort aus dem US-amerikanischen Vizepräsidenten Vance ein „Vans“, was auch der kyrillischen Übersetzung entspräche



    In den Achtzigern war es an der RWTH ein beliebtes Spiel der Linken, immer wieder gefälschte Flugblätter angeblich des RCDS zu verteilen. Sie waren ausnahmslos eindeutig erkennbar. Nicht einmal gelang es ihnen, einen Text frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern zu erstellen. Wenn überhaupt ist dieser Fehler ein Echtheitsmerkmal, der KGB legt seit jeher größten Wert auf perfekte Schulung.

    • @Axel Berger:

      Wer sind "die" Linken? Diese Art Gleichmacherei ist BILD-Niveau. Wenn nicht schlimmer.

      • @Matt Olie:

        Die innere Zerstrittenheit ist bekannt. Die Szene im "Leben des Brian" ist ja gerade deshalb so witzig, weil jeder sie wiedererkennt. Im Dezember 2023 stand ich für die Geiseln einer großen Gruppe Palifreunde auf der andern Seite des Platzes gegenüber und neben Leuten, von denen ich vorher nie erwartet hätte, einmal mit ihnen zusammenzustehen. Der Wettbewerb, wer lauter "wir sind die wahre Antifa" brüllen kann, war so beeindruckend wie befremdlich.



        Von außen gesehen als nicht Dazugehörender sind die Linken in ihrem Bevormundungswillen aber dennoch weitgehend alle ein- und dasselbe.

    • @Axel Berger:

      Rechtsgerichtete Regierungen mit notorisch aggressiven Geheimdiensten gibt es viele. In diesem Fall würde ich aber nicht auf die Russland tippen, sondern auf die Vereinigten Staaten: Die haben viel Erfahrung darin, in Europa Stromleitungen in die Luft zu jagen und es dann Linken in die Schuhe zu schieben. Ich hoffe, dass als nächstes kein Bahnhof dran ist.

    • @Axel Berger:

      „Wenn überhaupt ist dieser Fehler ein Echtheitsmerkmal, der KGB legt seit jeher größten Wert auf perfekte Schulung."



      --



      Schlaue Menschen können sich dumm stellen, aber umgekehrt... (angeblich von Albert Einstein - oder doch Feuerzangenbowle?)

    • @Axel Berger:

      Flugblätter vom RCDS enthalten also keine Rechtschreibfehler? ROTFLMAO!

      • @Kaboom:

        Zu Ihrer Frage im Präsens kann ich wenig sagen, außer daß ich an der Uni schon lange (so gut wie) keine Flugblätter mehr gesehen habe. Aber vor knapp 45 Jahren an der RWTH war es so.



        Wenn ich bisweilen massive Mißgriffe in Zeitungen geißele, dann meine ich ausdrücklich nie den jeweiligen Autor dabei. Dafür mache ich selbst viel zu viele Fehler. Aber vom Entwurf bis zum fertig gedruckten Blatt geht ein Text durch viele Hände und die sind heute ganz offenbar überall vollständig blind und schmerzfrei. Das war bei uns damals deutlich anders und im Zweifel wurde ein als Druckvorlage auf der Schreibmaschine getipptes Blatt eben komplett neu geschrieben. So viel Anspruch darf sein, wenn auch offenbar nicht bei jedem.

    • @Axel Berger:

      Der FSB hat mehrmals ziemlich amateurhaft in den letzten Jahren operiert.