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Berliner StromausfallBlackout im Berliner Südwesten vorbei

Seit Mittwochvormittag fließt der Strom auch für die letzten noch 25.000 betroffenen Haushalte wieder – einen Tag früher als angekündigt.

Die Reparaturarbeiten an der durch einen Anschlag zerstörten Kabelbrücke im Berliner Südwesten sollen schon heute beendet sein Foto: Christoph Gateau/dpa

Aus Berlin

Stefan Alberti

Der Blackout im Berliner Südwesten ist überraschenderweise schon an diesem Mittwochmorgen um 11 Uhr zu Ende gegangen. Das erfuhr die taz aus dem Umfeld der Senatskanzlei, der Berliner Regierungszentrale. 25.500 stromlose Haushalte in den Stadtteilen Zehlendorf, Lichterfelde, Nikolassee und Wannsee gehen wieder ans Netz. Am Dienstag noch hatten die schwarz-rote Landesregierung auf einer Pressekonferenz eine Wiederversorgung für Donnerstagnachmittag in Aussicht gestellt.

Der Zeitpunkt 11 Uhr bedeute allerdings nicht, dass dann schon alle Haushalte auf einen Schlag wieder versorgt seien, hieß es. Schrittweise sollen nach Angaben von Stromnetz Berlin in den nächsten Stunden alle Haushalte wieder angeschlossen werden.

Die schnellere Wiederversorgung erklärte die Senatskanzlei mit dem Ausrufen einer Großschadenslage durch Regierungschef Kai Wegner (CDU). Das habe schnelleres Arbeiten ermöglicht. Details gab es dazu nicht.

Noch am Dienstag hatte der Stromnetz-Chef Bernhard Büllmann auf die andauernden Minusgrade hingewiesen, die den Wiederanschluss seit dem Wochenende erschwert hätten. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) präsentierte zum Veranschaulichen ein gut zehn Zentimeter dickes Kabelstück, das in mehreren Schichten unter herausfordernden Bedingungen verlegt werden müsse.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Den Ausfall, von dem anfangs rund 45.000 Haushalte im Berliner Südwesten betroffen waren, hatte ein Anschlag auf eine Kabelbrücke zu einem Kraftwerk am Teltowkanal fast an der Landesgrenze zu Brandenburg verursacht. Dazu bekannte sich eine „Vulkangruppe“, der auch ein Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südosten im September 2025 zugerechnet wird. Nach Spekulationen um die Authentizität erschien ein zweites Bekennerschreiben. Darin reklamierte die Gruppe den Anschlag für sich. Nur kurz darauf distanzierte sich die „Vulkangruppe“ in einem dritten Schreiben von ihrem doppelten Bekenntnis.

Die Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“

In einem Schreiben einer „Vulkangruppe“ hatten sich die Ab­sen­de­r:in­nen erstmals am 4. Januar 2026 zu dem Brandanschlag auf das Stromnetz in Berlin bekannt. Am 6. Januar wurde ein weiteres Schreiben einer „Vulkangruppe“ veröffentlicht als sogenannte Richtigstellung, nachdem über eine Russland-Sabotage spekuliert worden war. In einem mittlerweile dritten, am 7. Januar publizierten Bekennerschreiben behaupten die Au­to­r:in­nen nun, sie seien die ursprüngliche „Vulkangruppe“ und hätten mit den Anschlägen der letzten Jahre nichts zu tun.

Weil der Vorfall als terroristische Attacke eingestuft wird – Wegner und auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprechen von „Linksterrorismus“ –, hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Berliner Polizei hatte am Dienstag von acht erfolgversprechenden Hinweisen aus der Bevölkerung gesprochen, denen man nachgehe.

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