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Sturmtief „Elli“Es ist trotzdem zu warm

In ganz Europa warnen Meteorologen vor extremem Schnee, Regen und Minusgraden. Es ist kalt – doch Klimaforscher wundert das nicht.

Winterwetter in Brandenburg: In diesen Tagen wird viel Schnee und Regen erwartet Foto: Patrick Pleul/dpa

„Schnee, Glätte, Sturm, Dauerfrost und Regen: Das Wetter der kommenden Tage bietet genau das, wofür Meteorologen das Fach studiert haben.“ Es klingt fast so, als ob sich Andreas Walter, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD), auf das freut, was auf Deutschland zukommt, „ein lokal sehr starkes Sturmtief, dass auf feuchte Meeresluft trifft“, so Walter.

Das Sturmtief heißt „Elli“, formierte sich über dem Atlantik und erreicht Mitteleuropa im Laufe des Freitags. „Mit ihm kommen teils kräftige Niederschläge“, sagt Walter. Weil „Elli“ die Temperaturen stellenweise auf bis zu plus 10 Grad in die Höhe treiben könnte, gehen die Niederschläge recht rasch in Regen über, allerdings nicht im Osten, dort fällt den Wetterprognosen zufolge viel Schnee.

Was der Klimawandel mit der turbulenten Wetterprognose zu tun hat? „Wetter kann man fühlen, Klima nicht“, sagt Walter. Denn die Klimaveränderungen verlaufen über lange Zeiträume, „während der Wind uns die Kälte direkt ins Gesicht treibt“. Klimaveränderungen seien hingegen nur messbar. „Beispielsweise die Tage mit einer geschlossenen Schneedecke: Davon gibt es in den meteorologischen Wintermonaten Dezember, Januar und Februar heute 35 Tage weniger, als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990“, sagt Walter.

Auch die tatsächlich gemessenen Temperaturen im Winter belegen einen eindeutigen Trend: Im Durchschnitt der Jahre 1971 bis 2000 waren sie 0,6 Grad wärmer als in der Referenzperiode 1961 bis 1990, der Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 lag dann schon 1,4 Grad darüber, der letztjährige Winter war 2,2 Grad zu warm. DWD-Sprecher Walter: „Die wärmsten Winter, die es je in Deutschland gab, waren 2024, 2020 und 2007.“

Klimamodelle bewahrheiten sich

Klimaforscher und Meteorologen nennen es „natürliche Klimavariabilität“: Beim Wetter gibt es Ausreißer nach oben und nach unten, es ist also in einem Jahr kühler, im anderen heißer als im langjährigen Mittel. „Es tritt ein, was die Klimamodelle vorhergesagt hatten: Nicht nur die mittlere Temperatur ändert sich, sondern auch die Wetterextreme“, so Walter. Wobei die Ausreißer nach oben – also das „zu warm“ – deutlich stärker zugenommen haben, als die nach unten.

Würde es jetzt wieder einen solchen nach unten geben – „ein besonders kalter Winter“, wie Walter sagt – würde das aber nicht bedeuten, dass sich die Klimaerhitzung abgeschwächt hat. „Aber aktuell deuten unsere Messwerte nicht auf so einen Ausreißer nach unten in diesem Winter hin“, sagt Walter. So war der Dezember 2,3 Grad wärmer als im Referenzzeitraum.

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