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März 2025: Tatwaffe Auto in Ludwigsburg. Warum darf ein Wagen mit Fahrprogramm für Rennstrecken auf öffentlichen Straßen fahren? Foto: Andreas Rometsch/picture alliance

Raserunfälle und die AutoindustrieGeiler töten

Drei Männer stehen nach einem tödlichen Autorennen bei Stuttgart vor Gericht. Die Anklage: Mord. Die Rasertatwaffe – ein hochmotorisierter Mercedes-AMG.

B rad Pitt lächelt schief. Er trägt Schnurrbart. Der Hotelpage auch. Gerade hat ihm der Star einen Zettel überreicht. „AMG GT“, steht da drauf. „I’m a big fan“, sagt der Page. Und als Pitt sich bedankt, fügt er hinzu: „Of the car.“ Er mag nicht den Schauspieler, sondern das Auto. Und um das geht es in diesem Spot, den Mercedes Ende letzten Jahres in Netz gestellt hat. Er präsentiert einen Prototyp des Mercedes-AMG GT 4-Door Coupé, der in diesem Jahr auf den Markt kommen soll.

Wozu die hochmotorisierte Limousine der Mercedes-Tochterfirma AMG gut ist, zeigt das nicht mal zwei Minuten lange Filmchen ebenfalls. Der Page bittet einen Fahrer, den Wagen aus der Garage zu holen – möglichst „ohne Kratzer“. Der Fahrer ist George Russell. Im Film laut Plakette für „herausragend schnellen Kundenservice“ als „Mitarbeiter des Monats“ ausgezeichnet. Im echten Leben Formel-1-Pilot. Im Mercedes-Team. Und nicht nur Formel-1-Pilot-Darsteller wie Brad Pitt.

Russel steigt in den Wagen und rast. Mit quietschenden, qualmenden Reifen fährt er wie ein Irrer die Rampen eines Parkhauses hoch. Lässt den Wagen vor dem Hotel noch ein paar Runden schleudern und bringt ihn schließlich mit einem Slide vor Pitt zum Stehen.

Eine Fantasie aus der Traumwelt der Autonarren? Ja. Aber.

Im Februar letzten Jahres gab es noch ganz andere Videos im Netz zu sehen. Auch hier standen Fahrzeuge von Mercedes-AMG im Mittelpunkt. „Mercedes kann nicht mit anderen Autos verglichen werden“, sagte darin ein Mann im Off auf Türkisch, während die Kamera die hochpolierte Karosse aus allen Blickwinkeln zeigte. Wer so ein Auto fahre, hieß es weiter, müsse seine Atmosphäre widerspiegeln – beim Sprechen, beim Sitzen, beim Stehen. Dann war wenige Sekunden lang zu sehen, wie ein Mercedes über die Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg rast, gefilmt aus einem daneben fahrenden Auto. Der Fahrer lächelt.

Auf Instagram gepostet hatten die Videos Betreiber einer Kfz-Werkstatt aus Ludwigsburg, die sich auf Mercedes spezialisiert hatten. Am 20. März 2025 rasten sie mit ihren Wagen durch die Stadt – und rammten auf der Schwieberdinger Straße einen Kleinwagen mit zwei Frauen. Beide starben sofort. Seit Dezember stehen die Männer in Stuttgart vor Gericht. Der Tatvorwurf: Mord. Mordversuch. Und Beihilfe.

Die Angeschuldigten sollen sich ein Rennen durch die Tempo-50-Zone geliefert haben, bei dem sie mehrfach an Ampeln hielten, um dann zuletzt auf bis zu ca. 150 km/h – zu beschleunigen.

Staatsanwaltschaft Stuttgart

Sie sollen laut Staatsanwaltschaft seit dem frühen Abend durch die Stadt gerast sein. Bei den Rennen hätten sie mehrfach an Ampeln gehalten, „um dann immer wieder stark – zuletzt auf bis zu ca. 150 km/h – zu beschleunigen.“ Schließlich knallte einer der beiden in einen Ford Focus, der von einer Tankstelle auf die Straße fuhr. „Durch den Zusammenprall mit dem deutlich schwereren Fahrzeug überschlug sich der Ford Focus und prallte gegen einen Baum. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Frauen erlagen noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.“

Auf der Anklagebank sitzen zwei Brüder, die die beiden Mercedesse gesteuert haben, und ein Cousin, der das Rennen gefilmt hat. Sie sind die mutmaßlichen Täter. Ein Urteil wird im April erwartet.

Das Tatfahrzeug, heißt es vor Gericht, war ein Mercedes-AMG S 63. Eine Sportlimousine mit mehr als 500 PS. Das sei sein „absolutes Traumauto“, ließ einer der Angeklagten durch seinen Anwalt erklären. Es symbolisierte für ihn Erfolg, „was mein Bruder und ich uns durch harte Arbeit aufgebaut haben“.

taz-Titel 2017: Zwei Männer bekommen lebenslänglich, weil sie 2016 beim illegalen Autorennen in Berlin einen dritten getötet haben Foto: taz-Archiv

2017 waren erstmals zwei Raser wegen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil sie nicht fahrlässig, sondern mit Vorsatz gehandelt hatten. Fünf Jahre später hatte das Urteil auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt. Au­to­fah­re­r:in­nen sind Mörder:innen.Aber welche Verantwortung tragen die Autoproduzent:innen?

Die lange Liste der Raserunfälle

Mercedes und die Tochterfirma AMG stehen keineswegs allein. Nahezu alle Autoproduzenten setzen auf Tempo als Verkaufsargument.

2022 rast die Fahrerin eines Audi A6 bei einem illegalen Rennen im niedersächsischen Barsinghausen mit 180 Kilometern pro Stunde durch eine Kurve und crasht frontal mit einem Kleinwagen zusammen, in dem zwei Kindern sterben. Die 42-Jährige wird wegen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt. Audi preist Fahrzeuge dieses Typs mit dem Slogan „Keine Ausrede mehr fürs Zuspätkommen“ an, weil er sich in 4,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen lässt.

Die Autoproduzenten tragen Verantwortung – fast alle setzen auf Tempo als Verkaufsargument

Im November 2025 fährt ein 19-Jähriger mit einem Porsche Macan so schnell durch München, dass ein entgegenkommender Renault förmlich zerrissen wird. Zwei Insassen des Renaults sterben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Porsche lässt den Macan von Popstar Dua Lipa in einem Video anpreisen, in dem ein Rennen nicht fehlen darf. „And … race time, baby, because … Porsche“, sagt die Sängerin. Und zischt davon.

2024 liefern sich zwei junge Männer mit einem Mercedes und einem Tesla ein Autorennen – und rammen ein anderes Auto, in dem ein kleiner Junge stirbt. Sie werden später in erster Instanz zu 7 Jahren Haft verurteilt. Auch Tesla stellt bei seinen Fahrzeugen die enormen Beschleunigungswerte hervor. Beim Tesla S reichen laut Hersteller schon 2,1 Sekunden, um ihn auf 100 km/h zu bringen.

Im selben Jahr stirbt die Insassin eines BMW 640i, nachdem das Auto mit hoher Geschwindigkeit auf der Tauentzienstraße in Berlin erst abhob und dann in Flammen aufging. BMW preist die bei dieser Fahrzeugserie „markentypische Sportlichkeit“ und nennt als Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Die Liste ließe sich nach Belieben fortsetzen.

Illegale Autorennen, also Rennen, die nicht offiziell auf einer Rennstrecke ausgetragen werden, gelten seit 2017 als Straftat, schon ein Auto genügt dafür. Abschreckend wirkt das offenbar kaum. Im Gegenteil. Laut einer Recherche des Tagesspiegels stieg die Zahl der registrierten illegalen Kfz-Rennen von circa 4.300 im Jahr 2020 kontinuierlich auf mindestens 6.900 im Jahr 2024. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 2025 registrierte die Polizei in Baden-Württemberg noch mal 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 

Raserei hat zahlreiche Opfer. Im Jahr 2024 verunglückten laut Statistischem Bundesamt bei Unfällen durch „nicht angepasste Geschwindigkeit mit gleichzeitigem Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit“ 3.686 Menschen, davon 989 schwer. 200 Menschen kamen ums Leben.

Mai 2022: Die Trümmer eines illegalen Autorennens in Hessen Foto: Marwin Stephan/picture alliance

Raserei beschäftigt die Justiz. Im Jahr 2024 wurden laut Statistischem Bundesamt wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen 989 Menschen verurteilt. 181 davon zu Freiheitsstrafen. Fast alle Verurteilten waren Männer. Sehr viele davon waren sehr jung, was auf ein spezifisches Problem im Verkehr hinweist. Aber ausnahmslos alle saßen am Steuer eines Autos, dem die Hersteller das Image eines Rennwagens verpasst haben.

Speed als Gründungsmythos

Bei AMG ist dieses Image Teil der Gründungsgeschichte. Gestartet wurde die Marke in den 1960er von zwei rennsportbegeisterten Ingenieuren von Daimler-Benz. Schnell lagen ihre aufgemotzten Mercedes bei den Deutschen Tourenwagenmeisterschaften oder beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans vorne. 2005 wurde die Firma zur hundertprozentigen Tochter von DaimlerChrysler. „Motorsport ist das, was uns antreibt“, heißt es noch heute auf der Webseite von Mercedes-AMG.

Bei einigen AMG-Modellen steckt Speed nicht nur im Image, sondern auch in der Technik. Sie verfügen über automatische Fahrprogramme mit den Namen „Race“ oder „Race Start“.

Fahrprogramme sind an sich nichts Verwerfliches. Sie helfen Au­to­fah­re­r:in­nen etwa beim Rückwärtseinparken. Auch Notbremsassistent, Spurverlassenwarner, Geschwindigkeitsassistent und Müdigkeitswarner können helfen, Unfälle zu vermeiden und Leben zu retten, heißt es lobend in einem Bericht der Unfallforschung der Versicherer. In Städten und auf Landstraßen sollten die Systeme aber nur mit größter Vorsicht eingeschaltet werden. Durch „fehlendes Situationsbewusstsein“ der Fah­re­r:in­nen könnten solche Programme „im Vergleich zum manuellen Fahren auch negative Effekte auf die Verkehrssicherheit haben“, mahnt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat.

Theoretisch denkbar wäre, dass über Programme Au­to­fah­re­r:in­nen gezwungen werden, sich an Tempolimits etwa in geschlossenen Ortschaften zu halten. Der Einbau solcher Speed Limits ist seit 2024 europaweit vorgeschrieben. Doch die Autolobby hatte zuvor bei der EU durchgesetzt, dass diese Tempobegrenzung abgeschaltet werden kann, sinnigerweise durch Betätigung des Gaspedals.

Nur für Rennstrecken gedacht?

Die AMG-Fahrprogramme „Race“ und „Race Start“ bewirken das komplette Gegenteil. „Race“ bietet laut Handbuch „maximale Sportlichkeit“, „besonders straffe Fahrwerksabstimmung“ und eine „sportliche Soundausprägung der Abgasanlage“. Es toppt noch andere eingebaute Fahrprogramme wie „Sport“ und „Sport+“, die „nur geeignet für gute Fahrbahnverhältnisse“ sind und eine trockene Fahrbahn und einen übersichtlichen Streckenverlauf voraussetzen. Deshalb, so heißt es weiter im AMG-Manual, dürfe das für ein rennstreckenorientiertes Fahrverhalten vorgesehene „Race“ „im normalen Straßenbetrieb nicht verwendet werden.“ Und noch klarer: „Das Fahrprogramm darf nur auf abgesperrten Rundstrecken, außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs, aktiviert und genutzt werden.“

„Durch die Funktion ‚Race Start‘ wird das Fahrzeug auf maximale Traktion und Beschleunigung abgestimmt, um eine optimale Fahrzeugbeschleunigung aus dem Stand zu ermöglichen“, erklärt Felix Siggemann, Sprecher von Mercedes-AMG auf Anfrage. „Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten“, würden in den Bedienungsanleitungen und über Meldungen im Fahrzeugdisplay die Fahrer „unmissverständlich“ darauf hingewiesen, dass „Race“ und „Race Start“ nicht im Straßenverkehr genutzt werden sollen. Die Programme seien aber vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt und für den Gebrauch auf öffentlichen Straßen zugelassen.

Warum erlaubt das Kraftfahrt-Bundesamt ein Auto auf öffentlichen Straßen mit Rennstreckenfahrprogramm?

Ist so etwas legal? Darf ein Auto mit einem Fahrprogramm für Rennstrecken auf öffentlichen Straßen fahren? Zumal der Hersteller dringend davon abrät? Und wenn ja, warum wurde das vom Kraftfahr-Bundesamt (KBA) genehmigt? Zur Beantwortung dieser Fragen braucht das Amt einen ganzen Monat. Schließlich schreibt der Pressesprecher des KBA: „Das Fahrprogramm ‚Race‘ wurde beschrieben und gemäß der Anforderungen der Typgenehmigungsvorschriften geprüft.“ Die Prüfung sei insbesondere bei der Genehmigung von Geräusch- und Auspuffemissionen relevant. Dafür gebe es EU-Verordnungen.

„Abgesehen von den gesetzlichen Anforderungen an die Fahrprogramme existieren keine weiteren Auflagen seitens der Typgenehmigung.“ Daher sei die Typengenehmigung erteilt worden. Und die Fahrzeuge dürften „somit am Straßenverkehr unter Beachtung der Regelungen der StVO teilnehmen“.

Mordprozess nach tödlichem Raserunfall in Schwaben: Eine Frau stirbt im April 2021. Der Fahrer war rund 200 km/h schnell Foto: Ralph Goppelt/picture alliance

Mit anderen Worten: Der Hersteller baut ein Programm ein, das er selbst für gefährlich hält. Er beschreibt dem Kraftfahr-Bundesamt, wie es funktioniert. Das reicht für die Zulassung. Die Verantwortung wird dem Fahrer überlassen. Er muss sich an die Straßenverkehrsordnung halten. Der Hersteller darf seine Hände in Unschuld waschen.

„Warum dürfen solche Maschinen, mehr Waffen als Beförderungsvehikel, gerne genutzt für immer wieder tödliche Angeberspiele, legal auf den Markt gebracht werden? Butterfly-Messer sind auch verboten, obwohl es ‚Messer‘ sind und niemand am Sinn von Küchenmessern zweifelt“, fragte der Landesverband Rheinland-Pfalz des VCD nach dem tödlichen Unfall in Ludwigsburg.

Gefährdendes Verhalten anregen oder dulden

Doch der Tempowahnsinn ist nicht nur nicht verboten. In der tempolimitfreien Republik gehört er zur Kernaussage der Autowerbung. Dabei ist die Erkenntnis, dass Autoproduzenten mit „Sportlichkeitswerbung“ selbst „relativ sicherheitsbewusste Fahrer zu risikofreudigem, unfallträchtigem Fahren verleiten“ können, nicht neu. Denn genau diesen Satz konnte man unter Berufung auf ein entsprechendes TÜV-Gutachten im Spiegel lesen – im Jahr 1973.

Werbung bedient solche Motive, Gefühle und kann dazu beitragen, dass sich Sicherheitseinstellungen verschlechtern.

Wolfgang Fastenmeier, Verkehrspsychologe

„Wie kaum ein anderes Objekt bietet das Auto die Chance, Individualität und Autonomie nach außen zu vermitteln und daraus soziale Wertschätzung zu erfahren – oder sich dies zumindest einzubilden“, sagte der Verkehrspsycholge Wolfgang Fastenmeier schon 2017. In der Geschwindigkeit könne die Leistungsfähigkeit des Autos am unmittelbarsten erlebt werden, ohne dass darüber reflektiert werde, ob das vorsichtig oder unvorsichtig ist. Werbung „bedient solche Motive, Gefühle und kann dazu beitragen, dass sich Sicherheitseinstellungen verschlechtern“, so Fastenmeier weiter. Wenn sie den meist eh schon impulsiv handelnden jungen Fah­re­r:in­nen vorgaukele, sie würden Leistungs- und gar Extremsport betreiben, könnten sie sich bestätigt sehen in ihrem grenzwertigen Verhalten.

Werbung darf keine die Sicherheit der Verbraucher gefährdenden Verhaltensweisen anregen oder stillschweigend dulden.

Regel des Deutschen Werberates

Heute heißt es in den Grundregeln des Deutschen Werberates, dass Werbung „keine die Sicherheit der Verbraucher gefährdenden Verhaltensweisen anregen oder stillschweigend dulden“ darf. „Damit ist sichergestellt, dass auch Automobilwerbung, die etwa verkehrsgefährdendes oder sicherheitswidriges Verhalten darstellen oder verharmlosen könnte, unter die bestehenden Verhaltensregeln fällt“, betont Sebastian Lambeck vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft.

Doch der Werberat „wird grundsätzlich nur auf Basis von Beschwerden aus der Bevölkerung tätig“, erklärt Lambeck. Und in den letzten Jahren habe es nur sehr vereinzelt Beschwerden zu Automobilwerbung gegeben, in denen das Fahrverhalten oder die Inszenierung als riskant empfunden wurde. In diesen Fällen sei jedoch offensichtlich gewesen, dass es sich „um Stunts oder fiktionale Szenen handelte, die nicht als reales Verhalten im Straßenverkehr missverstanden werden konnten“. In einem anderen Fall habe ein Unternehmen einen Spot nach dem Hinweis des Werberats freiwillig zurückgezogen beziehungsweise angepasst. Eine Rüge wegen Raserwerbung wurde in keinem Fall ausgesprochen.

Dabei ist offenbar selbst den Herstellern die Gefahr der Nachahmung bewusst. Unter dem AMG-Werbespot mit Formel-1-Pilot George Russell wird anfangs extra kurz „Filmed on closed road with professional driver. Do not attempt“ eingeblendet – also: „Auf abgesperrter Straße mit professionellem Fahrer gefilmt. Nicht nachmachen!“ Ähnliches steht unter dem Porsche-Spot mit Dua Lipa.

Darauf weist auch der Mercedes-AMG-Sprecher hin. „Werbung will Emotionen wecken“, schreibt Siggemann. „Im Bereich der Automobilwerbung kann dazu beispielsweise die Darstellung von Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen Ausprägungen gehören.“ Allerdings sei durch Darstellung und Kontext klar, dass in dem Video „in einem betont künstlichen Setting mit ironisch gebrochenen Dialogen eine professionell choreografierte Fahrsequenz von erfahrenen Fahrern in einem abgesperrten Bereich durchgeführt wird“. Außerdem biete Mercedes-AMG „umfangreiche Fahrertrainings an, die unter anderem den sicheren und kontrollierten Einsatz auf Rennstrecken umfassen“.

Doch ist die Nachahmung dadurch tatsächlich ausgeschlossen? Als im AMG-Werbesport der Rennfahrer den Wagen vor Brad Pitt mit qualmenden Reifen vor die Füße geparkt hat, bedankt sich der Schauspieler, steigt ein und rast davon. Wie ein Irrer. Wie der Formel-1-Fahrer. Über die Hotelauffahrt slidend, mit qualmenden Reifen. Nachahmung als Werbebotschaft.

Mai 2024: Ein Mensch tot, drei weitere teils lebensgefährlich verletzt. Ende eines illegalen Autorennens in Berlin-Charlottenburg Foto: Michael Ukas/picture alliance

Bei dem Prozess in Baden-Württemberg gegen die Raser von Ludwigsburg wurde ein Augenzeuge gefragt, wie schnell die Mercedesse schätzungsweise gewesen sind, als sie in den Ford krachten. Seine Antwort: „Man könnte es auch Fliegen nennen.“

Das war eine Mordsbeschleunigung, das kriegen sie nie mit normalen Fahrzeugen hin.

Fatih Zingal, Anwalt der Ne­ben­klä­ge­r:in­nen

Mehrere Zeugen hätten zu solchen Superlativen gegriffen, berichtet Fatih Zingal. Der Rechtsanwalt vertritt im Prozess die Familien der getöteten Frauen als Nebenkläger. Das war „eine Mordsbeschleunigung, das kriegen sie nie mit normalen Fahrzeugen hin.“ Und das werde ein entscheidender Punkt im Gerichtsverfahren.

Autos sind per se eine Gefahr

Schon bei Kleinfahrzeugen gebe es zu Recht eine Gefährderhaftung: Fahrzeughalter haften für Schäden unabhängig davon, ob ein konkretes Verschulden vorliegt, weil der Betrieb eines Autos per se eine Gefahr darstellt. Aber wenn man so ein hochmotorisiertes Auto fahre, sagt Zingal, „muss einem klar sein, dass das noch viel, viel gefährlicher ist“.

Die Schwieberdinger Straße, auf der der Unfall passierte, führt kilometerlang geradeaus. Wie gemacht für eine Rennstrecke. Aber es gebe Einmündungen. Das habe der Hauptangeklagte wissen müssen, sagt der Anwalt. Denn der kenne den Unfallort gut, er wohne in der Nähe. Deshalb könne in diesem Fall der bedingte Tötungsvorsatz angenommen werden, argumentiert Zingal. Folgt ihm das Gericht, kann der Haupttäter tatsächlich wegen Mord verurteilt werden.

Im Laufe des Prozesses werde noch ein Sachverständiger als Zeuge geladen, der den Bordcomputer der Tatfahrzeuge ausgewertet hat. Daran lasse sich zeigen, ob die Fahrer einen Kick-Down-Start gemacht haben. Und ob sie Fahrprogramme dafür genutzt haben.

Die Hingabe und der Nervenkitzel ist es, was Mercedes-AMG ausmacht.

AMG-Werbung

Unter dem Formel-1-Spot präsentiert AMG einen Satz als Zitat von Brad Pitt: „Die Hingabe und der Nervenkitzel ist es, was Mercedes-AMG ausmacht.“ Der Nervenkitzel als Verkaufsargument.

Ende Januar postete Mercedes-AMG ein Minivideo mit Szenen aus dem Formel-1-Spot auf Instagram. Über dem rasenden Neuwagen steht auf Englisch: „Rekordbrechende Aerodynamik. Bald auf der Straße.“ Da soll keine Warnung sein.

Der Angeklagte, der sein eigenes AMG-Video ins Netz gestellt hatte, sagt darin: „Der Mann, der in einen Mercedes einsteigt, muss auf sich selbst aufpassen“. Nur wer passt auf alle andern auf?

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71 Kommentare

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  • Mich stört am Artikel die einheitlich verwendete Form "Raserunfall".



    Seit dem der Gesetzgeber "Raserfälle" in § 315d StGB neu geregelt hat und die Rechtsprechung sogar wegen Mordes verhandelt, verbietet sich eigentlich eine solche Vereinheitlichung.



    Würde man nämlich tatsächlich einen Unfall annehmen, wäre eine Verurteilung sowohl gem. § 211 als auch nach § 315d StGB nicht statthaft, da hier Vorsatz zumindes in Form einer "billigenden Inkaufnahme" Bedingung ist. Ein tatsächlicher Unfall hingegen schließt das aus, da dieser rechtlich "unerwartet" sein und sich ein "verkehrstypisches Schadensrisiko" realisiert muss - also gerade kein Vorsatz vorliegt..



    Man müsste also eigentlich die illegalen Autorennen, die zumeist mit PS-protzenden AMG und wie sie alle heißen Autos verursacht werden, gesondert betrachten und sich dann auch eingestehen, dass die Mehrzahl der tatsächlichen (tödlichen und auf Übertretung der Höchstgeschwindigkeit beruhenden) Unfälle im Straßenverkehr mit ganz profanen "Normalo-Kfz" verursacht werden.

  • Also ich muss schon sagen, dass ich sehr erstaunt bin über die vielen Kommentare hier, die vor allem die Autohersteller in Schutz nehmen. Deutschland, einig Autoland. Wie schade.

  • Ersetzt man Auto durch Waffe, könnte die Diskussion auch aus den USA stammen.

    Eine Seite: Wir wollen schützen.



    Gegenseite: Aber unsere Freiheit!!!

    Und das Ergebnis ist auch das Gleiche. Alles bleibt so, wie es ist. Bis nach dem nächsten Begräbnis die (fruchtlose) Diskussion wieder losgeht.

  • Autos töten nicht nur durch Raserunfälle. Sie töten auch durch Lärm.

    Mediziner können oft allein anhand des Zustands der Herkranzgefäße darauf schließen ob jemand an einer Hauptstrasse mit nächtlichem Verkehrslärm wohnt.

    Nun plant die Autoindustrie Elektroautos mit *künstlichem Lärm* auzustatten.







    www.heise.de/news/...utos-11133613.html







    Offenbar ist der Autoindustrie also die Gesundheit vieler Menschen schlichtweg egal..oder etwas zugespitzt: für den Profit und das geile Image ihrer Boliden geht man hier auch gern mal über Leichen...

  • In der Fahrschule habe ich gelernt, dass der Anhalteweg bei 200 km/h 400 mtr. beträgt... Wenn ich auf freier Autobahn gelegentlich diese Geschwindigkeit gefahren bin, war ich mir dessen bewusst.

  • Es ist genauso, wie im Artikel beschrieben. Seit ich ein sehr schnelles Auto besitze, fahre ich oft um die 200 km/h, einfach weil es damit Spaß macht. Jahrzehnte habe ich einen spießigen Daddy-Passat gefahren und war mit 130 km/h zufrieden. Mit dem neuen Geschoss fühlen sich 130 wie 30 an und ich werde zum Schnellfahren geradezu verführt. Natürlich keine Autorennen und nur auf der Autobahn, wo es erlaubt ist. Aber klassische Bedarfsweckungswirtschaft des Herstellers.

  • Was ich bei vielen Kommentator*innen hier nicht verstehe ist, daß sie sich aufregen, daß ihre Freiheit eingeschränkt würde, obwohl sie sich doch vernünftig verhalten würden. Die möglichen Einschränkungen beträfen aber doch garnicht die vernünftigen Autofahrer, sondern die durchgeknallten Raser. Mich beschleicht hier deshalb leider das Gefühl, daß viele Autofahrer unglaubliche Egoisten sind, denen nur ihre eigene Freiheit wichtig ist.

  • Wenn in Deutschland ein Tempolimit von 120 km/h eingeführt wird, gibt es überhaupt keinen Grund mehr, so schnelle und PS-starke Autos herzustellen. Ah, ich vergaß: Spritschlucker sind das natürlich auch, denn so Karren sind leicht mal 3t schwer.

    Die Kreativität, mit der auch hier im Forum von wirksamen politischen Gegenmaßnahmen abgelenkt wird, erstaunt mich immer wieder. Am originellsten ist die individuelle Schuldzuschreibung à la Waffen töten keine Menschen, nur Menschen töten andere Menschen.

  • Mit der Werbung und den Vorlieben der Kunden ist es immer ein wenig wie Henne und Ei: Schwer zu sagen, was zuerst da war. Werbung funktioniert - vergleichbar der boulevardjournalischen Jagd auf pöse Luxus-Autohersteller - nur wirklich gut, wenn sie Bedürfnisse auf Empfängerseite trifft und dann auf ihr Sujet projeziert. Man muss wohl eingestehen, dass es gezieltes Rasertum schon deutlich vor der Firma AMG und auch deutlich vor dem Aufkommen schnellfahr-orientierer Autowerbung gab.

    Wer sich unbedingt "sportlich" im KfZ bewegen will, tut das nämlich im Zweifel auch mit einem Brot-und-Butter-Vehikel. Die aktuelle Mutter aller Promos für illegale Autorennen "Fast & Furious" brachte antike US-Muscle Cars und hochgezüchtete japanische Mittelklasselimousinen gegeneinander in Stellung. Sicherer ist das auch nicht, weil "normale" Autos bei stark überhöhter Geschindigkeit (für die man ja beim hier thematisierten innerstädtischen Irrsinn keine 500 PS braucht) noch schneller unbeherrschbar werden.

    Das Problem ist bei den getunten Hightech-Kisten von AMG & Co. ist aus meiner Sicht auch weniger die Werbung als die Rabatte, mit denen die Händler die Karren vor allem jungen Fahrern unterjubeln.

  • Jaja ich wieder. Wenn ich wieder einen Kommentar schreibe werden sogar Autohasser PS-Narren verteidigen.

    Soll ich erstmal ganz sanft anfangen?



    Wenn Freiheit ein so wichtiges Argument ist, warum meckert keiner herum, dass viele Serienfahrzeuge bei 250km/h abgeriegelt sind? Wenn schon Autofahrer (lobbyieren), dann bitte als wahrer Schotte.

  • Ich verstehe gar nicht, warum das Thema noch in der Breite diskutiert wird. Illegales Autorennen, ob mit Smart oder AMG, Fahrerlaubnis weg auf Lebenszeit. Mit Personenschaden min. 5 Jahre Bau. Und, ja, auch die Herstellung dieser Karren gehört eingeschränkt! Aber hier ist es wie mit den Knarren. Nur die Produzenten in die Haftung zu nehmen greift wieder mal zu kurz. Wer ist gefahren? Wer saß daneben? Der Produzent? Zu behaupten, daß alle Idioten keinen Schaden mehr anrichten (können), wenn es diese speziellen Instrumente nicht gäbe, halte ich für einen Trugschluss. Dann denken die sich was anderes aus.

  • Guter Artikel.



    Es hätte vielleicht nur noch deutlicher darauf hingewiesen werden können, dass durch eine bessere Politik die die Menschen schützt und nicht die Autohersteller viele dieser Toten noch leben könnten. So z.B. dass die Geschwindigkeitskontrollen durch einen Tritt aufs Gaspedal ausgeschaltet werden können. Wäre das nicht möglich und generell Tempo 30 in der Stadt würde ich mich als Fahrradfahrer hier in Berlin deutlich sicherer fühlen.



    Oder halt auch endlich diese unsägliche Werbung zu verbieten. Bei Zigaretten ging das doch auch.



    Und warum beliebte Raserstrecken nicht einfach baulich verändern um das Rasen zu verhindern? Da gibt es in Berlin auch so einige Straßen wo das nötig wäre.



    Usw, usw...



    Aber das wird nicht passieren solange wir eine "Autonation" sind. Dann halt lieber ca 3000 Verkehrstote jedes Jahr.

  • Es wäre ein Leichtes für die Automobilindustrie, ihre Wahen so mit GPS zu verbinden, dass diese Geschwindigkeiten innerorts technisch nicht mehr möglich sind.

    Dafür braucht es aber im Autoland Deutschland wohl weiterhin Autobahnen ohne Tempolimit, damit die Hersteller den Kindsköpfen ebenso wie den ausgemachten potentiellen Mördern sagen können; "schaut, da dürft ihr doch, nicht hier!"

    Auf einem anderen Blatt steht doch, wieviel der Autobahnkilometer wir tatsächlich dann ohne Geschwindigkeitsbegrenzung per Schild belassen. Ich bin da eher für viele Schilder, wenn darauf 130 steht und nicht 100, was den Verkehrsfluss wirklich eher stört.

    • @hedele:

      Vorweg: Ein "Leichtes" wäre es nicht, die Fahrzeuge softwaretechnisch so auszustatten, dass das Fahrzeug jede Geschwindigkeitsbegrenzung erkennt und automatisch anpasst. Da ist man dann schon im Bereich autonomes Fahren und die (noch) bestehenden Probleme kann man googeln.

      Vor allem aber spricht nach derzeitiger Gesetzeslage dagegen, dass der Kunde das Auto kauft, somit Eigentum erwirbt und sich der Hersteller dementsprechend aus der Nutzung herauszuhalten hat. Er hat schlichtweg kein bestehendes Recht, das er geltend machen könnte, um in das Fahrverhalten einzugreifen. Auch die generelle Tempodrosselung (zumeist 250 km/h) kann der Eigentümer ganz legal entfernen (lassen) - er muss das nur seiner Versicherung mitteilen.

    • @hedele:

      Ich nehme an, sie haben kein Auto mit Erkennung und sich noch nicht lot diesem leichten Thema beschäftigt.

      Der Vorschlag kämpft vermutlich mit dem Problem wie das autonome fahren:

      -Wenn die Technik übernimmt, wer haftet für Fehler der Technik?

      -Wenn es einen blöden Fehler gibt, und das Auto daher „mindestens“ und nicht maximal fährt?

      -Wie sieht’s aus, wenn die Sperre des Tempolimits warum auch immer nicht funktioniert?

      -Und wie stellt man sicher, dass die aktuellen Daten auch wirklich im auf landen? ( wir haben mit unserem Auto und der Erkennung von Schildern auf der Autobahn das Problem, dass er die Schilder auf der auffahrtspur erkennt und abbremsen will )

      Solange das nicht geklärt ist, wird sich nichts tun.

    • @hedele:

      So leicht ist das technisch nicht. Mein Auto zeigt da oft fehlerhafte Werte an. Sowohl was die Schildererkennung angeht als auch die gespeicherten Daten. In beide Richtungen, mal zeigt es zu hohe, mal zu niedrige Tempolimits. Leider bringt es bei einem solchen drastischen Eingriff nichts, wenn das System in 95% der Fälle zuverlässig ist. Wenn das Auto auf einer Autobahn auf 30kmh runter bremst, da es meint, eine 30er Zone erreicht zu haben, ist das für alle gefährlich.

    • @hedele:

      Alles was technisch geregelt wird, kann umgangen werden.



      Schon heute haben viele getunte Autos einen Klappenauspuff, da können sie mittels App auf dem Handy oder einem geheim verbauten Schalter im Fahrzeug ihren Auspuff ansteuern und ganz massiv dessen Lautstärke bzw das Röhren regulieren...🤷



      Kiffer ließen sich Jahrzehnte durch Verbote nicht vom Kiffen abhalten, warum sollten sich Raser durch Verbote oder technische Sperren vom Rasen abhalten lassen?



      Was helfen würde wäre eine deutliche Ausweitung der Videoübewachung. Warum steht nicht alle 500 Meter ein Blitzer?



      Warum nicht auf jeder Kreuzung einer?



      Biometrische Daten und Gesichtserkennung sind längst soweit - und dann großzügig Führerscheinentzüge und Gefängnisstrafen bis hin zu Sicherungsverwahrung im Extremfall verteilen.



      Dann kriegen wir sie alle, die Raser gleichermaßen wie die Rotlichtradler und -fußgänger.



      Das wäre konsequent und gleiche Rechtsverfolgung für alle.

  • Leider berücksichtigt der Artikel nicht die Verantwortung und Intelligenz der "jungen Männer", die am Steuer sitzen, ihren Fuß auf dem Gaspedal haben und jede Sekunde neu entscheiden ob sie das Leben anderer Menschen riskieren.

    Ab 18 sind die Menschen voll strafmündig. Sie sind alt genug, um für ihr Handeln selbst die Verantwortung zu tragen. Sie müssen eigenständig die Folgen ihres Handelns überblicken und das Unrecht von Straftaten erkennen.

    Hat man ihnen das nicht beigebracht? Hat man ihnen nicht auch beigebracht Manipulationen und Konditionierungen jeglicher Art durch Marketing, Ideologien, Religionen, Peer Groups, Einstellungen, Verhaltensweisen und psychologische Glaubenssätze reflektiert und kritisch zu hinterfragen?

    Wer hat ihnen stattdessen beigebracht, der Tritt auf das Gaspedal sei "männlich"?

    Selbstverantwortung ist das Gegenteil der Opferrolle. Nur mit dem Unterschied, dass bei diesen mörderischen Rasereien vorwiegend andere Menschen die Opfer sind.

    "Selbständig entscheiden, für seine Handlungen einstehen".

    www.bpb.de/kurz-kn...1/volljaehrigkeit/

    • Gereon Asmuth , Autor des Artikels, Ressortleiter taz-Regie

      @shantivanille:

      Men Text nennt dieses Problem, aber nur am Rande, weil es hier eben um die Verantwortung der Autoindustrie geht. Die hätte sie auch, wenn alle Unfallfahrer:innen besonders als wären. Oder Frauen. Dass sie das nicht sind, hatte ich hier schon geschrieben: taz.de/Verursacher...nfaellen/!6138783/

      • @Gereon Asmuth:

        Nur darf man schon fragen, ob diese Verantwortung nicht auch gegen die Eigenverantwortung der Benutzer abgewogen werden muss. Natürlich ist man - gerade in der grünen Ecke des politischen Spektrums - immer schnell mit der Logik dabei, Fehlverhalten von Individuen sei am besten durch generelle Einschränkung der vorhandenen Entfaltungsmöglichkeiten auf das politisch Erwünschte zu begegnen. Aber das ist eben nicht die EINZIGE denkbare Sichtweise.

        Mir fiel das vor allem auf, als Sie sich so ausladend an der KBA-Zulassung der "Race"-Programme abarbeiteten: Ja, dieses Feature darf man nur auf Rennstrecken einsetzen. Aber das schließt doch nicht aus, dass man mit einem Auto, das so ein Feature hat, sicher normale Straßen benutzt! Es kommt eben - wie z. B. auch beim Feature "Gaspedal" - auf die angepasste Fahrweise an. Wer sich die zu Herzen nimmt, fährt im Straßenverkehr keine Rennen, lässt das "Race"-Setting unberührt, braucht auch keinen Kavalierstart an der Ampel, hält sich an Höchstgeschwindigkeiten etc.. Was in einem Auto wirklich generell unzulässig sein MUSS, sind Dinge, deren Verwendung in KEINER für das Fahrzeug realistisch denkbaren Fahrsituation erlaubt ist.

        • @Normalo:

          Schön wärs, wenn sich alle Autofahrer so verhalten würden, wie Sie es schildern. Mir sind die von Ihnen genannten "Fehlverhalten" mit Toten und Schwerverletzten aber zu hoch, um so wie Sie nur an eine vernünftige Fahrweise zu appelieren. Und die zumindestens Mitschuld der Autoindustrie (und auch der eingeknickten Politik) an diesen wahnsinnigen Fahrweisen, hat Herr Asmuth doch deutlich herausgearbeitet. Hier ein Beispiel aus seinem Text: "Theoretisch denkbar wäre, dass über Programme Au­to­fah­re­r:in­nen gezwungen werden, sich an Tempolimits etwa in geschlossenen Ortschaften zu halten. Der Einbau solcher Speed Limits ist seit 2024 europaweit vorgeschrieben. Doch die Autolobby hatte zuvor bei der EU durchgesetzt, dass diese Tempobegrenzung abgeschaltet werden kann, sinnigerweise durch Betätigung des Gaspedals."

        • @Normalo:

          Verstehe ich Sie richtig, dass wir hier das deutsche Äquivalent zur Good People With Guns / Bad People With Guns haben?



          Natürlicherweise hinkt der Vergleich an der Stelle, dass Guns spezifisch zum Töten hergestellt werden, das gläubige ADAC...äh...NRA Mitglied würde hier aber von "Schutz" sprechen.

  • Die Dummheit und rücksichtlose Verantwortungslosigkeit der Fahrer kann kein Argument sein die Hersteller zu beschuldigen. Abgesehen davon hat heute fast jedes Mittelklassefahrzeug mehr als 200PS und erreicht 250km/h. Wofür gibt es den Totschlag (§ 212 StGB)? Bitte anwenden.

    • @Nachtsonne:

      "Abgesehen davon hat heute fast jedes Mittelklassefahrzeug mehr als 200PS und erreicht 250km/h."

      Problem schon erfasst. Nur noch nicht richtig zugeordnet...

    • @Nachtsonne:

      1980 hatte ein Ferrari 308 GTSi eine Leistung von 157kw/=214PS und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 240km/h (ferrari.com). Ähnlich sah es beim Porsche 911 aus, beide galten damals als ausgesprochene Sportautos.

      Heute gähnt mancher Fahranfänger gelangweilt ob solcher Daten. Und der eine oder andere Handlungsreisende meint, er könne seinen Beruf garnicht ausüben, wenn sein Passat nicht 270PS unter der Haube hat.

    • @Nachtsonne:

      Gutes Argument: also auch die ganzen "Mittelklasse"wagen abrüsten.



      Wenn hoffentlich endlich das Tempolimit auf der Autobahn kommt merken die ganzen Deppen in ihren 200+ PS Mordwaffen vielleicht endlich wie peinlich sie sind.

  • Naja, ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen wurde von vorangegangenen Verkehrsministern ja mit den bekannten Schwachsinnsargumenten abgelehnt:



    - die Zahl der Toten auf deutschen Autobahnen ist gering (Ramsauer);



    - die Durchschnittsgeschwindigkeit ist ja schon sehr niedrig (Mathe scheinbar too hard) (Schnieder, Scheuer und weitere);



    - wir haben nicht genug Schilder (Wissing);



    Und meine favourites von dem Verkehrsminister, der das geschafft hat, was viele für unmöglich hielten, nämlich noch beschissener als Dobrindt zu sein:



    - Gängelung;



    - gegen jeden Menschenverstand;



    etc.

    Zudem die Strafen selbst für massive Tempovergehen (ohne Todesfolge) in Deutschland vollkommen lächerlich sind.

    Als in München jemand, der schon vorher durch Tempovergehen aufgefallen ist, mit > 150 km/h durch einen Tunnel fuhr in dem 50 km/h erlaubt war, wurde über das Strafmaß diskutiert. Ein österreichischer Kollege, der gerade zu Besuch war, meinte nur, dass so jemand in Österreich lebenslanges Fahrverbot bekommt... Mittlerweile wird meine ich auch das Fahrzeug eingezogen...

    • @Holger Kaempf:

      Das mit dem Tempolimit auf Autobahnen hat seine Richtigkeit und viele Strecken sind eh schon limitiert.



      In Ludwigsburg wurde Tempo 50 ignoriert und das jetzt dort geltende Tempo 40 wäre von den Todesrasern sicher genauso ignoriert worden wie jedes andere Tempolimit auch.



      Morde lassen sich in keiner Gesellschaft verhindern, aber dafür gibt es Strafgesetze. Im Vorfeld solche Typen wortwörtlich 'aus dem Verkehr' ziehen geht ja auch nicht. Und Fahrzeuge zum innerorts Rasen finden sich immer.

    • @Holger Kaempf:

      In Italien kann es bis zur Beschlagnahmung und Zwangsversteigerung des Fahrzeugs gehen.

    • @Holger Kaempf:

      Sehr schön und jetzt erklären Sie mir noch bitte, was rasen in der Stadt mit Tempolimit auf der Autobahn zu tun hat?

      Fahren Sie mal in Italien Motorrad ohne Helm, bye bye Motorrad, oder Ski, bye bye Pistenkarte, plus Strafe. Und dort wird diskutiert, das Fahrradfahren ohne Helm auch unter Strafe zu stellen.....

    • @Holger Kaempf:

      schöne Auflistung.



      Es fehlt jedoch ein Klassiker: " Am 29. Oktober 1983 verursachte Wiesheu auf der Autobahn München–Nürnberg mit seinem Wagen unter Alkoholeinfluss -1,99 Promille! - einen Verkehrsunfall, bei dem ein anderer Verkehrsteilnehmer in seinem Auto getötet und dessen Begleiter schwer verletzt wurde. (Wikipedia). - Wiesheu wurde danach Verkehrsminister.

  • Au­to­fah­re­r:in­nen sind Mörder:innen.

    wie billig ist denn das?



    Veröffentlicht Ihr auch :



    Journalist:in­nen sind Lügner:innen?

    In beiden Aussagen steckt ein bisschen Wahrheit, aber eben nur ein bisschen.



    Die allermeisten Journalist:innen sind eben keine Lügner, genauswenig wie die allermeisten Autofahrer:innen keine Mörder sind.

    Sorry, aber von Euch Zeitung erwarte ich mehr.

    • @Donni:

      Verstehe den Einwand nicht.



      Autofahrer:innen sind Mörder:innen, wenn sie ihr Fahrzeug als Waffe missbrauchen. Das geht doch aus dem Artikel eindeutig hervor und ist von den Gerichten mitlerweile als gefestigte Rechtsprechung anerkannt...

      Wer einen anderen Menschen mit einem Hammer erschlägt ist doch auch ein Mörder, ohne dass damit unzählige Handwerker diskreditiert werden, die Tag für Tag mit ihrem Werkzeug einen guten Job machen.

    • @Donni:

      Vielleicht sollten Sie erst mal richtig lesen lernen, bevor Sie von der Zeitung "mehr" erwarten...

  • Beim Lesen des Artikels bekomme ich dezent Zahnschmerzen. Denn er bestätigt zwar einerseits den Zusammenhang von hochmotorisierten Fahrzeugen und Raserunfällen. Andererseits ist auch eine enorme Spur Missgunst heraus zu lesen. Ja, es gibt teure und schnelle Autos. Die Sinnhaftigkeit in Frage zu stellen, sollte allerdings rein philosophisch erfolgen. Denn es gibt viele Dinge auf der Welt, die eigentlich niemand notwendigerweise benötigt.

    Schaut man einmal nüchtern auf die Unfall- und damit auf die Todesstatistik im Verkehrswesen, dann ergibt sich ein differenziertes Bild. Senioren verursachen weitaus häufiger Unfälle als junge Personen. Und die meisten Todesursachen gibt es beim Abbiegen oder Fahren unter Alkoholeinfluss. Die meisten Unfälle mit Todesfolge gibt es übrigens auf Landstraßen; hier meist in Kombination mit Bäumen oder Gegenverkehr.



    Raserunfälle sind Aufregernachrichten. Statistische Relevanz besitzen sie jedoch keine.

    • @Mopsfidel:

      Sie haben da eine Statistik nicht ganz korrekt wiedergegeben. Ältere Personen (65+) sind, wenn sie in Unfälle verwickelt sind, häufiger (70%) schuld, als junge Fahrer (54%). Allerdings sind Senioren insgesamt vergleichsweise selten in Unfälle verwickelt, als junge Fahrer

      www.destatis.de/DE...24_N058_46241.html

    • @Mopsfidel:

      Wenn Sie solche Bemerkung loslassen, wenn es um Tote durch einen terroristischen Anschlag geht, können Sie sich aber auf was gefasst machen! Warum sollen Opfer eines dermaßen überflüssigen Auto"unfalles" weniger Beachtung finden?

    • @Mopsfidel:

      Zahnschmerzen kriege ich jetzt nicht, eher dezente Kopfschmerzen - wenn jemandem nix anderes einfällt als zu solch einem Artikel die Missgunst-Karte zu ziehen...



      - Bestimmt würde der Autor ja gerne mitmachen, hat aber das falsche Auto...



      Geht's noch? Ich stimme Herrn Asmuth vollumfänglich zu. In einem halbwegs zivilisierten Staat sollte es möglich sein solches Handeln wie oben beschrieben wurde von vornherein technisch einzuschränken.



      Und wenn all die Hersteller mit Sternen, Ringen und "Nieren" im Wappen meinen dergleichen nicht berücksichtigen zu müssen sollten sie auch gern einen Teil des finanziellen Schadens tragen, den ihre kranken Kunden an Mitmenschen und der Gesellschaft allgemein anrichten...



      Der Götze Automobil - meine Güte, was für eine Weltsicht...

    • Gereon Asmuth , Autor des Artikels, Ressortleiter taz-Regie

      @Mopsfidel:

      Würden Sie auch den Opfern erzählen, dass Raserunfälle keine statistische Relevanz haben? Und: Nein, ältere Fahrer:innen verursachen proportional deutlich weniger Unfälle als junge (siehe hier: taz.de/Verursacher...nfaellen/!6138783/ )

      • @Gereon Asmuth:

        Nicht angepasste Geschwindigkeiten gibt es unabhängig von der Marke und vom Fahrzeugtyp. Und statistisch sind innerhalb der Pkw-Kategorien Kleinwagen und Kompaktklasse am häufigsten beteiligt.

      • @Gereon Asmuth:

        Doch Herr Asmuth, die Studie, auf die Sie sich beziehen -auch im zitierten Artikel- bescheinigt genau das. Danach sind ältere Menschen zwar in weniger Unfälle verwickelt -auch aufgrund geringerer Fahrkilometer- aber wenn, dann sind sie überdurchschnittlich häufig die Verursacher.

        "Waren ältere Menschen als Autofahrerinnen oder -fahrer in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt, so wurden sie in mehr als zwei Drittel der Fälle (68,4 %) hauptsächlich dafür verantwortlich gemacht. Bei den 18- bis 24-jährigen unfallbeteiligten Autofahrerinnen und -fahrern wurde knapp zwei Dritteln die Hauptschuld am Unfall zugewiesen (65,9 %). In der Altersgruppe der 25- bis 64- Jährigen war der Anteil Hauptverursacherinnen und -verursacher mit 52,3 % deutlich geringer."

        www.destatis.de/DE...25_N070_46241.html

        Das soll das Thema dieses Artikels hier keinesfalls relativieren. Aber man sollte sich aus Statistiken nicht nur das herauspicken, was einem gerade nützlich erscheint.

      • @Gereon Asmuth:

        Das stimmt leider so nicht, ältere Fahrer sind zwar weniger in Unfälle verwickelt, aber wenn, sind sie fast immer schuld.

    • @Mopsfidel:

      Es ist aber ein unterschied ob ich auf der Landstraße gegen einen Baum fahre weil ich nicht aufpasse oder wenn ich wissentlich mit Vollgas durch eine Innenstadt fahre weil ich ein Arschloch bin.



      Im ersten Fall schade ich mir und dem Baum im zweiten töte ich jemanden nur im Spaß zu haben.

      • @Jesus:

        Der Baum auf der Landstraße kann auch ein Radfahrer sein.

    • @Mopsfidel:

      Aus dem Artikel "Missgunst" herauszulesen, schaffe ich trotz aller Bemühungen nicht.



      Aus Ihrem Kommentar totale Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern herauszulesen, fällt mir umso leichter.



      Für die Angehörigen sind zwei Todesopfer vermutlich äußerst relevant.



      Wie hoch ist die statistische Relevanz Ihrer Zahnschmerzen?

  • Der Artikel impliziert, dass die Autohersteller verantwortlich für die tödlichen Raserunfälle sind. Die logische Weiterführung ist allerdings, dass somit alle Menschen so dumm sind, dass sie flächendeckend vor sich selbst und anderen geschützt werden müssen und definitiv nicht in der Lage sind, selbstständig zu denken, Verbote und Rechte zu verstehen, oder eigene Entscheidungen zu treffen.



    Wenn das zutrifft, dann ist das das Ende jeglicher Demokratie. Außerdem drängt sich die Frage auf, wer eigentlich bestimmen darf, was richtig und falsch ist…



    Bitte nicht falsch verstehen: ich finde keinerlei Rechtfertigung für Raser und illegale Rennen - im Gegenteil, ich finde die Strafen sind zu gering. Aber das Absprechen von Verantwortung wo sie hingehört halte ich für gefährlich!

    • Gereon Asmuth , Autor des Artikels, Ressortleiter taz-Regie

      @Heideblüte:

      Nein, die Hauptschuld an den Unfällen tragen die Fahrer:innen. Das stelle ich auch gar nicht infrage. Aber es geht hier darum, welche Mitverantwortung der Autohersteller haben, die ihre Produkte ganz klar als Rennfahrzeuge vermarkten, die die Regeln des allgemeinen Verkehrs sprengen.

      • @Gereon Asmuth:

        Die Hersteller weisen in ihren Betriebsanleitungen seitenweise auf die besondere Betriebsgefahr und Verantwortung des Fahrers hin.



        Solche Autos gibt es, weil sie technisch faszinieren, Fahrdynamik und die damit verbundenen Emotionen erlebbar machen.



        Als Industrie macht es Sinn das Marktpotential zu heben, das Geschäft nicht zu machen nur weil manche solche Autos nicht gut finden wäre keine gute Idee m, wenn man erfolgreich sein Unternehmen führen will.

    • @Heideblüte:

      Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Wozu stellt man ein Auto her, dass derart schnell beschleunigt und derart hohe Geschwindigkeiten erreichen kann, dass bei unsachgemäßer Bedienung, mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit Menschenleben ausgelöscht werden?Wieso darf mit Werbung an die Minderwertigkeitskomplexe, nennen wir es Emotionen, unreifer Testosteron-Junkies appelliert werden, solch eine Karre auszufahren? Es ist das Verkaufsargument der Hersteller! Die Eindämmung dieses psychologischen Problems auf das Ende der Demokratie zu reuzieren, halte ich für unpassend. Um welche Freiheit geht es hier eigentlich? Dann kann ich auch wieder Tabak- und Alkoholwerbung zulassen und muss auch die Regeln für den Waffenbesitz lockern. Und wozu überhaupt noch irgenwo ein Tempolimit? Die Verantwortung liegt beim Individuum.

  • "Butterfly-Messer sind auch verboten, obwohl es ‚Messer‘ sind und niemand am Sinn von Küchenmessern zweifelt“"



    Immer wieder schön wenn ein Argument gleich seinen eigenen Konter mitliefert - ja, Butterfly-Messer sind verboten und Küchenmesser stellt keiner in Frage. Und? Hilft das? Der Polizistenmord in Mannheim sagt nein.



    taz.de/Mannheimer-...rattacke/!6110414/



    Natürlich werden Sportwagen präferiert für illegale Autorennen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass ich mit jedem Familienauto mit 150 durch die Innenstadt rasen kann. Dafür brauchts keine 500 PS, dafür reichen die standardmäßigen PS locker🤷



    Das sich Raser von höheren Strafen nicht abhalten lassen darf auch niemand wundern. In Ländern mit der Todesstrafe sind Mordraten auch nicht geringer als hier.



    Das Raser so rücksichtslos agieren sagt vor allem etwas über die Verrohung der Gesellschaft aus.



    Tempolimits und Sportwagenverbote bringen da nichts. Es gibt eine weltweite Tuningszene - schon vor 30 Jahren, zu meiner Jugend, gab es hochgezüchtete Kleinwagen die 250 Spitze liefen...🤷



    Wer rasen will wird rasen. Man muss an die Eigenverantwortlichkeit ran. Awareness statt Verbot.

    • @Antje1971:

      Ja, Ihr Argument erinnert an den Vergleich zwischen Messern und Schusswaffen: Mit einem Messer kann ich auch einen Menschen töten, aber eine Schusswaffe kann weit mehr Schaden anrichten und die Hemmschwelle zum Gebrauch ist einfach niedriger, weil ich aus der Entfernung töten kann. Ähnliches gilt für extrem PS-starke Autos: mehr Power, bessere Beschleunigung und die Lust-Steigerung beim Rasen, dazu wirkt auch die Werbung anregend.

    • @Antje1971:

      Die Beschleunigung spiel auch eine große Rolle...

    • @Antje1971:

      Bei den Autos ließe sich aber rein technisch eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung einrichten.



      .



      Und das Verbot von Butterfly-Messern, die starke Regulierung von Handfeuerwaffen und ähnliches verhindern vll. nicht jeden Todesfall und jeden Anschlag, machen diese aber schwerer.



      .



      Klar kann mann auch eine Waffe mit dem 3D Drucker basteln oder eine auf dem Schwarzmarkt besorgen. Ist das etwa ein Argument gegen strenge Waffengesetzte?



      .



      Mit dem Autotuning ist es recht einfach. Ist dieses nicht erlaubt, kommt die Karre einfach nicht durch den nächste Hauptuntersuchung. Das wäre dann ein verdammt teures Hobby. Und natürlich kann es dann auch bei jeder Verkehrskontrolle direkt die Zulassung verlieren, wenn das Frisieren zu offensichtlich ist.



      .



      Höhere Strafen bringen tatsächlich wenig, das ist nichts Neues. Aber bei Verkehr gibt es eine Menge Möglichkeiten für die Überwachung, ohne Personalengpässe bei der Polizei zu verursachen.

  • Greift hier eigentlich nicht die Produkthaftung? Und warum können die Werbefritzen nicht belangt werden? Können deren Aussagen nicht als Aufforderung zu Straftaten gesehen werden?

    • @Josef 123:

      Wie kommen Sie auf den Weg?

      „ Die Produkthaftung verpflichtet Hersteller zum Schadensersatz, wenn ein fehlerhaftes Produkt Personen- oder Sachschäden verursacht. Sie ist in Deutschland primär im Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) geregelt und tritt unabhängig von Verträgen oder Verschulden (verschuldensunabhängige Gefährdungshaftung) in Kraft. Das Gesetz schützt Verbraucher vor Schäden durch fehlerhafte Produkte, die nicht die berechtigte Sicherheit bieten. “

      Also wenn der Reifen abfliegt vielleicht. Nicht aber wenn jemand das Produkt falsch Nutz. Ansonsten könnte man als Opfer einer messerstecherei den messerhersteller verklagen.

    • @Josef 123:

      Die Antwort lautet jeweils "nein".

  • Schnell fahren geht mit (fast) allen PKW. Mein alter Honda Accord (Standardmotor mit 136 PS, nicht der Type-R mit 212 PS) fuhr schon laut Fahrzeugschein 210 km/h, mein Toyota Auris Hybrid Kombi mit der gleichen theoretischen Leistung wird bei 180 km/h abgeregelt, da ansonsten die Elektromotoren im Hybridantrieb zu schnell drehen würden. Dafür ist hier die Beschleunigung dank des höheren Drehmoments bei den Elektromotoren noch höher. Und das sind zwei Familienkutschen, wie sie im Buche stehen. Wie hoch ist eigentlich der Anteil der Neufahrzeuge, die noch weniger als 100 PS bzw. 73,5 kW haben?



    Allerdings merkt man in neuen Fahrzeugen die Geschwindigkeit auch weniger als früher, da die Autos komfortabler und viel leiser geworden sind. Meine Autos aus dem letzten Jahrhundert konnte ich nach Gehör fahren und konnte die Geschwindigkeit fast auf einen km/h genau abschätzen, jetzt muss ich das vom Tacho ablesen, zumal dank Servolenkung sich die Lenkkräfte nicht mehr bemerkbar machen und Fahrwerk/Federung viel mehr wegbügeln. Manchmal hat Komfort auch seine (Sicherheits-) nachteile. Man kann sich aber auch mit neuen Autos an die Verkehrsregeln halten, man muss nur den Kopf benutzen.

  • Man kann auch mit einem schwach motorisierten Kleinwagen ein Rennen fahren - eine Mitschuld der Autoindustrie sehe ich dabei nicht. Es sind unverantwortliche Idioten, die durch die Städte brettern, anstatt auf dem Nürburgring nur die eigenen Knochen zu riskieren.

    • @FraMa:

      Man kann auch mit Dreirädern rennen fahren.

      Aber die Rennen werden dann doch lieber mit hochmotorisierten Autos gefahren. Und die Industrie wirbt damit, wie schnell die Autos fahren und wie schnell sie beschleunigen. Und natürlich hat sie dann auch eine Mitverantwortung, wenn Fahrer diese Eigenschaften nutzen.

    • @FraMa:

      Ich kann auch mit meiner Ente mit 100 durchs Dorf preschen. Ist aber albern.



      Es geht nicht um die Möglichkeit sondern darum, dass diese Autos beworben werden als Rennwagen und dann auch so genutzt werden.



      Es bringt auch niemanden zurück ins Leben wenn die Fahrer lebenslang ins Gefängnis gehen. Es braucht eine politische - ethisch-moralische - Debatte und Steuerung.

  • "Mit der Verordnung (EU) 2021/821 (EU-Dual-Use-VO) hat die EU für alle EU-Mitgliedstaaten gemeinsame Genehmigungspflichten und Verfahrenweisen bei der Ausfuhr, der Vermittlung, der technischen Unterstützung, der Durchfuhr und der Verbringung von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck festgelegt."



    Im vorliegenden Fall wäre dies wohl ein Fahrzeug, das sowohl für den Straßenverkehr und als auch für Straßenrennen geeignet ist.



    "Zuständige Behörde für die Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen in der Bundesrepublik Deutschland ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Dieses erteilt auch Auskünfte zur Güterliste und Nullbescheide."



    Ich könnte mir vorstellen, dass z.B. die Zulassungsstelle nach einem geeigneten Prüfprotokoll (z.B. unter Verwendung der Punkte in Flensburg) Zulassungsgenehmigungen oder Nullbescheide je nach Eignung des Fahrzeughalters erteilt.



    Die Listung der Fahrzeuge, die dieser Prozedur unterliegen, könnte analog zur Listung gefährlicher Hunde erfolgen.



    Ich weiß auch, dass man damit nicht alle Spinner von den Straßen kriegt, aber es wäre immerhin ein geeigneter Versuch des Staates, seiner Fürsorgepflicht der Bevölkerung gegenüber nachzukommen.

  • Tempolimits 120km/h auf Autobahnen, PS-Deckelung pro kg, Black-Box im Auto, Fahzeughalter-Haftung bei Nicht-Ermittelbarkeit des Fahrers und einkommensabhängige Bußgelder.



    Das wären mal Anfänge.

    • @Jeff:

      Der Unfall in Ludwigsburg ereignete sich auf einer innerörtlichen tempobeschränkten Straße.

    • @Jeff:

      Und, den Raser interessiert das Tempolimit?

    • @Jeff:

      Genau.

  • Es könnte ja so einfach sein:



    Autos nur zulassen, wenn Geschwindigkeit, Beschleunigung, Leistung, Leistungsgewicht gewisse zivile Höchstwerte nicht überschreiten. Punkt.



    Schon zugelassene Autos müssen entsprechend auf Herstellerkosten nachgerüstet, also gedrosselt werden.

    Aber Deutschland liebt seine jugendlichen Raser viel mehr als das Leben unserer Kinder.

    • @Dr Regina:

      Ein Bekannter von mir verkaufte im Internet seinen gebrauchten Audi. Kein Rennwagen zwar aber dennoch überdurchschnittlich PS-stark. Zur Abholung kam ein Führerscheinneuling, so viel wurde verraten.



      Vati, der das Gefährt finanzierte, war mit dabei und bass erstaunt darüber welchen "Boliden" sich sein Filius da ausgesucht hatte... Aber Bedenken? Nicht die Bohne.



      - Meiner doch nicht...

  • Lebenslanges Verknasten dieser Leute wird das Problem des irren Rasens in der Stadt nicht beheben, aber dieses Land wenigstens davor schützen, dass sie nochmal Leute ermorden.

    • @Kaboom:

      Sicherungsverwahrung ist eine Idee. Warum nicht. Niedere Beweggründe dürften leicht zu finden sein, wenn wie in Berlin damals, 6 rote Ampeln überfahren wurden, bevor es mit 160 km/h zur tödlichen Kollision mit dem Senior kam, der grün hatte.

  • Hierzu einen gesellschaftsfähigen Kommentar zu finden ist gar nicht so einfach, besonders dann nicht, wenn man selbst unter Rasern zu leiden hat.

    • @Erfahrungssammler:

      Ja. Die meisten Pro Autoraser Kommenare hier haben das Niveau und die gleichen Argumente wie die Waffenfetischisten in den USA.



      Viel Whataboutism und EigenverantworungsBS.