piwik no script img

Sturmtief Elli in DeutschlandDie Bahn stellt Fernverkehr in Norddeutschland ein

Viel Schnee, glatte Straßen und Zugausfälle: „Elli“ trifft weite Teile Deutschlands. In Norddeutschland fällt die Bahn vorerst aus.

In Norddeutschland fährt bis mindestens mittags nichts mehr. „Elli“ ist schuld Foto: Moritz Frankenberg/dpa

dpa/taz | Wintersturm „Elli“ bringt Deutschland Eiseskälte, Glätte und so viel Schnee wie lange nicht. An vielen Stellen kann es extrem rutschig werden. Für weite Teile Norddeutschlands gelten Unwetterwarnungen, viele Schulen bleiben dicht. Erste Auswirkungen des Sturmtiefs sind schon zu spüren. Ein Überblick:

Unfälle und Autobahn-Sperrungen

Autofahren kann bei diesen Wetterverhältnissen hochgefährlich sein, der DWD warnt vielerorts vor spiegelglatten Straßen.

Bundesweit ereigneten sich viele Unfälle. Bei Reisbach in Niederbayern geriet laut Polizei vermutlich witterungsbedingt ein 27-jähriger Autofahrer auf einer Landstraße ins Schleudern und prallte mit seinem Wagen in ein entgegenkommendes Auto. Er und ein 18-jähriger Beifahrer starben. Auch aus anderen Teilen Bayerns meldete die Polizei am Freitag dutzende Unfälle, schwere Schäden blieben meist aber aus.

Unfälle gab es auch in anderen Bundesländern von Baden-Württemberg über Hessen bis Thüringen. Die Polizei im niedersächsischen Cuxhaven etwa bezeichnete die Lage als „sehr angespannt“. Die Sichtweite betrage teils nur wenige Meter, es gebe starke Schneeverwehungen. Vielerorts blieben nach Polizeiangaben Lastwagen stecken oder rutschten in Leitplanken. Teils längere Sperrungen gab es deshalb etwa auf der A1 und A24 in Schleswig-Holstein, der A9 und A72 in Sachsen oder der A70 in Bayern.

Behörden, Winterdienste und Rettungskräfte waren am Freitag überall in Alarmbereitschaft. Regierungen, Verkehrsbetriebe und Feuerwehren riefen die Menschen auf, möglichst zu Hause zu bleiben. In Hamburg war die Stadtreinigung nach eigenen Angaben seit der Nacht zu Freitag mit mehr als 700 Mitarbeitern sowie 360 Fahrzeugen im Großeinsatz.

Wetterlage

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet „von Südwesten aufkommende, teils kräftige Schneefälle“, die sich bis zur Elbe ausbreiten. Bei stürmischem Ostwind sind Schneeverwehungen möglich, was zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen kann, wie der Wetterdienst warnt. Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee – bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind – am Morgen rasch in Regen übergehen. Dann wird es sehr glatt.

In einem Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Den meisten Schnee erwartet der Deutsche Wetterdienst für die sogenannten Staulagen der Mittelgebirge. An den Seiten der Berge, die dem Wind zugewandt sind, können 20 Zentimeter Neuschnee fallen, wie die Meteorologen in Offenbach am Morgen prognostizierten.

Und: „Ein Großteil des Schnees fällt dabei innerhalb von 3 bis 6 Stunden – gebietsweise Unwetter!“, heißt es im Wetterbericht von 5.00 Uhr. Am Nachmittag und Abend sollen die Schneefälle dann allmählich nachlassen, dann werden nur noch wenige Zentimeter Neuschnee erwartet.

Bahnverkehr

Wegen des Wintersturms „Elli“ hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr in Norddeutschland am Freitag vorübergehend eingestellt. Das teilte der Konzern in Berlin mit. Aufgrund der Witterungsbedingungen sei der Schienenverkehr im Großraum Hannover „bis mindestens heute Mittag“ unterbrochen. Damit sei eines der bundesweit wichtigsten Drehkreuze betroffen und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich.

Das hat bundesweit Folgen. So wurden laut bahn.de mehrere ICE-Verbindungen von Berlin nach Köln abgesagt, die über Hannover führen.

Die Bahn geht davon aus, dass bis Samstag Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr möglich sind. Wer kann, sollte seine Reise verschieben. Schon gekaufte Tickets könnten auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Mancherorts wurden vorsorglich Verbindungen des Regionalverkehrs gestrichen.

Bereits am Abend war es zu Zugausfällen auf einigen Fernverkehrsstrecken gekommen. Betroffen waren etwa die Strecken Kopenhagen-Hamburg, Westerland/Kiel-Hamburg, Binz/Stralsund/Rostock-Berlin, Norddeich/Emden-Hannover/Ruhrgebiet.

Die Bahn hat darüber hinaus Vorbereitungen getroffen: In Bayern zum Beispiel können von den mehr als 10.000 Weichen laut DB rund 8.140 beheizt werden, damit sie nicht einfrieren. Bei Schneeverwehungen würden schwere Loks über verschneite Gleise fahren und eine Spur für nachfolgende Züge ziehen, sagte eine Sprecherin. Allerdings sei man selbst bei bestmöglicher Vorbereitung nicht gegen alle Witterungsfolgen gefeit, hieß es am Donnerstag.

Fährverkehr

Auch der Fährverkehr an der niedersächsischen Nordseeküste ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Mehrere Inseln sind derzeit nicht per Schiff erreichbar – darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge. Problematisch ist vor allem der erwartete starke Ostwind. Er drückt das Wasser von der Küste weg, Fähren können dann nicht oder nur eingeschränkt fahren.

Schulen

Schneefrei, zumindest für manche Schüler: In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fällt der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung für jüngere Kinder. Grund für die Schließung ist meist, dass die Schulbusse nicht fahren und eine sichere Anreise nicht gewährleistet werden kann.

Auch in Regionen in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fällt teils der Präsenzunterricht aus oder Eltern können ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts sind auch Kitas und Kindergärten betroffen.

Entwarnung für Berlin und Brandenburg

Apropos Berlin und Brandenburg: Zumindest für das katastrophenmäßig zuletzt etwas gebeutelte Berlin gab der DWD am Freitagmorgen eine Teilentwarnung. Der angekündigte Schneefall bleibt in der Hauptstadt wie auch in weiten Teilen Brandenburgs vorerst wohl aus.

Es werde in der Nordhälfte Brandenburgs und in Berlin deutlich weniger Schnee herunterkommen als vorhergesagt, sagte ein DWD-Sprecher. Die Unwetterwarnung vor starken Schneeverwehungen sei für Berlin und Brandenburg aufgehoben. Nur für den Landkreis Prignitz im äußersten Nordwesten bestehe die Warnung noch.

„Wir sehen keine Gefahr für Leib und Leben“, betonte der Sprecher. Am Nachmittag soll es dennoch leicht schneien, jedoch nicht in der zunächst vorhergesagten Intensität. Von den „schlimmsten Befürchtungen“ bleiben Berlin und die Nordhälfte Brandenburgs verschont.

Kalt werde es aber weiterhin. Bei teils starken Böen könne die gefühlte Temperatur bei Minus 20 Grad liegen. Der Süden Brandenburgs soll wie angekündigt mehrere Zentimeter Neuschnee bekommen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • DB - ALLE REDEN VOM WETTER - WIR AUCH🙀

    In den 60ern - als ich noch auf dem Bock🚖 saß



    Gabs zwei Winter - ganz ander Kaliber -



    Die Pfähle der Felder ragten knapp 10 Zentimeter aus dem Schnee - die Hecklöcher -



    Echte ❄️ fallen -



    Der Flirrschnee wurde mir Nähe Flughafen Blankensee zum Verhängnis: Luftfilter voll❄️❄️



    Rööps & Aus der Traum dein treuer Vater •

    Na Mahlzeit - heute alles PiPi dagegen! Woll



    Normal ❄️