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Trump, Wegner und JebsenDas Vulkangruppen-Franchise

Zu viele Bekennerschreiben zum Stromausfall in Berlin, Kai Wegner glänzt mit „Laschet-Moment“ und die GLS-Bank kündigt linken Organisationen.

Kai Wegner, Regierender Bürgermeister Foto: Chris Emil Janssen/imago

t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Küppersbusch: USA erwägen, Grönländern Kopfprämien zu bieten.

taz: Und was wird besser in dieser?

Küppersbusch: Sondervermögen! Sofort!

taz: Im Süden Berlins sorgte eine militante „Vulkangruppe“ für einen mehrtägigen Ausfall der Energieversorgung. Motiv: den fossilen Kapitalismus sabotieren. Was halten Sie von der Aktion?

Küppersbusch: Inzwischen hat sich eine ältere „Vulkangruppe“ von der aktuell bekennenden „Vulkangruppe“ distanziert. Vielleicht ist das ein Franchise wie McDonald’s oder der Russe karnevalisiert als Linksaktivist. Keine Ahnung, dem Normalbürger wurde spürbar dargelegt, dass es ohne fossile Energien echt doof ist. Hm, vielleicht doch die Russen.

taz: Kurz nach der Sabotage war Oberbürgermeister Kai Wegner mit seiner Liebsten beim Tennis. Tags darauf verheimlichte er das und gab sich als unermüdlichen Krisenmanager. Ist er als OB noch haltbar?

Küppersbusch: Wegner hat das obligate Date mit den Fotojournalisten, die einen tatkräftig dreinschauenden Gummistiefelinsassen erwarten, blau gemacht. Blöd war’s, das erstmal zu leugnen, zur Strafe wird ihm das als „Laschet-Moment“ angehängt. Hieße ja, dass er eigentlich ein feiner Kerl ist und nach ihm ein schlechterer kommt.

taz: In Sachsen-Anhalt ist Ministerpräsident Rainer Haseloff in dieser Woche vorzeitig abgetreten. Offenbar um seinen präferierten Nachfolger Sven Schulze ins Rampenlicht zu stellen. Ein kluger Move?

Küppersbusch: Ursprünglich wollte Haseloff bis zur Wahl durchziehen, obwohl sein Nachfolger Schulze schon im August bestimmt worden war. Diese Lösung jetzt ist ein als „sowohl als auch“ getarntes „weder noch“. Hey, cool, wenn das auf den Plakaten stünde. Geht ja nur um den drohenden Wahlsieg der AfD.

taz: Nach dem Angriff auf Venezuela dreht Donald Trump außenpolitisch weiter am Rad, beschlagnahmt russische Öltanker, geiert auf Grönland. Sind Merz und seine EU-Amtskollegen damit überfordert?

Küppersbusch: Merz und die anderen Europäer wollen Trump in Sicherheitsgarantien für die Ukraine locken. Er ruft Grönland als Preis auf. Mach was. Mit Venezuela haben sich die USA erstmal einen Failed State mit Schurkenregime ans Bein gebunden, so was kann dauern. In Grönland verfügt Amerika durch ein Abkommen im Kalten Krieg 1951 über weitgehende Rechte, knapp unterm Besatzungsstatut etwa in Deutschland. Für die Ukraine muss Merz also werben, in Grönland beschwichtigen und bei Venezuela warten. Sieht eher nach Schönheitstanz aus als nach High Noon. Merz’ Naturell käme es entgegen, mit der Faust auf den Tisch zu kloppen, er hat nur keinen Tisch.

taz: In Minneapolis schoss ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE der 37-jährigen Renee Good in den Kopf, als sie sich einer Kontrolle entziehen wollte. Wird Trump auch das aussitzen?

Küppersbusch: Inzwischen kann man die Katastrophe auf drei Videos unterschiedlicher Perspektiven nach erleiden. Eines vom Schützen, eines von Goods Partnerin Rebecca, ein drittes zeigt beide. Auch bei 100 Videos blieben Details streitbar; offensichtlich ist: Der Schusswaffengebrauch ist jäh, unangemessen; das Opfer versucht, die Szene zu verlassen und den Täter zu umfahren – nicht umzufahren. Die Welt ist Augenzeuge, wie Trump und seine „Heimatschutzministerin“ Noem das Gegenteil herbeifantasieren und – und das ist ihr Ziel – so ihren Truppen signalisieren: Wir sind stärker als die Wahrheit. Eine relative Mehrheit der Amerikaner steht auf so was.

taz: Im Iran kommt es zu den größten Aufständen seit Jahrzehnten. Europa verhält sich relativ leise. Warum?

Küppersbusch: Weil man weder für die blutige Diktatur dort sein kann – noch für die völkerrechtswidrigen Angriffe der USA und Israels.

taz: Die GLS Bank hat linken Organisationen die Konten gekündigt. Tausende Kun­d*in­nen protestieren. Auch die taz ist Kund*in. Sollen wir kündigen?

Küppersbusch: Na hör mal, taz! Und fern jedes „Ätsch, selber schuld!“: Hattest nicht du mit fetten Recherchen zur „Erasmus“-Stiftung der AfD und zum Turboschwallkanal von Ken Jebsen die GLS überzeugt, endlich deren Konten zu kündigen? Nun geht die Bank also gegen Linke los. Die DKP, die für Kuba Spenden sammelt; die „Rote Hilfe“, weil sie die „Antifa Ost“ unterstützt. Beide wähnen dahinter US-Interventionen. Doch ausgerechnet die „alternative“ Bank verkremlt sich hinter „regulatorischen Gründen“ und verweigert Klarheit. Jetzt ist es heikel, einerseits „debanking“ als politische Waffe zu verurteilen – und damit andererseits „gleiches Recht für alle“ zu fordern. Auch für Rechte und Spinner. Vielleicht erschreckt die GLS ein bisschen, wenn der gute Kunde taz Transparenz fordert. Sagt einfach, ihr habt die Geheimnummer vergessen.

taz: Und was macht der RWE?

Küppersbusch: Freundschaftsspiel gegen Zweitligist Dresden, 1 zu 1. Kann nächste Saison wieder kommen, unklar ist, in welcher Liga.

Fragen: Tobias Bachmann

Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und würde manchmal auch lieber Tennis spielen gehen.

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Friedrich Küppersbusch
Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".
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