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Russlands Terror gegen die UkraineMan muss der Ukraine jetzt helfen, nicht erst später

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Sicherheitsgarantien für die Zukunft sind kein Ersatz für mehr Unterstützung der Ukraine heute. Nur dies könnte Russland zum Gewaltverzicht zwingen.

Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung – Mitten im Winter. Ein russischer Angriff hat Kyjiws zivile Infrastruktur lahmgelegt Foto: Yan Dobronosov/ Reuters

S elten war die Kluft zwischen politischer Debatte und militärischer Realität im Ukrainekrieg so breit wie in diesen ersten Januartagen 2026. Die westlichen Verbündeten der Ukraine reden sich die Köpfe heiß über Sicherheitsgarantien. Gleichzeitig zerbombt Russland gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine und lässt Millionen von Menschen bei strengem Frost ohne Strom, Wasser und Heizung. Die Hauptstadt Kyjiw ist ein Hauptziel dieser Angriffe, die rein terroristischer Natur sind – außer man betrachtet die Überlebensgrundlagen von Menschen als legitime militärische Ziele, wie es leider inzwischen allgemein praktiziert wird.

Es nützt nichts, immer neue Zusagen an die Ukraine für die Zukunft zu machen, aber sie in der Gegenwart schutzlos zu lassen. Noch immer verfügt die Ukraine nicht über ausreichende militärische Mittel, um Russlands Raketen und Drohnen an der Quelle zerstören zu können – dabei wäre diese Möglichkeit im Rahmen des Rechts auf Selbstverteidigung zwingend, um die Angriffe zu stoppen und Menschenleben zu retten.

Solange das so bleibt, wird Russland keinen Grund sehen, sich an irgendeinen Verhandlungstisch zu begeben. Es wird weiter mittels Terror Druck ausüben. Da mögen Selenskyj, Trump, Macron, Merz und Starmer noch so eifrig miteinander über Friedenspläne reden – solange niemand Putin zum Gewaltverzicht zwingt, sind diese Pläne reine Luftnummern.

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Dabei mehren sich die Anzeichen, dass Russland allmählich militärisch die Puste ausgeht, vor allem am Boden. Auf die jüngsten US-Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte hat Russland ebensowenig eine Antwort wie auf die Aussicht, dass die USA demnächst drastische Sanktionen gegen Abnehmer russischen Öls verhängen. Moskau muss damit rechnen, dass seiner Kriegswirtschaft demnächst die finanziellen Fundamente abhandenkommen. Die Gelegenheit wäre günstig, jetzt auch den schleichenden Zerfall der russischen Militärkraft etwas zu beschleunigen.

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Dominic Johnson
Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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