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Israelische Angriffe in Libanon25 Angriffe innerhalb von 30 Minuten

Israels Militärschläge belasten zunehmend die Waffenruhe mit Libanon und der Hisbollah. Jetzt wurden auch Angaben von UN und Libanons Armee ignoriert.

Ein israelischer Angriff auf Gebäude im Dorf Kfarhatta im Südlibanon, am 5.1.2026 Foto: Ali Hashisho/XinHua/dpa
Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Wegen Luftangriffen nachts fluchtartig ihre Häuser zu verlassen, ist für Menschen im Südlibanon bittere Routine. Am Sonntagabend war es erneut so weit. Ein Sprecher der israelischen Armee veröffentlichte auf X eine Karte mit einem rot markierten Kreis von 300 Metern Radius: Eine Zwangsevakuierung für Be­woh­ne­r*in­nen des Dorfes Kfar Hatta. Das Gebiet umfasste einen großen Wohnkomplex mit mindestens zwölf Gebäuden und über 600 Bewohnern, dazu Geschäfte wie eine Autowäscherei und ein Café.

Die Menschen mussten fliehen, der libanesische Zivilschutz sperrte die Hauptstraße ab. Nur eine Stunde nach der unzureichenden Warnung bombardierten israelische Kampfflugzeuge den Wohnkomplex. Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtet von zehn Angriffen, die einen „Feuerring“ bildeten und die Gebäude zerstörten. Lokale Medien melden eine durch Trümmer verletzte Person. Bereits am Montag zuvor war in dem Gebiet eine israelische Rakete eingeschlagen, aber nicht explodiert.

Trotz offizieller Waffenruhe erleben die Menschen im Südlibanon weiterhin Krieg. Das Abkommen zwischen Israel und Libanon gilt seit dem 27. November 2024. Auch die Hisbollah hatte den Deal akzeptiert. Seitdem feuerte die Miliz keine Raketen mehr auf Israel ab. Die israelische Armee bombardiert Libanon jedoch weiter täglich. Sie behauptet, damit die Hisbollah an der Auftrüstung zu hindern. Beweise liefert sie für gewöhnlich keine.

Dieses Mal hatten sowohl das libanesische Militär, das selbst nicht gegen Israels Armee kämpft, als auch die UN-Mission Unifil das fragliche Gebäude inspiziert. Israels Armee behauptete erneut, es werde von der Hisbollah genutzt. Libanesische Armee und Unifil widerlegten das: Sie fanden keine Waffen.

Nahost-Konflikt

Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Insgesamt bombardierte Israel am Sonntag innerhalb von 30 Minuten mehr als 25 Ziele in sieben Ortschaften Libanons. Eine israelische Patrouille beschoss einen Posten der libanesischen Armee in Dhaira. Eine Militärdrohne traf einen Bagger, der in Mais al-Jabal Trümmer weggeräumt hatte.

Israel greift Libanon zunehmend auch nördlich des Litani-Flusses an, mehr als 30 Kilometer nördlich der Grenze. Dort möchte eigentlich die libanesische Armee die Hisbollah entwaffnen. Sie erklärte vergangene Woche, die erste Phase südlich des Flusses sei abgeschlossen. Ihre Arbeit werde jedoch durch israelische Angriffe und die militärische Besatzung von mindestens fünf Gebieten im Südlibanon behindert. Die Hisbollah weigert sich, weiter nördlich Waffen abzugeben – angeblich, solange Israels Angriffe und die Besetzung libanesischer Grenzstellungen andauern.

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