US-Klimapolitik nach einem Jahr Trump: Solar-Boom und „wunderschöne“ Kohle
Donald Trump will die Welt vom Klimaschutz abbringen. Selbst im eigenen Land gelingt ihm das nur teilweise. Der Schaden ist dennoch enorm.
Als Donald Trump am 20. Januar 2025 zum US-Präsidenten vereidigt wurde, war eine seiner ersten Amtshandlungen, die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zu entfernen. Ein Jahr später wird der US-Austritt am Dienstag offiziell.
In den vergangenen 12 Monaten schoss das Weiße Haus immer wieder gegen den Klimaschutz: Windräder „ruinieren die Landschaften“. Solaranlagen seien „hässlich“, Kohle dagegen „wunderschön“, sagte Trump. Vor den Vereinten Nationen nannte er den Klimawandel einen „Schwindel“ und warnte die Staaten der Welt, mit dem Klimaschutz aufzuhören, „sonst wird euer Land scheitern“.
Aber Trump redet viel, und nicht immer folgen Taten. Wie steht es um den Klimaschutz in den USA?
„Es ist wirklich schlimm“, sagt Lori Bird. Sie ist Direktorin der Energieabteilung bei der US-Denkfabrik World Resources Institute. „Aber die Erneuerbaren-Industrie hat Schwung.“ Erneuerbare Energien seien auch in den USA die effizienteste Stromquelle und schneller zu bauen als fossile Kraftwerke. Im republikanisch regierten Texas erzeugen Wind- und Sonnenkraft fast doppelt so viel Strom wie im demokratisch regierten Kalifornien, weil Land billig und sonnenreich ist. „Aber den Erneuerbaren werden viele Hindernisse in den Weg gestellt“, sagt Bird.
Bedrohung für weltweite Windkraft
Im Sommer strichen Trumps Republikaner den Inflation Reduction Act zusammen, der unter Präsident Joe Biden gigantische Summen für Solar- und Windprojekte sowie E-Autos bereitstellte. Die Förderung für Solar- und Windprojekte wurde darin ab 2027 gestrichen, Subventionen für E-Autos schon ab September vergangenen Jahres.
„In einigen Staaten wurde sogar Projekten die Förderung entzogen, die sich schon im Bau befanden“, sagt Bird. Die Projektträger klagen, es laufen Gerichtsverfahren. Wie die ausgehen, ist ungewiss: Fünf riesige Offshore-Windparks vor der Ostküste der USA mussten zunächst den Bau unterbrechen, weil die US-Bundesregierung ihnen Genehmigungen entzog.
Sowohl das Projekt Empire Wind des norwegischen Ölkonzerns Equinor als auch Revolution Wind des dänischen Unternehmens Ørsted und ein Windpark eines Unternehmens aus Virginia dürfen nun aber nach der Intervention eines Bundesgerichts weiterbauen, auch wenn über ihre Klagen gegen den Entzug der Genehmigungen noch nicht entschieden wurde.
Trumps Angriffe machen der Offshore-Industrie aber weltweit zu schaffen, obwohl er vor Gericht verliert. „Unsicherheit in Offshore-Märkten könnte die Kapitalkosten nach oben treiben, weil Investoren höhere Risiken einpreisen“, sorgte sich Henrik Andersen gegenüber der Financial Times. Er ist CEO des Windturbinenherstellers Vestas und Vorsitzender des Branchenverbandes WindEurope. „Wenn es Beeinträchtigungen in einem Teil der Industrie gibt, fangen alle an sich zu fragen: ‚Könnte uns das auch treffen?‘“
US-Emissionen sind 2025 gestiegen
Trotzdem planten Projektträger, bis Ende vergangenen Jahres fast 60 Gigawatt neuer Solar-, Wind- und Batteriespeicher-Kapazitäten ans Netz zu bringen, mehr als 90 Prozent aller neuen Stromerzeugungskapazitäten in den USA. Zu den tatsächlichen Anschlüssen gibt es noch keine Daten. Bis 2030 sollen es 195 Gigawatt sein – dazu kommen aber auch fast 40 Gigawatt neuer klimaschädlicher Gaskraftwerke. „Wir werden mehr Gaskraftwerke sehen, viel mehr“, sagt Bird.
Der rasant wachsende Stromhunger des KI-Rechenzentren-Booms sorgt dafür, dass alle Arten der Stromerzeugung hoch im Kurs stehen, nicht nur die klimafreundlichen. Die Trump-Regierung versucht sogar, mit Millionen-Investitionen veraltete und teure Kohlekraftwerke am Leben zu erhalten.
Dementsprechend sind die CO2-Emissionen in den USA im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent angewachsen, statt wie 2023 und 2024 zu fallen. Neben dem KI-Energiehunger trug den Schätzungen der Denkfabrik Rhodium Group zufolge auch der kalte Winter im Norden der USA zum wachsenden CO2-Ausstoß bei, weil dort häufig noch mit Gas und anderen fossilen Brennstoffen geheizt wird.
Lori Bird, World Resources Institute
Lori Bird bezeichnet die Energiepolitik der US-Bundesregierung als „besorgniserregend wirtschaftsfeindlich“. Die Trump-Regierung „blockiert Genehmigungen für Erneuerbare, aber versteht sich als Concierge für Öl und Gas“. Große Tech-Konzerne und 29 US-Bundesstaaten hätten zwar weiterhin Ziele und Regularien, ihren Strommix auf Erneuerbare umzustellen. „Aber es ist ein herausforderndes Umfeld.“
Trump greift Katastrophenschutz an
Dazu kommt: Trumps extrem rechte Regierung attackiert auch den Katastrophenschutz, der mit der weiteren Nutzung von Kohle, Öl und Gas und der deshalb fortschreitenden Erderhitzung immer wichtiger wird – immerhin waren die teuersten Waldbrände aller Zeiten, die im Januar 2025 Teile Los Angeles’ zerstörten, auch vom Klimawandel angefeuert worden.
Die Koordinierungsstelle für Naturkatastrophen Fema verlor ein Drittel ihrer Mitarbeiter*innen und ging dem Fernsehsender ABC zufolge ohne Plan in die Hurrikane-Saison, die rein zufällig glimpflich für die USA verlief. Bei den Fluten in Texas, die vom Klimawandel verschärft über 100 Menschen töteten, machte Fema ebenfalls keine gute Figur. Und vor einem der heftigsten Stürme in der Geschichte des Bundesstaates Alaska konnte dem britischen Guardian zufolge wohl auch deswegen nicht früher gewarnt werden, weil das dortige Wetterballon-Netzwerk wegen Personalmangels nur teilweise in Betrieb war.
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