Sahra Wagenknechts Facebook-Account: Eine Spur nach Russland
Sahra Wagenknechts argumentative Nähe zu Putin wird oft diskutiert. Jetzt gibt es neuen Stoff: Ein Standort ihres Facebook-Kontos soll in Russland sein.
Sahra Wagenknecht ist in Erklärungsnot. Laut Recherchen von t-online soll das Facebook-Konto der BSW-Politikerin unter anderem von einem Account betreut worden sein, den das Unternehmen Facebook in Russland verortet. Nachdem t-online das Team von Wagenknecht am Dienstag nach dem Grund dafür gefragt hatte, soll die Verbindung nach Russland zwei Tage später in dem Account verschwunden sein.
Die Information über den Account war sichtbar, weil Facebook als Folge von früheren Desinformationskampagnen aus dem Ausland Transparenzinformationen zur Verfügung stellen muss. Nutzer können seitdem bei jeder Facebook-Seite Details zu den Accounts nachvollziehen, die auf der Seite Inhalte posten können und Zugriffsrechte haben. Allerdings tauchen nicht Namen auf, sondern die Anzahl der Accounts, die die Seite betreuen und wo diese Accounts ihren Hauptstandort haben.
Ganze 13 Personen hatten laut t-online bis Mittwoch Zugriff auf Sahra Wagenknechts Facebook-Account. Eine davon mit „Hauptstandort“ Russland.
Wie Facebook den Hauptstandort von Account-Betreuern exakt bestimmt, ist allerdings nicht öffentlich nachvollziehbar. Dass Facebook Informationen über den Aufenthaltsort seiner Nutzer sammeln kann, auch wenn diese entsprechende Funktionen deaktiviert haben, hat das Unternehmen indes zugegeben.
Seit Donnerstag sind laut t-online in den Angaben zu Wagenknechts Facebook-Seite drei Administratoren verschwunden und auch bei der Seite ihres Ehemanns Oskar Lafontaine sei ein Account weniger zu sehen gewesen – der Hauptstandort Russland tauchte auf beiden Seiten nicht mehr auf. Laut t-online habe Wagenknechts Büro auf die Anfrage am Dienstag erklärt, man beschäftige weder in Russland ansässige Mitarbeiter noch Personen mit russischem Pass. Das Büro habe außerdem geantwortet: „Woher beziehen Sie eigentlich solche ‚Informationen‘? Was für eine Räuberpistole!“
Nach dem Hinweis von t-online darauf, dass die Information von Facebook stamme, habe das Büro erklärt: „Eine langjährige Mitarbeiterin von Frau Wagenknecht, die deutsche Staatsbürgerin ist, hat russische Familienangehörige.“ Die Frau besuche die Familie auch „ab und zu“. Facebooks Angabe „Hauptstandort“ sei missverständlich, sie treffe keine Auskunft über einen Wohnort oder einen dauerhaften Standort eines Administrators. Auf eine Nachfrage von t-online zur Entfernung der Administratoren sei bisher nicht geantwortet worden.
Facebook und X sind für Nutzer in Russland gesperrt. Transparenz-Angaben von X aber zeigten, dass offizielle Kreml-Accounts oder die in Russland lebende deutsche Putin-Propagandistin Alina Lipp vorgeben, ihren Account aus Deutschland oder Frankreich zu betreiben, um die technische Zensur in Russland zu umgehen.
t-online hatte vergangenes Jahr berichtet, dass Wagenknechts langjährige Büroleiterin Ruth Firmenich mit ihrem BSW-Kollegen Michael von Schulenberg im Mai 2025 in Moskau von einem russischen Schmiergeldnetzwerk rund um den putintreuen Oligarchen Viktor Medwedtschuk empfangen worden sei, das auch das Medium „Voice of Europe“ betreibt. Aus diesem Kreis soll Geld an europäische Politiker geflossen sein. Gegen den AfD-Politiker Petr Bystron laufen Ermittlungen, weil er Geld aus diesem Kreis angenommen haben soll, was Bystron bestreitet. Die Europaabgeordnete Firmenich hatte t-online erklärt, die Gesprächspartner in Moskau zum ersten Mal getroffen und nach ihrem Aufenthalt keinen weiteren Kontakt zu ihnen gehabt zu haben.
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