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Grüne-Jugend-Chef vs. Markus SöderMit lieben Grüßen an den „H****sohn“

Der Grüne-Jugend-Chef Luis Bobga rappt auf Instagram, CSU-Chef Söder fühlt sich beleidigt. Springer und Union greifen die Affäre genüsslich auf.

Die Grüne Jugend hat einen neuen Chef und alte Probleme: Luis Bobga sorgte mit einem Instagram-Post über CSU-Chef Söder für Kritik Foto: Revierfoto/imago

Sein Ziel sei es, sagte der Grüne-Jugend-Chef Luis Bobga, da war die Sache bereits aus dem Ruder gelaufen, „junge Menschen zu erreichen und ihr Interesse an Politik wecken und stützen“. Was Bobga in jedem Fall erreicht hat: dass sich rechtskonservative Kom­men­ta­to­r:in­nen und Po­li­ti­ke­r:in­nen mal wieder für die Grüne Jugend interessieren. Und das heißt eigentlich nie etwas Gutes, wir erinnern uns an den Krawall um Bobgas Vorgängerin Jette Nietzard („All Cops are Bastards“-Pulli im Bundestag).

Aber von vorn: Luis Bobga, seit Oktober zusammen mit Henriette Held Bundessprecher der Grünen Jugend, hatte am Freitag auf Instagram ein Video veröffentlicht, in dem er zu einem Song des Rappers Haftbefehl textet: „dass du ein h****sohn bist, hatten wir schon mal“. Eingeblendet wird dazu ein Bild von CSU-Chef Markus Söder, „mit lieben Grüßen nach Bayern“, schreibt Bobga unter den Beitrag. Der kurze Clip, so erschließt sich beim weiteren Zuhören, ist offenbar eine Kritik an Söders Vorstoß vergangene Woche, die Zahl der Bundesländer zu reduzieren.

Bobga, gebürtig in Münster, Studium der Migrationsgeschichte in Osnabrück, hat mal Kommunalpolitik gemacht, er saß im Stadtrat im westfälischen Emsdetten. Vielleicht hat ihn Söders Bundesländer-Nonsens irgendwie getriggert. Jedenfalls ließ der Shitstorm nicht lange auf sich warten, und die CSU-Spitze machte es denn auch nicht unter der obligatorischen Rücktrittsforderung: „Wer so etwas sagt, ist nicht länger tragbar“, sagte Landesgruppenchef Alexander Hoffmann der Bild am Sonntag.

Generalsekretär Martin Huber sekundierte, die Grünen-Parteispitze müsse sich entschuldigen und überhaupt – ab hier frei paraphrasiert – ihrem linksversifften Nachwuchs mal ein paar Manieren beibringen. Nietzard hatte Söder immerhin nur als „Hundesohn“ beschimpft.

Entschuldigung „gut und richtig“

Am Samstag hat Bobga sich in einer Erklärung entschuldigt, er bedaure im Übrigen, dass das Video offenbar von einer thematischen Beschäftigung mit dem Bundesländervorstoß abgelenkt habe. Grünen-Chef Felix Banaszak fand Bobgas Entschuldigung laut dpa „gut und richtig“.

Ob hypothetische Föderalismusreformen die „jungen Menschen“, die Bobga für die Grünen gewinnen will, nun so wahnsinnig elektrisieren, wurde bisher nicht klar. Das Video hatte am Sonntag rund 3.500 Likes.

Klar wurde, welchen Spin die Bild am Sonntag und die Union versuchten, der ganzen Affäre zu geben: „Wenn Demokraten so miteinander umgehen, dann können wir der AfD gleich die Schlüssel geben.“ Das sagte ausgerechnet Union-Fraktionschef Jens Spahn, der immerhin die Wahl einer Verfassungsrichterin spektakulär in den Sand setzte, weil er seine Leute nicht hinter der SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf versammeln konnte. Die AfD lachte sich damals ins Fäustchen.

Die Union kann also in bewährt-bigotter Manier das demokratische Lager diskreditieren – und die Grüne Jugend liefert ihr dafür mal wieder eine Steilvorlage. Was bleibt da noch zu bemerken, wenn sich schon die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Föderalismus nicht lohnt?

Vielleicht, dass Hurensohn nicht zuletzt eine frauenfeindliche Beleidigung ist. Irgendwie hatte man gehofft, die Jugend – Bobga ist 23 Jahre alt, Themenschwerpunkte: Soziales und Antirassismus – sei weiter als ein sexistischer, alternder Offenbacher Rapper mit offensichtlichem Koksproblem.

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9 Kommentare

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  • Als Grünen-Wähler ärgert mich diese wiederkehrende dümmliche Arroganz. Einerseits ist man so überheblich und reibt jedem Gendersternchen, Flugscham und Veganismus unter die Nase (durchaus inhaltlich ja zurecht) und schwadroniert von feministischer Außenpolitik - und dann begibt man sich auf so ein provokatives Kindergartenniveau, das die eigenen Werte und damit die Glaubwürdigkeit massiv untergräbt.

    Ich wünschte mir da oft mehr politischen Pragmatismus bei den Grünen. Weniger Frömmigkeit von anderen fordern - mehr die zentralen Ziele im Auge behalten: Demokratieerhalt und Klimawandel. Habeck war da soooo angenehm.

  • Warum hat er die Mutter vom Söder beleidigt?

  • Hundesohn, H...nsohn, ACAB, eklige weiße Mehrheitsgesellschaft ... die grünen Nachwuchspolitiker scheinen davon auszugehen, damit Erfolg haben zu können. Nun ja, der junge Mann hat nun die Aufmerksamkeit, die er sich vermutlich gewünscht hat. Vielleicht wurde ihm auch von einem PR-Berater empfohlen, mal ein paar Schlagzeilen zu generieren. Ob es seiner Partei Stimmen bringt, werden wir sehen. Dass er persönlich sein Leben lang damit assoziiert werden wird, sofern er einmal ein öffentliches Amt bekleiden sollte, hat er vorher hoffentlich bedacht.

    Mich hat die Aussage einer seiner Parteikolleginnen, "... eklige, weiße Mehrheitsgesellschaft ..." sehr gekränkt. Und das von einer Frau, die ja auch im Heimatland ihres Vaters leben könnte, in dem es fast keine weißen Menschen gibt. Andere haben diese Wahl nicht.

  • Es kommt eben doch nicht darauf an, was jemand sagt, sondern nur, wer es sagt. Andere bekamen für Harmloseres Untersuchungshaft und Hausdurchsuchungen zum Sonnenaufgang, aber die "Guten" auf der "richtigen Seite" natürlich nicht.

  • Es gibt einfach No-Go Begriffe im zwischenmenschlichen Umgang und ganz besonders wenn man sich verschriftlicht (Posts, Kommentaren, Mails etc.). Wer das nicht versteht und dabei auch noch ein öffentliches Amt bekleidet, zeigt schlicht fehlende Qualifikation. Danke für die frühe Demaskierung.

  • Ehrlicherweise muss man zugeben, dass Beleidigungen nicht wirklich etwas zum politischen Diskurs beitragen. Und nur weil andere Politiker anderer Parteien gerne mal kräftig austeilen, muss man sich nicht auf deren Niveau begeben.

  • A) Hat "Hurensohn" in der Generation von Herrn Bobga eine andere Bedeutung als in der Generation von Herrn Söder...

    B) Hat sich Herr Bobga umgehend entschuldigt. Söder tut das nie. Merz erst im x-ten Anlauf und dann muss er es von einem Zettel ablesen.

    C) Wen wundert es, dass Springer das aufgreift? Als Jakob Blasel gewählt wurde, war er laut Bild-Titelseite ein "Haustierhasser". Die CSU legte auf ihrem offiziellen X-Account nach und behauptete die Grünen würden den Menschen die Haustiere wegnehmen wollen, inklusive Video von Generalsekretär Huber mit einem Hund. Der Tagesspiegel titelte "Die CSU lügt!"

    www.tagesspiegel.d...lugt-12577853.html

    D) Ist Söder halt auch dünnhäutiger als die Hülle der Würste, die er ständig frisst. Wer, wie er, ständig austeilt, dabei Fakten mindestens verdreht, ignoriert oder glatt lügt, sollte halt auch einstecken können. Aber da heult er und seine Adlaten halt immer gleich rum. Ist halt m.E. ein Trump für Arme...

  • beleidigungen sind natürlich nicht zielführend, aber die grünen zeigen nach der absolut notwendigen kritik nietzards einmal mehr dass sie von halbwegs revolutionär zu anbiedernd übergegangen sind, die spd machts vor. so wird die deutsche gesellschaft auch weiterhin eine angsterfüllte, langweilige, fleißige arbeiterschaft bleiben, die denkt, sie hätte lebensglück durch dicke autos und einfamilienhäuser.

  • Die Hoffnung, dass mit dem Weggang der Vorgängerin bei der grünen Jugend wieder alles besser wird, ist schnell verpufft. Das Szenario aus Provokation und lauwarmer Entschuldigung ist weiterhin da.

    Merkwürdig auch das Verhalten der taz. Ein Schähgedicht in Sachen Erdogan geht in Ordnung, eine Schwächung im Außenministerium wird kritisiert und kaum geht es um Herrn Söder steht man wieder auf der Seite des Schmähenden.