piwik no script img

EwigkeitschemikalienVerbot hat Verspätung

Ewigkeitschemikalien stecken in vielen Alltagsprodukten – einige gelten aber als gefährlich. Trotzdem tut sich die EU schwer mit einem Verbot.

Demonstration gegen Pfas in Lyon am 4. Oktober 2025 Foto: Nicolas Liponne/imago

afp | Eigentlich will die EU-Kommission sogenannte Ewigkeitschemikalien (Pfas) seit Langem verbieten – ein Gesetzesvorschlag dürfte aber noch mehrere Monate auf sich warten lassen. Die nötigen Studienergebnisse sollen zum Jahresende vorliegen, wie die europäische Chemieagentur Echa am Montag erklärte. Erst danach kann die Kommission offiziell ein Verbot vorschlagen, über das dann in Brüssel beraten wird.

Pfas sind per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die synthetisch hergestellt werden. Sie sind wasser- und fettabweisend und stecken deshalb in etlichen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, Funktionskleidung, Imprägniersprays und Einwegverpackungen. Pfas werden als Ewigkeitschemikalien bezeichnet, weil sie biologisch nicht abbaubar sind und sich in der Natur und im menschlichen Körper anreichern.

Es ist möglich, die Industrie bereitet sich schon darauf vor

Jessika Roswall, Umweltkommissarin

Studien deuten darauf hin, dass einige der Chemikalien bei Menschen die Leber und das Immunsystem schädigen, die Wirkung von Impfungen und die Fruchtbarkeit verringern und Krebs erzeugen können. Eine Reihe der Tausenden weltweit bekannten Pfas-Verbindungen sind in der EU bereits verboten. Brüssel kann allerdings nur Verbote für einzelne Untergruppen aussprechen. Diese werden in der Industrie anschließend häufig durch ähnliche Pfas ersetzt.

Verbot schon für vergangene Legislaturperiode angekündigt

Die EU-Kommission arbeitet deshalb seit Jahren an einem umfassenden Pfas-Verbot. Es war ursprünglich für die vergangene Legislaturperiode angekündigt und schon mehrmals verschoben worden. Umweltkommissarin Jessika Roswall bezeichnete die Reform am Montag in Brüssel trotz der Verzögerungen als Priorität. „Es ist möglich, die Industrie bereitet sich schon darauf vor“, sagte sie.

Ein früherer Entwurf war im vergangenen Jahr in einer internen Prüfstelle der Kommission durchgefallen. Nun muss Roswall auf zwei Echa-Studien warten – eine zu den chemischen Risiken und eine zu den wirtschaftlichen Folgen eines Verbots.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare