piwik no script img

Förderprogramm für E-AutosNeue Kaufprämie kann kaum überzeugen

Nachdem Umweltminister Schneider die neue E-Auto-Förderung vorgestellt hat, hält die Kritik daran an. Besonders drei Punkte werden bemängelt.

Auch für Hybridautos gilt die neue Kaufprämie Foto: Christoph Soeder/dpa

Die Bundesregierung verteidigt ihre neue Kaufprämie für Elektro- und Hybridautos – aber die Kritik daran reißt nicht ab. Dass elektrische Fahrzeuge wieder staatlich gefördert werden, findet zum Beispiel Sven-Peter Rudolph, der Vorsitzende des ACE Autoclubs Europa, grundsätzlich gut. „Allerdings bleibt die Bundesregierung an entscheidenden Stellen hinter den Erwartungen zurück“, meint Rudolph.

Er vermisst etwa einen Preisdeckel für die förderfähigen Autos. Ohne Obergrenze würden Ver­brau­che­r:in­nen die Prämie wahrscheinlich vor allem für teure Fahrzeuge beantragen. „Wenn die Bundesregierung Elektromobilität wirklich in die Breite bringen will, muss sie gezielt bezahlbare Fahrzeuge fördern“, sagt Rudolph und fordert ein Limit bei 35.000 Euro Bruttolistenpreis.

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte das neue Förderprogramm für E-Autos am Montag in Berlin vorgestellt, angekündigt hatte es die schwarz-rote Koalition schon im Oktober. Drei Milliarden Euro stellt der Bund in Summe bereit, um den Kauf und das Leasing neuer E-Autos, Hybride und Stromer mit Range-Extendern – kleinen Verbrennungsmotoren für mehr Reichweite – rückwirkend zum 1. Januar 2026 attraktiver zu machen. Au­to­fah­re­r:in­nen kriegen zwischen 1.500 und 6.000 Euro pro Fahrzeug, je nach Antriebsart, Haushaltsgröße und Einkommen. Das Versprechen: besonders Menschen mit niedrigem Einkommen Zugang zur Elektromobilität zu ermöglichen.

Schon 2016 hatte die damalige Bundesregierung aus SPD und CDU unter Kanzlerin Angela Merkel eine Kaufprämie für batterieelektrische Fahrzeuge, Hybride und Autos mit Wasserstoffbrennstoffzellen eingeführt – den sogenannten Umweltbonus. Das Ziel, damals wie heute: den Absatz von E-Autos anzukurbeln und den klimaschädlichen CO₂-Ausstoß im deutschen Straßenverkehr runterzuregeln, der vor allem auf das Konto von Verbrennern geht.

Kommt die Förderung für gebrauchte E-Autos?

Ende 2023 stampfte die Ampelkoalition den Umweltbonus überraschend ein. Die E-Auto-Käufe in Deutschland gingen merklich zurück, außerdem kämpfen europäische Autobauer immer mehr mit der Konkurrenz aus asiatischen Staaten, besonders aus China. Dortige Marken haben konsequenter auf Elektromobilität gesetzt, sich einen technologischen Vorsprung erarbeitet und teilweise von ordentlichen staatlichen Finanzspritzen profitiert.

Trotzdem breiten sich E-Autos in vielen europäischen Staaten aus. In Deutschland war 2025 jeder fünfte verkaufte Neuwagen ein reiner Stromer. Auch bei den Zulassungen von Gebrauchtwagen legten vollelektrische Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel zu, wie Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen. Ihr Marktanteil war mit nur 3,6 Prozent der Fahrzeuge, die offiziell ihre Be­sit­ze­r:in­nen wechselten, aber noch immer klein.

Menschen mit kleinerem Geldbeutel können sich auch so kein neues E-Auto kaufen

Annika Fuchs, Robin Wood

Nun freut sich der konservative Verband der Automobilindustrie (VDA) zwar, dass die Förderung auch für vergleichsweise klimaschädliche Plug-in-Hybride beantragt werden kann. Spätestens ab 2027 aber sollte sie auch für gebrauchte E-Autos gelten, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Bundesumweltminister Schneider hielt am Dienstag im Gespräch mit dem Deutschlandfunk dagegen, der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos sei zu klein.

Annika Fuchs, Verkehrsreferentin bei der Umweltorganisation Robin Wood, ärgert außerdem die geltende Einkommensgrenze: Das neue Förderprogramm richtet sich an Haushalte mit einem Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro, mit Kindern liegt die Grenze 5.000 Euro pro Kind höher. „Damit profitieren Besserverdienende“, sagt Fuchs. „Menschen mit kleinerem Geldbeutel können sich auch so kein neues E-Auto kaufen. Ihnen wäre mit Investitionen in den öffentlichen Verkehr viel mehr geholfen.“

Marion Tiemann, Verkehrsexpertin bei Greenpeace schlägt vor: „Die Bundesregierung sollte das Förderprogramm gegenfinanzieren, indem für neue, besonders klimaschädliche Verbrenner eine Abgabe zu zahlen ist.“ Klimaschädliche Verbrenner aus dem deutschen Verkehr ziehen, das will auch Schneider mit seinem Förderprogramm. Abgaben für Verbrenner lehnt die Bundesregierung jedoch ab.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Völliger Nonsens, und peinlich, dass es von einem Umweltminister kommt.



    Verbrenner-Autos bezahlen ihre Schädigung Dritter incl. des Klimas mal konsequent. Das löst es doch schon weitgehend, selbst wenn früheres Schaden vergessen würde.



    Die Autoindustrie überrundet die Steinkohlebranche mit aller Gier, scheint es.



    Zuschüsse, wenn, für Räder, E-Bikes, E-Roller.

    Wenn Verbrennerautos verschrottet werden, nicht wenn noch Autos gekauft werden. Das Erste ist das Ziel, nicht das Zweite!



    Außer man lässt sich von Gesamtmetall am Nasenring führen, natürlich.