Spendenkampagne für Alternative Zentren: Umverteilung gegen rechts
Alternative Zentren stehen unter Druck. Die Kampagne „Alles beginnt im Zentrum“ baut einen Förderfonds für linke Orte auf und sammelt Spenden.
Molotowcocktail, Sprengstoffangriff, Hakenkreuze. Diese Überschriften kann man allein in den letzten vier Wochen zu Angriffen auf linke Begegnungsorte in Deutschland lesen. Erst am 14. Januar 2026 wurde das alternative Kulturzentrum Schlossberg in Saalfeld mit Brandsätzen beworfen. In Cottbus sprengten Unbekannte am 30. Dezember 2025 die Tür des selbstverwalteten Hausprojekts und Jugendzentrums „Zelle79“.
Andere Angriffe auf soziokulturelle Orte finden leiser statt. Kürzlich gab das „Netzwerk für Demokratische Kultur“ in Wurzen bekannt, dass es 2026 fast alle seine Veranstaltungen streichen und die Öffnungszeiten seines Kultur- und Bürger:innenzentrums einschränken muss. Grund dafür ist eine Entscheidung des Stadtrats, dem Verein Fördergelder zu kürzen.
Tobias Burdukat von der Alten Spitzenfabrik im sächsischen Grimma überrascht das nicht. Dem „Verein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit“, der dort die offene Jugendarbeit gestaltete, wurde schon 2021 das Fördergeld gestrichen. Der gesellschaftliche Rechtsruck mache sich in vielen Kommunen bemerkbar, so auch in Grimma: „Wir sind der Stadt ein Dorn im Auge. Unter anderem, weil die Jugendlichen, die sich früher bei uns getroffen haben, gegen die AfD protestiert haben, die hier die stärkste Partei ist. Uns werden seitdem Steine in den Weg gelegt.“
Früher trafen sich in der Alten Spitzenfabrik regelmäßig Jugendliche. Sie organisierten Konzerte und Workshops. Aber dann wurde die Stelle für Jugendarbeit gestrichen, der Skateplatz wurde geräumt und die Nutzung des Geländes untersagt. Dabei gäbe es laut Burdukat in Grimma kaum alternative Angebote für Kids: „Hier im ländlichen Raum werden dann Jungs oft zu Fußball-Hooligans. Für Mädchen gibt es eigentlich gar nichts als Bezugspunkt.“ Damit sich irgendwann wieder Jugendliche in der Alten Spitzenfabrik treffen können, muss sie aufwändig renoviert werden. Aber das ist teuer.
„Reiche Lefties“ sollen zahlen
Wenn institutionelle Förderung vom politischen Klima abhängt, der Wind aber gerade steif von rechts weht, woher soll dann das Geld für die Instandhaltung von Alternativen Zentren, kurz AZs, kommen? Wer soll nach rechten Angriffen Sachschäden ersetzten? „Der Druck auf AZs steigt. Viele haben in den letzten Jahren geschlossen. Es ist für alle beschissener geworden. Wir müssen uns jetzt selbst helfen. Und auf zivilgesellschaftliche Finanzierung zurückgreifen“, meint Tobias Burdukat.
Einen Topf für so eine Finanzierung will die „Monom-Stiftung für Veränderung“ etablieren. Gemeinsam mit dem soziokulturellen Zentrum Conne Island in Leipzig hat sie „Alles beginnt im Zentrum“ ins Leben gerufen. Die Kampagne sammelt Spenden für einen Fonds, aus dem sich selbstverwaltete linke Räume bei Problemen bedienen können.
Ziel ist es, dass aus dem Topf auch regelmäßige Ausgaben finanziert werden können, wie zum Beispiel Gehälter für Stellen, die von Kommunen gestrichen wurden. Denn Orte, wo Jugendliche sich treffen können, wo die Nachbarschaft zusammenkommt, wo es mal ein günstiges Essen gibt und wo sich Leute gemeinsam bilden, strahlen auf die ganze Gesellschaft aus, erklärt Carla Riese von der Monom-Stiftung: „Es ist so wichtig, dass selbstorganisierte, emanzipative Zentren nicht verloren gehen. Sie sind die Grundlage dafür, dem rechtskonservativen Status quo etwas entgegenzusetzen. Wir müssen für unsere Freiräume kämpfen.“
Die Spendenkampagne soll Leute ansprechen, die linke Werte teilen und Geld haben. Die selbst vielleicht von AZs profitiert haben, weil ihre Lieblingsband ihre ersten Konzerte dort hatte, oder weil sie selbst früher im Skatepark im Zentrum um die Ecke billiges Bier getrunken haben. Leute, die gut verdienen oder dick geerbt haben und politisch etwas bewirken wollen, aber keine Zeit haben, selbst aktiv zu werden – „reiche Lefties halt“, meint Carla Riese.
Sachbeschädigungen als Dauerzustand
In der Alten Spitzenfabrik in Grimma wurden in den letzten vier Wochen Sitzmöbel im Außenbereich und eine Infotafel zerstört. Immer wieder werden Scheiben eingeschmissen. Tobias Burdukat kann sich gut vorstellen, in Zukunft für Renovierungen auf den Topf der Monom-Stiftung zuzugreifen.
Drei Monate nach dem Launch von „Alles beginnt im Zentrum“ sind allerdings erst rund 10.000 Euro zusammengekommen. Für einen nachhaltigen Fördertopf reicht das noch lange nicht. Da die Kampagne größtenteils auf Social Media stattfindet, geben viele Leute eher ein Like als eine Spende. Carla Riese will nicht aufhören, auf die Notwendigkeit von zivilgesellschaftlicher Unterstützung für AZs hinzuweisen: „Nicht immer nur von Umverteilung reden. Auch mal machen!“
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