Stefan Liebich verlässt die Linkspartei: Bernie Sanders statt Heidi Reichinnek
Der frühere Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich tritt aus der Linken aus. Er will sich auf seine neue Heimat USA fokussieren.
Stefan Liebich war 25 Jahre lang einer der Köpfe des realpolitischen Flügels der Linkspartei. Er war zehn Jahre lang in Berlin im Abgeordnetenhaus und 15 Jahre lang Bundestagsabgeordneter. Jetzt hat er nach 35 Jahren Mitgliedschaft seinen Austritt aus der Linkspartei erklärt.
Es ist ein Abgang ohne Trommelwirbel – eher ein pragmatischer Schritt, wie man ihn von einem Realo erwarten kann. Liebich leitet seit knapp zwei Jahren das Nordamerikabüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in New York und hat seit Mai 2025 eine Greencard, also eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in den USA. Er will sich auf die USA konzentrieren. „Ich plane mit meiner US-amerikanischen Familie meine Zukunft hier“, so Liebich. Die RLS ist die mit der Linkspartei verbundene Stiftung.
Im Abschiedsbrief an die Linkspartei heißt es: „Ab Januar 2026 werde ich in meiner neuen Heimat versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen und die Demokraten zu unterstützen. Bei unserem neuen Bürgermeister in New York City, Zohran Mamdani, fällt das leicht, bei anderen Parteimitgliedern etwas schwerer. (Ihr kennt das).“ Er wolle „nicht auf zwei Partys tanzen“ und trete aus der Partei aus, „in einer Zeit, in der es ihr gut geht. Deutschland braucht eine Partei des demokratischen Sozialismus.“
Im Rückblick lobt Liebich die historische Anpassungsleistung der aus der DDR-Staatspartei SED hervorgegangen PDS, die sich 2005 mit der WASG zur Linkspartei vereinte. „Keine andere Partei musste den Bruch mit dem Stalinismus als System vollziehen und hat daher schmerzhaft gelernt, dass sie weder ein Monopol auf die Wahrheit hat, noch Avantgardepartei ist.“
Zum Abschied hat er noch einen Rat an seine Ex-Partei. Sie solle „an Mitte-links-Mehrheiten arbeiten, damit es eine Alternative zu Schwarz-Blau gibt, wenn die Brandmauer fällt.“
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