piwik no script img

Trump-Auftritt in DavosEr will einfach nur Grönland haben

Beim Weltwirtschaftsforum macht der US-Präsident deutlich: Er bleibt bei seinem Anspruch auf Grönland. Doch seine Zolldrohung macht er am Abend rückgängig.

Not so great Television: Ausdauernd sprach US-Präsident Trump am Mittwoch in Davos Foto: Markus Schreiber/ap

US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos seinen Anspruch erneuert, Grönland zu einem Teil der USA zu machen. Die Insel liege in einer „Schlüsselposition“, könne nur von den USA verteidigt werden und sei deshalb wichtig für die „nationale Sicherheit“, sagte er am Mittwochnachmittag. Allerdings müsse er „nicht Gewalt nutzen“, sagte Trump, man könne das Territorium auch „kaufen“.

Nicht alles, aber doch fast alles dreht sich beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in der Schweiz um den US-Präsidenten. Es gibt zwar auch interessante Podiumsdiskussionen über künstliche Intelligenz, Energiepolitik und Welthandel, doch wichtiger erschien am Mittwoch: Wann landet der Hubschrauber mit Trump an Bord, wann hält er seine Rede, wie sieht seine nächste Attacke auf die bisherige Weltordnung aus?

Der zentrale inhaltliche Punkt des Kongresses ist momentan folgerichtig: Grönland. Der Autokrat aus Washington beansprucht die größte Insel der Welt, die zum EU- und Nato-Staat Dänemark gehört. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und weiteren Ländern, die dagegen protestieren, droht Trump mit zusätzlichen Strafzöllen auf Importe in die USA ab 1. Februar. Vor seiner Abreise nach Davos sagte Trump, er werde in dem Schweizer Skiort Gespräche über Grönland führen und sei optimistisch, eine Einigung mit den europäischen Nato-Partnern zu erzielen.

Am Abend gab Trump dann auch auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social bekannt, dass eine Vereinbarung erzielt worden sei. Konkrete Details nannte er allerdings nicht.

Langatmiges Selbstlob

In seiner langatmigen, mäandernden, vor Selbstlob strotzenden Rede erklärte der US-Präsident, keine andere Macht auf der Welt dürfe die Möglichkeit haben, in die „westliche Hemisphäre“ einzudringen: „Das ist gut für uns, das ist gut für Europa.“ Eine Bedrohung der Nato stelle dieser Anspruch nicht dar.

Natürlich, sagte Trump, könnten die anderen Staaten zu diesem Ansinnen Nein sagen. „Aber das werden wir uns merken“

„Wir haben nichts von der Nato bekommen“, wiederholte Trump zudem immer wieder in seinen rund 90-minütigen Ausführungen, „wir haben immer nur bezahlt“. Als Gegenleistung „wollen wir jetzt einfach nur Grönland haben“. Das sei auch nötig, damit die USA dort einen „Golden Dome“ errichten könnten, ein Raketenabwehrsystem. Damit würde auch Kanada verteidigt. Natürlich, sagte Trump, könnten die anderen Staaten zu diesem Ansinnen „Nein“ sagen. „Aber das werden wir uns merken“, sagte Trump.

Die Reaktionen der Nato- und EU-Staaten auf derlei Ansagen bewegen sich zwischen Zurückweisung der US-Ansprüche, Plädoyers für die eigene Stärke, und Verhandlungsangeboten. Derzeit hat Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron die Rolle, diese Gegenwehrstrategie gegen Trumps Drohungen anzuführen. Zusammen mit anderen europäischen Staaten entsandte er nicht nur eine erste Delegation von Elitesoldaten nach Grönland als Signal, dass es Europa ernst ist mit der Stärkung Grönlands. Macron kündigte auch eine Verstärkung durch Truppen aller Waffengattungen an.

SMS unter „Freunden“

Eine SMS von Macron an Trump – mit deren Veröffentlichung der US-Präsident seinen Kollegen am Dienstag dann jedoch bloßstellte – tönte wiederum konziliant: Unter „Freunden“ sollte man doch miteinander reden können, ohne bei Differenzen gleich mit Strafzöllen zu drohen. Macron hatte für Donnerstag einen Pariser Gipfel im G7-Format angeregt. Und damit es freundschaftlich klang, folgte noch eine Einladung zum Dinner im Élyséepalast vor Trumps Rückflug – wobei es zu beidem nun wohl nicht kommen wird.

Macrons freundschaftlicher SMS-Tonfall wiederum kontrastiert mit seinem Vorpreschen in der EU. Er schlägt vor, die EU solle das Antizwangsinstrument (ACI), die „Bazooka“, aktivieren. Damit könnte notfalls zum Beispiel der Import bestimmter US-Produkte in die EU verhindert werden.

Währenddessen wollte sich Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Davos nicht öffentlich zu den Spannungen äußern. Trump und andere Staats- und Regierungschefs hätten jedoch recht, dass mehr getan werden müsse, um die Arktis vor russischem und chinesischem Einfluss zu schützen, sagte Rutte. „Wir arbeiten daran und stellen sicher, dass wir die Arktisregion gemeinsam verteidigen.“

„Total bescheuert“

Mehrere US-Gouverneure zeigten sich in Davos besorgt über die Besitzansprüche ihres Präsidenten. „Das Grönlandvorgehen ist total bescheuert“, sagte der demokratische Gouverneur des Bundesstaats Kentucky, Andy Beshear. Innerhalb eines Jahres habe Präsident Trump die USA vom Anführer der freien Welt zum „Rüpel auf dem Schulhof“ gemacht. Die US-Amerikaner seien gegen eine Übernahme Grönlands.

Weite Passagen der Rede widmete Trump seinen tatsächlichen oder vermeintlichen Erfolgen. „Die Inflation ist besiegt“, behauptete er. Sie betrug 2025 in den USA allerdings tatsächlich 2,8 Prozent, während es im Euroraum nur 2,1 Prozent waren. Das Wirtschaftswachstum sei so hoch gewesen, wie „es noch nie ein Land gesehen hat“. Tatsächlich waren es 1,9 Prozent. China brachte es auf 5 Prozent. In seiner Heimat seien „die Leute sehr glücklich mit mir“, glaubt der Präsident. Überall würden neue Stahlfabriken gebaut, er habe 270.000 „Bürokraten“ aus dem Staatsdienst geworfen. Für jedes neue Gesetz würden 100 alte abgeschafft. Die Benzinpreise sänken, weil man viel mehr Erdöl produziere als vorher.

„Ich war sehr klug“, so Trump. Großbritannien empfahl er, ebenfalls auf Öl zu setzen: Unter der Nordsee lägen noch Erdgas und Öl „für 500 Jahre“. Und „Windmühlen“, sagte Trump, und meinte Windräder: Die seien nur etwas für „Verlierer“.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare