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Wir retten die WeltSteuergeld für Holzlatschen!

Wieso zahlen wir Geld, damit Kon­su­men­t:in­nen das bessere Auto kaufen? Wer Smartphones statt Wählscheibentelefonen kauft, wird auch nicht belohnt.

Autofahren neu denken: Klein und leicht und elektrisch statt SUV-Monster oder Überholspur-Schleudern Foto: IMAGO/Zoonar.com/Markus Mainka

D er blaue Bus der Linie 371 zischte nur so durch die Kurven. Wir waren in Cassis am Mittelmeer und auf dem Weg zum Bahnhof. Für die engen Straßen den Berg hoch hatten wir frühmorgens den Bus genommen – oder besser: die Rakete. Denn der Linienbus voller müder Pendler flog nur so die Straße entlang. Lautlos, rasant, man merkte dem Busfahrer an, wie viel Spaß er hinter dem Steuer seines Elektro-Busses hatte. Ich hielt mich gut fest und erinnerte mich an das gequälte Gerüttel, Geschüttel und Geschalte anderer Stadtbusse, die die Welt mit Diesel verpesten. Und ich dachte: Warum macht eigentlich mit diesem Schwung, dieser Dynamik und dieser Freude am schnellen und lautlosen Dahinsummen niemand offensiv Werbung, der die E-Mobilität fördern will?

Die Bundesregierung jedenfalls hat diese Idee gerade wieder ausgebremst. Statt mit Spaß am Fahren und Freude am Klimaschutz wird mit der dicken Brieftasche argumentiert: Jetzt gibt es wieder drei Milliarden Euro Steuergeld für die E-Auto-Förderung. Familien mit bis zu 80.000 Euro jährlichem Einkommen können bis zu 6.000 Euro für den Kauf eines Autos bekommen. Kann man machen, wenn man zu viel Geld hat.

Man kann aber auch darüber streiten, ob E-Autos so teuer sein müssen. Ob sie in Deutschland gebaut werden sollen, um hier Jobs, Steuern, Wertschöpfung und Wertschätzung zu erhalten. Und ob diese Blechkisten mit einem E-Motor genau solche SUV-Monster und Überholspur-Schleudern sein müssen wie ihre dreckigen Brüder und Schwestern. Oder ob E-Mobilität nicht die Chance wäre, bei Hubraum und Hupraum mal abzurüsten und kleinere, leichtere Modelle zu entwickeln, die leichter, schneller, billiger wären? Aber das sind nur die verrückten Gedanken eines fußgehenden, radfahrenden Öffi-Benutzers.

Wirklich absurd ist etwas anderes: Warum müssen wir eigentlich mit viel Steuergeld etwas fördern, was eindeutig die bessere Alternative ist? Elektro-Autos sind schneller, sauberer, ohne diesen blöden reparaturanfälligen Verbrennungsmotor, unabhängig von Scheichs, Trumps und Putins und bald auch billiger, auf jeden Fall bei Zugang zu günstigem Strom oder eigener Solaranlage. Wo ist da der mündige Konsument, von dem wir sonst immer hören? Wir müssen ja auch sonst die Menschen nicht mit geschenktem Geld davon überzeugen, lieber ein Smartphone statt des Wählscheiben-Telefons zu kaufen, einen Laptop statt der mechanischen Schreibmaschine zu nutzen oder in bequemen Schuhen statt in selbstgeschnitzten Holzlatschen zu laufen.

Aber die geilen Elektroschlitten preisen wir an wie schales, lauwarmes Bier. Alles, was ihnen fehlt, ist das Röhren des Motors, die schwarze Abgasfahne, der Geruch nach verbrannten Kohlenwasserstoffen und Klimawandel – und das Bewusstsein, beim Tanken die tödlichste Bedrohung unseres Lebens zu finanzieren. Wer das will – bitte sehr. Allen anderen sollten wir einfach mal eine 20-minütige Fahrt mit dem ID3 von Freund Thomas über kurvige Alpenstraßen zu unserer Berghütte in Vorarlberg spendieren. Wer nach diesem Tiefflug durch die Bergwelt dann immer noch in seinen keuchenden, quietschenden, ächzenden Schalt-Benziner zurückwill – bitte sehr. Alle anderen, die alle ihre Tassen noch im Schrank haben, müssen wir beim Autokauf nie wieder mit Steuermilliarden bestechen.

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Bernhard Pötter
Redakteur für Wirtschaft und Umwelt
Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).
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