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Weltwirtschaftsforum in DavosTrumps „Friedensrat“ scheitert bereits in Gaza

Leon Holly

Kommentar von

Leon Holly

In Davos enthüllen der US-Präsident und sein Schwiegersohn ihren Wiederaufbauplan für Gaza. Doch das Leben dort ist nach wie vor ein Albtraum.

Gaza im Januar 2026 – weit entfernt von jeder Normalität Foto: Dawoud Abu Alkas/reuters

M it dem sogenannten Friedensrat will US-Präsident Donald Trump seinen vergoldeten Hofstaat in Mar-a-Lago zum Prinzip seiner Außenpolitik erheben. Dabei geht es, wie könnte es anders sein, vor allem um Geschäftsdeals und ums Geldmachen.

Dazu passt auch die Zukunftsvision, die sein Schwiegersohn Jared Kushner am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentierte, samt Bildern, die aussehen wie ein KI-generiertes Dubai. Während Trump den Standortwert von Gaza und den Meeresblick pries, beschrieb Kushner seine eigene Haltung als „sehr unternehmerisch“.

Trump hat mit seinem „Board of Peace“ offenbar Großes vor. Derweil gleicht Gaza einem apokalyptischen Albtraum. Seit dem Beginn des Nicht-Friedensschlusses im Oktober hat Israel über 2.500 Gebäude gesprengt. Die ausgebombte Bevölkerung lebt dort bei Regen und Wind in schlammigen Zeltlagern, wo sich Krankheiten rasant verbreiten. Nach wie vor lässt Israel nicht ausreichend Hilfe nach Gaza und verbietet nun auch noch 37 humanitären NGOs die Arbeit vor Ort.

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Der Krieg gegen die Bevölkerung geht also weiter – genauso wie die Angriffe auf jene, die ihn dokumentieren. So tötete die israelische Armee erst am Mittwoch die drei Journalisten Anas Ghunaim, Abdul Ra’ouf Shaath und Mohammad Qeshta, die laut Berichten in einem mit dem Logo einer ägyptischen NGO markierten Auto unterwegs waren.

Da hilft es wohl auch kaum, dass mit dem Bulgaren Nikolaj Mladenov ein erfahrener UN-Diplomat die Verhandlungen übernimmt, der Kontakte sowohl in Israel als auch zur Palestinian Authority und zur Hamas hat. Nicht nur die islamistische Gruppe operiert nach wie vor in Gaza. Auch Israels Premier Netanjahu tut alles, um den Fortschritt des Friedensplans zu verhindern. Dabei wird der Zulauf zur Hamas und zu anderen militanten Gruppen kaum versiegen, solange sich Israel nicht bereit erklärt oder dazu gezwungen wird, den Palästinensern ein Leben in Selbstbestimmung zu ermöglichen. Eine KI-generierte Traumwelt ist mit Sicherheit kein Ersatz für einen gerechten Frieden.

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Leon Holly
Jahrgang 1996, studierte Politik und Nordamerikastudien in Berlin und Paris. Von 2023 bis 2024 Volontär der taz Panter Stiftung. Schreibt über internationale Politik, Kultur, und was ihn sonst so interessiert.
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7 Kommentare

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  • "Trump Gaza" ist doch genau auf der Linie von Netanjahu und seinen rechts-rechts-ultrakonservativen Partnern. Die Umsiedlungsdebatte wird wieder fahrt aufnehmen, jetzt da ein Gremium offiziell und mit Druck mit den umliegenden Ländern verhandeln kann. Imperator Trumpster Dumpster kann endlich, endlich uneingeschränkt schalten und walten, so wie es von Gott schon immer gewollt war. Die "Wir waren schon vor 5000 Jahren hier" Mentalität der extremen rechten in Isarel ist dabei eigentlich genau das Gegenteil von Trumps "Nur weil die vor fünfhundert Jahren mal mit dem Boot auf Grönland gelandet sind, gehört Ihnen das nicht einfach" Aussage. *hust* Columbus *hust* Mayflower *hust*. Dauerhafter Frieden in Nahost wird nur erreichbar sein, wenn ein unabhängiger, von der Hamas uns Hisbollah nicht mehr beinflusster Staat entsteht. Dazu muss aber die Landnahme der radikalen Siedler gestoppt und umgekehrt werden. Das ist mit der jetzigen Regierung und Trumps neuem Diktator-Club nicht zu machen.

  • Hätte Trump all das viele Geld bereits vor Jahren an die UN und die angeschlossenen Hilfsorganisationen gespendet, um in Gaza humanitäre Hilfe leisten zu können, so wäre die Hamas niemals groß geworden.

  • Es scheint sich bei diesem 'Board of Peace" um eine Privatfirma der Familie Trump zu handeln mit einem einzigen Geschäftsführer. Geschäftsanteile können für 1Milliarde erworben werden.







    Geschäftsgegenstand: Möglichst viel Profit aus einem mutwillig immer noch weiter zerstörten Landstrich zu ziehen bzw. im Fall Netanjahu sich diesen komplett unter den Nagel zu reißen.

    Europa sollte sich fernhalten, sonst sieht es am Schluss so aus: Netanjahu hat nach dem Vorbild Putin (hat sein Ziel bzgl. Ukraine noch nicht erreicht) und Trump (Grönland wird noch nicht ausgestanden sein) sich ein angrenzendes Land einverleibt, eine Privatclique um Trump hat den Profit abgeschöpft und wenn die Rechnungen kommen soll Europa zahlen.

  • In der guten alten Comicwelt, z.B. „Clever & Smart,“ sind Typen mit ähnlichen Ambitionen wie Trump am Ende meist in einer geschlossenen Abteilung zusammen mit anderen Möchtegern-Despoten gelandet. Bei dem, was bisher über die Zusammensetzung des Gremiums und die Struktur bekannt ist, wäre das sicher ein geeigneter Versammlungsort.

    • @Flix:

      In der realen Welt wurde „Isnogut“ leider tatsächlich mittlerweile türkischer Kalif, womöglich auf Lebenszeit. Dein mal gespannt, welche Comiker sich in Zukunft noch in Trumps trauter Talkrunde einfinden werden.

    • @Flix:

      Der Boss dort - meiner Meinung mit diesem Schnäuzer eine Franco-Verhohnepiepelung - ist harmlos gegenüber dem realen Trump. Das hätte doch kein Kabarettist erfinden können.



      Lassen wir uns nicht beirren.



      Lasst die Amerikaner nach Epstein und anderen, noch klarer rechten Eliten-Problemen nachfragen und die Zwischenwahlen ihn kupieren. Im besten Falls entlähmt sich danach die Legislative wieder und wird immer noch viele Jahre brauchen - bitte schon mal den Plan fertig in der Schublade.

      • @Janix:

        Stimmt schon, das was früher Satire war, ist schon längst von der Realität überholt worden.