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+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++Massive russische Angriffe trotz Verhandlungen

Nach massivem Beschuss durch Russland kommt es in Kiew erneut zu Ausfällen der Wärme- und Wasserversorgung. In Abu Dhabi sind die trilateralen Gespräche vorerst beendet worden. Beide Kriegsparteien äußerten Zuversicht.

Rettungskräfte arbeiten daran, ein Feuer nach einem russischen Angriff in Charkiw zu löschen Foto: Andrii Marienko/dpa

Zweiter Verhandlungstag der trilateralen Gespräche beendet

Der zweite Verhandlungstag bei den trilateralen Gesprächen zwischen Kiew, Moskau und Washington über eine Beendigung des russischen Kriegs in der Ukraine ist beendet. Die Delegationen seien in ihre Hotels zurückgekehrt, eine Fortsetzung heute sei nicht mehr geplant, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Verhandlungskreise. Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.

Nach aus Verhandlungskreisen durchdringenden Informationen sind beide Kriegsparteien grundsätzlich mit dem Verlauf der Gespräche zufrieden. Es gebe Resultate, doch diese würden von den Verantwortlichen daheim verkündet, zitierte Tass ein Mitglied der russischen Verhandlungsdelegation. Die Ukraine habe die Verhandlungen ebenfalls als „positiv“ und „konstruktiv“ bewertet, schrieb der politische Beobachter von Axios, Barak Ravid, auf X. Demnach sollen die Gespräche bereits in der nächsten Woche fortgesetzt werden. (dpa)

Nato will Ostflanke mit „automatisierter Zone“ schützen

Die Nato will die Verteidigung ihrer Ostflanke laut dem deutschen Nato-General Thomas Lowin künftig unter anderem mit einer weitgehend menschenleeren „automatisierten Zone“ vor einer möglichen russischen Invasion schützen. Es gehe dabei darum, an der Grenze zu Russland und Belarus „zur Verteidigung nicht nur konventionelle Truppen einzusetzen, sondern durch Hindernisse und den Einsatz von Technik eine roboterisierte oder automatisierte Zone im grenznahen Bereich zum Gegner zu schaffen, die dieser dann erst einmal überwinden muss“, sagte Lowin der Welt am Sonntag.

Systeme wie „bewaffnete Drohnen, teilautonome Gefechtsfahrzeuge, unbemannte roboterisierte Bodensysteme“ sollten im Zusammenspiel mit Sensoren und automatischen Auslösern dabei helfen, russische Streitkräfte in der ersten Phase des Angriffs aufzuhalten, und dabei gleichzeitig die eigenen Soldaten zu schonen, sagte der Bundeswehr-Brigadegeneral weiter. Es gehe bei diesem System „nicht um eine Entmenschlichung des Krieges“, am Ende entscheide weiterhin „der Mensch in verantwortlicher Weise, wann und wie die Waffen eingesetzt werden“.

Mit Lowin sprach laut Welt am Sonntag erstmals ein Nato-General öffentlich über das neue Verteidigungskonzept Eastern Flank Deterrence Line (EDFL) (Ostflanken-Abschreckungslinie). Das Konzept soll nach Informationen der Zeitung möglichst bereits bis Ende 2027 umgesetzt werden.

Zum EDFL gehört laut Lowin neben dem Grenzschutz durch automatisierte Systeme unter anderem auch die Einlagerung von deutlich mehr Waffen. „Wir werden spürbar größere Vorräte als bisher in den Nato-Grenzstaaten zu Russland sehen“, sagte er weiter. Dazu gehörten beispielsweise „Waffen- und Munitionsdepots zur Wiederbewaffnung der Verteidigungssysteme in der automatisierten Zone, aber auch zur Ausrüstung der Nato-Streitkräfte“, sagte der Vizechef des Stabes für Operationsführung im Nato-Landkommando in Izmir.

Unter dem Eindruck des massiven Eindringens russischer Drohnen in den Luftraum Polens im vergangenen September und weiterer Drohnen-Vorfälle hatten die europäischen Nato-Staaten in den vergangenen Monaten bereits die Planung eines „Drohnenwalls“ zur Verteidigung der Ostflanke vorangetrieben. Dieser gilt als eines der Vorzeigeprojekte der EU im Bereich Verteidigung.

Beim Aufbau der Drohnenabwehr will die EU nach eigenen Angaben auch auf die Erfahrung der Ukraine setzen, die sich seit mehr als drei Jahren gegen russische Drohnenangriffe zur Wehr setzt und kostengünstige Bekämpfungsstrategien entwickelt hat. (afp)

Verhandlungen in Abu Dhabi am zweiten Tag auch über Gebietsfragen

Die Verhandlungen über eine Beendigung des russischen Kriegs in der Ukraine haben nach Medieninformationen am zweiten Tag auch mit Gesprächen über das heikle Thema Gebietsabtretungen begonnen. Mehrere Dokumente würden studiert und erörtert, hieß es der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge aus russischen Delegationskreisen. „Sowohl Territorien als auch (Sicherheits-)Garantien und andere Aspekte“, zitierte die Agentur ihren Informanten.

Das Thema Gebietsabtretungen ist eins der heikelsten bei den Gesprächen über einen Frieden. Russland fordert neben den ohnehin schon besetzten Gebieten im Osten der Ukraine weitere Landstriche, konkret die auch nach knapp vier Jahren noch nicht eroberten Reste des Gebietes Donezk, für sich ein. Die Ukraine wiederum lehnt einen einseitigen Rückzug aus der Region ab. (dpa)

Ukraine kritisiert Russland scharf für Angriffe

Kyjiw hat die massiven russischen Angriffe auf die Ukraine inmitten der Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges in Abu Dhabi scharf kritisiert. „Friedensbemühungen? Trilaterales Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten? Diplomatie? Für die Ukrainer war es eine weitere Nacht russischen Terrors“, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Samstag im Onlinedienst X. Er machte den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich dafür verantwortlich.

„Zynischerweise hat Putin einen brutalen massiven Raketenangriff gegen die Ukraine angeordnet, während sich Delegationen in Abu Dhabi treffen, um den US-geführten Friedensprozess voranzubringen“, kritisierte Sybiha. „Seine Raketen haben nicht nur unser Volk, sondern auch den Verhandlungstisch getroffen.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf X, Russland habe sein Land in der Nacht mit „mehr als 370 Angriffsdrohnen und 21 Raketen unterschiedlichen Typs“ beschossen. Neben der Hauptstadt Kyjiw und deren Umland, wo insbesondere Energieinfrastruktur angegriffen worden sei, seien auch die Regionen Sumy, Charkiw und Tschernihiw betroffen gewesen. Ein Todesopfer und Dutzende Verletzte, darunter ein Kind, seien zu beklagen.

Selenskyj forderte von allen Partnern der Ukraine eine „starke Antwort“ auf diese Angriffe. Dazu gehörten Lieferungen an die ukrainische Luftabwehr. (afp)

Russland greift trotz Verhandlungen erneut massiv an

Erneute heftige russische Angriffe auf mehrere ukrainische Regionen in der Nacht zum Samstag haben die ersten direkten Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA zur Beendigung des Krieges überschattet. Allein in der Hauptstadtregion Kyjiw und der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw wurden nach jüngsten Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet und 27 weitere verletzt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, die Angriffe hätten „auch den Verhandlungstisch getroffen“.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb im Onlinedienst X von „370 Angriffsdrohnen und 21 Raketen unterschiedlichen Typs“, mit denen Russland sein Land beschossen habe. In Kyjiw und dessen Umland sei insbesondere Energieinfrastruktur angegriffen worden. Betroffen seien darüber hinaus die Regionen Sumy, Charkiw und Tschernihiw. Selenskyj schrieb von einem Todesopfer und „Dutzenden Verletzten“, darunter auch ein Kind.

Der Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko hatte am frühen Samstagmorgen erklärt, die Stadt werde „massiv“ angegriffen, die Bevölkerung rief er auf, in Schutzräumen zu bleiben. Nach seinen Angaben wurden mehrere Gebäude getroffen, jedoch keine Wohnhäuser.

Später schrieb Klitschko von einem Todesopfer und vier Verletzten. In mehreren von Drohnentrümmern getroffenen Gebäuden sei Feuer ausgebrochen, zudem sei die Wärme- und Wasserversorgung in Teilen der Hauptstadt unterbrochen. Im Kyjiwer Umland wurden nach Angaben der örtlichen Behörden vier weitere Menschen verletzt.

Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, informierte im Onlinedienst Telegram über einen Angriff mit Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion, der mehrere Wohngebäude in zwei Stadtteilen nahe der russischen Grenze beschädigt habe. Nach Angaben der Polizei wurden dabei 15 Menschen verletzt und zwei medizinische Einrichtungen beschädigt. (afp)

Polen will Vertrag zu Drohnen-Abwehrsystem unterzeichnen

Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz hat die baldige Unterzeichnung eines Vertrags zur Installation „des wichtigsten Drohnen-Abwehrsystems in Europa“ angekündigt. Die Vereinbarung zwischen Warschau und einem internationalen Konsortium werde bis Ende des Monats unterzeichnet, wurde der Minister am Samstag von der Zeitung Gazeta Wyborcza zitiert. Die zugrundeliegenden Verhandlungen seien bereits abgeschlossen. Den finanziellen Umfang des Rüstungsprojekts nannte Kosiniak-Kamysz nicht.

Nach seinen Angaben besteht die neue Drohnen-Abwehr für Polen aus „verschiedenen Rüstungssystemen“, die vornehmlich von heimischen Firmen, aber in Zusammenarbeit mit ausländischen Konzernen geliefert würden. Im vergangenen Jahr habe er bereits einen Vertrag mit der US-Gruppe Anduril unterzeichnet, sagte der Verteidigungsminister. Auch der norwegische Technologiekonzern Kongsberg gehöre zu den Konzernen, „mit denen wir reden“.

Das EU- und Nato-Land Polen grenzt an die Ukraine sowie Russland und Belarus und gehört zu Kiews entschiedensten Unterstützern bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs. Die massiven russischen Drohnenangriffe auf das Nachbarland beobachtet Polen mit Argwohn, außerdem sind schon mehrmals russische Flugobjekte in den polnischen Luftraum eingedrungen.

Die polnische Regierung hatte Kiew kürzlich angeboten, ihre Kampfflieger Mig-29 sowjetischer Bauart an die ukrainische Armee zu liefern. Zugleich äußerte sie Interesse an ukrainischer Drohnentechnologie, die infolge des seit fast vier Jahre andauernden russischen Angriffskriegs sehr weit entwickelt ist. (dpa)

Altkanzler Schröder gegen „Dämonisierung“ Russlands

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder nennt den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zwar völkerrechtswidrig, warnt aber vor einer „Dämonisierung“ Russlands. „Natürlich ist der Krieg in der Ukraine nicht zu respektieren, auch nicht zu relativieren. Er ist völkerrechtswidrig, eine Verletzung der Menschenrechte“, schreibt der 81 Jahre alte Altkanzler in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung. Es müssten alle diplomatischen Mittel genutzt werden, um den Krieg zu stoppen. (dpa)

Russland meldet Einnahme eines Dorfes in der Region Charkiw

Russland hat nach eigenen Angaben das Dorf Staryzja in der nordostukrainischen Region Charkiw eingenommen. Zudem hätten die Truppen in der Nacht ukrainische Drohnenstellungen und Energieanlagen angegriffen, teilt das Verteidigungsministerium in ⁠Moskau ‍mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (rtr)

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