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Schlechte Luft in vielen RegionenFeinstaub in Deutschland reißt Grenzwerte

Die Luftqualität in weiten Teilen Deutschlands ist derzeit schlecht. Schuld sind vor allem der Verkehr und Holzheizungen – nicht das Wetter.

Rauchender Schornstein eines Einfamilienhauses an einem kalten Wintertag in Stuttgart Foto: Arnulf Hettrich/imago

Die Luft über weiten Teilen Deutschlands ist derzeit stark mit Feinstaub belastet. Am Wochenende wurden Daten des Umweltbundesamts zufolge an zahlreichen Messstationen Feinstaub-Grenzwerte überschritten. Das war unter anderem in Berlin, in Thüringen, Sachsen, im Süden Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und in Hamburg der Fall. Zwar hat der Niederschlag die Belastung vielerorts wieder gesenkt. Allerdings ist sie nach wie vor hoch, besonders im Westen.

Seit vergangener Woche hatte sich die Feinstaubbelastung aufgebaut. Grund dafür waren kalte Tage mit wenig Wind. Dazu kamen die menschengemachten Feinstaubemissionen. Aus dem Umweltbundesamt heißt es, ein Fünftel des Feinstaubs sei auf den Verkehr zurückzuführen, ein weiteres Fünftel auf Holzheizungen, mit denen Privathaushalte die Wohnungen warm halten. Daneben entstünden bei der Energieerzeugung und in der Industrie weitere Emissionen.

„Der Ausstoß von Feinstaub in Deutschland ist viel zu hoch und führt dazu, dass die Feinstaub-Belastung in weiten Teilen Deutschlands regelmäßig im gesundheitsschädlichen Bereich liegt“, sagt Robin Kulpa, der zu Verkehr und Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) arbeitet. Der Verband hat gegen das Nationale Luftreinhalteprogramm der Bundesregierung geklagt. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts erwarte er noch in diesem Jahr, so Kulpa.

Feinstaub setzt sich aus verschiedenen Partikeln zusammen. Dazu gehören etwa Pollen. Der Verkehr produziert unter anderem durch Reifen- und Bremsabrieb von Kraftfahrzeugen Feinstaub. Daneben sind Holzheizungen für die besonders hohe Belastung der vergangenen Tage verantwortlich.

Demenz, Asthma, Diabetes

Gesundheitsrisiken birgt Feinstaub besonders für Menschen mit Vorerkrankungen, Alte und Kinder. Die Partikel können in den gesamten Körper gelangen, sogar bis ins Gehirn. Dort können sie Demenz begünstigen oder an anderer Stelle Krankheiten wie Asthma. Feinstaub kann Entzündungen fördern und schlägt sich auch auf das Herzkreislaufsystem nieder. Dabei kann er das Risiko etwa von Bluthochdruck oder Diabetes Typ II erhöhen.

Zudem beeinflusst Feinstaub die Umwelt. Rußpartikel absorbieren Wärme und heizen laut dem Weltklimarat die Atmosphäre um ein Vielfaches stärker auf als CO2. Außerdem könnte er Ernteerträge schmälern, so ein Bericht der Weltwetterorganisation.

„Wir müssen weg von der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Auch das Heizen mit Holz als erneuerbare Alternative sehen wir kritisch, denn es ist die größte Quelle gesundheitsschädlicher Feinstaub- und Rußpartikel in Europa“, sagt Kulpa.

Die Feinstaubbelastung in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Laut Umweltbundesamt würden die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten. Maria Jung, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Center for Planetary Health Policy (CPHP), arbeitet zu Luftqualität in Deutschland. Sie sagt, Deutschland halte seine Grenzwerte zwar ein – allerdings landesweit erst seit 2024 und zudem begünstigt durch feinstaubarme Wetterlagen.

Deutschland muss mehr tun

Die Europäische Union hatte vor zwei Jahren neue Grenzwerte in einer Richtlinie festgeschrieben. Deutschland muss sie bis Jahresende in nationales Gesetz überschreiben. 2030 tritt sie in Kraft. Die neuen Grenzwerte schreiben vor, die Emissionen noch einmal zu halbieren. Um das zu schaffen, wären laut Jung verschiedene Maßnahmen denkbar, etwa eine City-Maut, Umweltzonen oder etwa weniger Holzöfen. Kurzfristig helfe etwa auch kostenloser öffentlicher Personennahverkehr. Kulpa von der DUH sagt, es müssten außerdem Partikelfilter im Verkehr nachgerüstet werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt auf wissenschaftlicher Basis nochmals strengere Grenzwerte. Beim Umweltbundesamt hält man diese Vorgaben derzeit nur schwer umsetzbar. Marie Jung vom CPHP sagt: „Die WHO-Vorgaben sind tatsächlich eine Herausforderung. Aber vor 20 Jahren hat man auch gedacht, die jetzigen Grenzwerte wären nicht zu erreichen.“ Deshalb seien auch diese Vorgaben in Zukunft realistisch, so Jung. Vor allem, da die europäischen Nachbarn nun ebenfalls ihre Feinstaubbelastung stärker regulieren müssten.

Hier spielt die sogenannte Hintergrundbelastung eine wichtige Rolle. Bei ihr geht es um Feinstaub, der nicht lokal emittiert wird, sondern über Luftbewegungen aus dem Ausland oder sogar von anderen Kontinenten herüberweht. Die WHO empfiehlt einen Grenzwert von 10 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Die Hintergrundbelastung mache laut Umweltbundesamt bereits die Hälfte davon aus. Sinkt sie global, haben alle es leichter, die Feinstaubbelastung auf ein Minimum zu senken.

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