Mexiko stoppt Öllieferung nach Kuba: Insel auf Sparflamme
Mexikos Präsidentin Sheinbaum hat das „vorübergehende“ Ende der Erdöllieferungen bekannt gegeben. Damit rückt der ökonomische Kollaps Kubas näher.
Am Erdöl hängt auf Kuba fast alles. Ohne überlebensnotwendige Importe von mindestens 4 Millionen Barrel im Jahr gehen auf der Insel buchstäblich die Lichter aus. „Apagones“, Stromabschaltungen, sind seit zwei, drei Jahren Alltag auf der Insel.
„Selbst die Hauptstadt Havanna wird täglich immer öfter für acht, zehn, zwölf Stunden in Dunkelheit getaucht“, so Omar Everleny Pérez. Der Ökonom und Analyst lebt in Marianao, einem Mittelklasseviertel im Westen Havannas und hatte noch am Sonntag gehofft, dass Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum dem Druck aus den USA standhalten würde. „Mexiko hat eine lange solidarische Geschichte mit der kubanischen Revolution, hat in den vergangenen Jahren die Erdölexporte nach Kuba gesteigert – unter anderem im Austausch für den Einsatz einiger Tausend Ärzte zwischen Chihuahua und Chiapas“, so Pérez.
Doch 48 Stunden später kam die Erklärung von Sheinbaum, dass Mexiko die Lieferung von Erdöl nach Kuba einstellen werde. Das sei eine souveräne Entscheidung des mexikanischen Erdölunternehmens Pemex. Auch die Entscheidung der mexikanischen Regierung, aus humanitären Gründen Erdöl an Kuba zu liefern oder eben nicht, sei souverän und nicht auf Druck der USA erfolgt. „Mexiko war immer solidarisch und wird es auch weiterhin sein“, so die Präsidentin. Sie wollte auf der Pressekonferenz am Dienstag aber nicht erklären, ob und wann das Land wieder Öllieferungen nach Kuba tätigen werde.
Zwischen Kriegswirtschaft und ökonomischem Kollaps
Für Havanna ist das eine verheerende Nachricht. Kuba ist seit der Entführung von Nicolás Maduro durch die US-Armee und der parallel erfolgenden Beschlagnahme von Öltankern in der Region von Rohöllieferungen aus Venezuela abgeschnitten. Mexiko stieg im Januar zum wichtigsten Lieferanten der unter einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise leidenden Inselökonomie auf. Der letzte Tanker, die „Ocean“ Mariner, hat laut der mexikanischen Tageszeitung El Financiero am 11. Januar die Bucht von Havanna mit 86.000 Barrel leichtem Rohöl angelaufen.
Für Kuba ist das eine Lieferung, die den Notstandsbedarf der Insel für wenige Tage deckt. Der liegt bei etwa 6 bis 7 Millionen Barrel im Jahr. Knapp 3 Millionen Barrel stammen aus eigener kubanischer Förderung, die in den überalterten und maroden Kraftwerken der Insel nur mit hohem Aufwand verarbeitet werden können, wodurch es immer wieder zu Kraftwerkshavarien kommt.
Das weiß auch die mexikanische Regierung, die seit 2023 Erdöl guter Qualität nach Kuba liefert, wodurch zumindest partiell der Einsatz von kubanischem Personal in Mexiko verrechnet wird. „Wie die zukünftig bezahlt werden, ist offen“, so Pérez. Nicht nur im Fall von Mexiko, wo rund 4.000 Kubaner:innen im Einsatz sind, sondern auch im Fall Venezuelas, wo es laut Pérez mehr als 15.000 sein dürften. Deren Entlohnung ist für Havanna essenziell, denn der Tourismussektor schrumpft von Jahr zu Jahr, und die Binnenökonomie leider unter Strom- und Kraftstoffmangel.
2025 ist die Inselökonomie um erneut 1,5 Prozent laut Daten der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) geschrumpft. Für US-Präsident Donald Trump ist klar, dass Kuba wie ein reifer Apfel in den Schoß der USA fallen muss, so wie es 1823 US-Präsident James Monroe bereits in der Monroe-Doktrin prophezeite.
Trumps Außenminister als Präsident Kubas?
Dabei setzen die USA auf maximalen Druck auf die venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez, die weder Öl noch andere Hilfsgüter nach Havanna liefern darf. US-Außenminister Marco Rubio hat Rodríguez ganz offen mit Gewalt gedroht, „um maximale Zusammenarbeit sicherzustellen, wenn andere Methoden scheitern“. Besagter Rubio wird auf „Truth Social“, der von Donald Trump genutzten erzkonservativen Internetplattform, bereits als zukünftiger Präsident Kubas gehandelt. Rubio bezeichnet die kubanische Revolution gern als „Unfall der Geschichte“.
Kubas oberste Führungsgarde hat bereits am vergangenen Wochenende auf den Druck aus den USA reagiert und den „estado de guerra“, den Kriegszustand, ausgerufen. Auf Sparflamme soll die Insel nun laufen. Doch wie das im Detail und ohne ausreichend Erdöl laufen soll, haben Präsident Miguel Díaz-Canel und Altrevolutionär Raúl Castro nicht gesagt. Die revolutionäre Insel, so wird bereits in der kubanischen Exilgemeinde in den USA spekuliert, stehe vor dem Kollaps.
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